top of page
  • Tim Nau

Bücher der Zeit - Board & Dice

Bücher der Zeit – Wir schreiben die Geschichte

„Bücher der Zeit“, von Board & Dice und in der deutschen Version bei Giant Roc erschienen, ist eine Mischung aus Enguine-Building und Tableau-Bau-Spiel für 1 bis 4 Personen von Filip Glowacz.

Die Menschheitsgeschichte wartet darauf von uns geschrieben zu werden. So schreiben wir in drei verschiedene Bücher und versuchen die besten Fähigkeitskombinationen zu bilden.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Das Spielmaterial ist sensationell und die Spieleschachtel ist prall gefüllt. Hauptaugenmerkt liegt auf den 13 Büchern. Diese sind mit einer Ringbuchklammer ausgestattet und haben jeweils einen Buchdeckel aus sehr harter Pappe. Das ist absolut mega genial und verleiht dem Spiel eine erstklassige Note. Dieses Geräusch, wenn man die Klammer aufmacht und nach dem Einheften wieder zumacht ist einfach herrlich und sorgt für ein ganz besonderes Flair. Vielleicht werden jetzt einige anmerken, dass es doch eine kleine Verletzungsgefahr mit sich bringt. Ein klein wenig vorsichtig agieren muss man hier natürlich. Für das Chronik-Buch gibt es noch ein eigenes Pult, welches man vor dem ersten Spiel zusammenbauen muss und anschließend wird dann während des Spiels die Chronik auf dieses gelegt. Auf dem Spieltisch sieht das alles erstklassig aus. Die zahlreichen Karten, die mit tollen Illustrationen versehen sind, fühlen sich sehr wertig an. Ihr braucht euch, aufgrund des dauernden Einheftens, Ausheftens und Umblätterns, keinerlei Gedanken machen, dass etwas kaputtgeht. Die Karten sind super robust. Das weitere Spielmaterial ist aus dicker Pappe und sehr gelungen.

Einen großen Kritikpunkt habe ich allerdings. Auch wenn die Ikonografie des Spiels erstklassig ist, wurde bei der Wahl der Farben mehr als schlecht gearbeitet. Ich meine hier die Farbe am Rand des Symbols für eine Karte. So kann die Farbe Gelb, grau, rot, grün oder auch ein Misch aus zwei Farben sein. Für Menschen mit einer Farbsehschwäche ist das Spiel, schlicht und ergreifend, nicht spielbar. Und selbst bei normaler Farbsehfähigkeit ist es aus etwas Entfernung sehr schwer zu erkennen, welche Farbe denn nun gemeint ist. Hier hätte man entweder deutlich intensivere Farben oder besser noch eine andere Symbolik verwenden sollen, ja vielleicht sogar müssen.


Die Anleitung ist erstklassig geschrieben und Fragen bleiben keine offen. Was mich immer freut ist, wenn man merkt, dass Liebe in der Anleitung steckt. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und wir erhalten viel Hintergrundwissen.


Das Spielsystem

Das Spielsystem ist einfach gehalten und die Regelerklärung dauert nicht lange.

Schauen wir uns ein paar wesentliche Spielelemente an, bevor wir zu den einzelnen Aktionen kommen. Ein Element sind die 3 Bücher aus den Bereichen Wissenschaft, Industrie und Handel. In diese Bücher heftet ihr die farblich passenden Seiten ein, die ihr zunächst aus der Auslage erwerben müsst. Erhaltene Seiten werden dann Oberhalb der Geschichtsleiste platziert und werden so dann zu den verfügbaren Seiten, die ihr in eure Bücher schreiben könnt. Eine neue Seite heftet ihr immer auf die aktuell obenliegende Seite.


Wichtig sind auch die drei Meilensteine, die farblich mit den Büchern korrespondieren. Hier gilt es, bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Für jedes der drei Bücher gibt es drei Meilensteine mit jeweils steigenden Anforderungen aber auch steigenden Vermächtnispunkten, die ihr am Spielende erhalten könnt. Aktiv ist immer nur der oben liegende Meilenstein. Ihr könnt Meilensteine freischalten. Wenn ihr dies tut, entfernt ihr den farblich passenden Meilenstein, dreht diesen um und nehmt euch eine der angezeigten Belohnungen. Nun ist der darunterliegende Meilenstein aktiv. Überlegt euch diese Entscheidung gut, denn sie ist unumkehrbar.

Der Spielzug gestaltet sich sehr einfach. So muss der aktive Spieler eine der 6 zur Verfügung stehenden Aktionen durchführen und darf davor oder nachher eine der beiden Fähigkeiten der Chronik ausführen.


Schauen wir uns die 6 zur Verfügung stehenden Aktionen kurz an.


Die Chronik

Ihr könnt Seiten aktivieren. Dazu wählt ihr ein Buch und führt, in beliebiger Reihenfolge, die Fähigkeiten auf der linken und der rechten Buchseite aus. Anschließend blättert ihr die Seite um. Wenn durch diese Aktion der hintere Buchdeckel zugeklappt wurde, erhaltet ihr alle Sofortboni der Seiten und schlagt das Buch wieder auf der ersten Seite auf.


Eine weitere Möglichkeit ist es Seiten zu schreiben. Wichtig ist es, dass ihr die Aktion beliebig oft durchführen dürft - natürlich nur dann, wenn ihr auch die Kosten bezahlen könnt. Dazu wählt ihr einfach eine Seite, bezahlt die Kosten und heftet die Seite in das entsprechende Buch ein. Unmittelbar mit dem Einheften erhaltet ihr den unten auf der Seite angegebenen Sofort-Bonus.


Ihr könnt ein Buch zuklappen. In diesem Fall erhaltet ihr alle Sofortboni der bereits umgeblätterten Seiten des entsprechenden Buchs. Anschließend schlagt ihr es wieder auf Seite 1 auf.


Eine weitere Option ist das Nehmen neuer Seiten. Ihr nehmt einfach 2 Seiten aus der Auslage oder vom Geschichtsstapel. Unmittelbar nach jedem Nehmen wird die Auslage wieder aufgefüllt.


Die Meilensteine

Eine weitere Möglichkeit ist es euren Zähler, auf einer der drei Leisten, um eine Position nach oben zu verschieben. Ihr müsst dafür die rechts angegebenen Kosten bezahlen. Auf dem neuen Feld stehen euch zwei Optionen zur Verfügung. So könnt ihr entweder den Bonus des Feldes in Anspruch nehmen oder aber den obersten, farblich passenden, Meilenstein entfernen.


Die letzte Aktionsmöglichkeit ist das umblättern von jeweils einer Seite in bis zu drei Büchern. Dafür erhaltet ihr den Sofort-Bonus der neuen Seite.


Vor oder nach der Aktion könnt ihr noch eine der beiden Fähigkeiten der aufgeschlagenen Doppelseite der Chronik ausführen.


Nachdem jeder Spieler einmal am Zug war endet die Runde und ihr blättert eine Seite in der Chronik um. Nun startet die neue Runde. Das Spiel endet, wenn ihr die Chronik beim Umblättern zuklappt.


Nach einer kurzen Schlusswertung zeigt sich, wer das Spiel gewonnen hat.


Die optimale Spielerzahl

Konzipiert ist das Spiel für 1 bis 4 Personen. Auf den Solo-Modus gehe ich gleich kurz gesondert ein.


Anpassungen in Bezug auf die Spielerzahl gibt es nicht. Diese sind auch nicht nötig. Bücher der Zeit gehört zu den Spielen die sich, egal in welcher Spieleranzahl, immer gleich gut spielen. Grund hierfür ist, dass ihr eigentlich ohnehin nur mit euren eigenen Büchern beschäftigt seid und die Aktionen der Gegenspieler zwar verfolgt aber diese kaum einen Einfluss auf eure eigenen Entscheidungen haben. Es kann höchstens vorkommen, dass ihr eine Karte sehr gerne haben möchtet aber euch ein Gegenspieler diese eben wegnimmt. Mit zunehmender Spielerzahl muss man allerdings mit ein wenig Downtime leben.


Was definitiv nicht passt ist die Angabe der Spieldauer auf der Schachtel. Also in 60 Minuten schaffe ich das Spiel nur zu zweit. Richtet euch auf ca. 30 Minuten pro Spieler ein, wenn alle mit den Regeln vertraut sind.


Auch an die Solo-Spieler wurde gedacht und hier ist Bücher der Zeit eine absolute Bombe und eine echte Empfehlung für alle Solo-Fans. Prinzipiell spielt sich das Spiel genau wie ein Spiel mit mehreren Personen. Vor Beginn einer Runde frisst der Bücherwurm immer bestimmte Karten. Welche dies sind, wird auf der rechten Seite der Chronik angezeigt. Anschließend führt ihr einfach die gewünschte Aktion durch.


Im Solo-Spiel müsst ihr am Anfang drei Herausforderungen wählen, die es zu erfüllen gilt. Im unteren Bild habe ich euch diese einmal aufgeführt. Wichtig ist es, dass ihr eine Herausforderung je Spalte wählen müsst. Diese solltet ihr auch erfüllen, da euch je nicht erfüllter Herausforderung am Spielende 15 Vermächtnispunkte abgezogen werden.


Knackige Herausforderungen im Solo-Spiel

Ich persönlich finde, dass das Spiel, schon in der einfachsten Stufe, eine echte Herausforderung darstellt – aber so soll es ja auch sein. Hier hat David Turczi, für mich ein Meister im Solo-Bereich, ganz vortreffliche Arbeit geleistet.


Fazit

Bücher der Zeit ist ein gutes Spiel welches zunächst einmal durch das tolle Spielmaterial besticht und auf dem Tisch mit einer unheimlich schönen Präsenz überzeugen kann. Dazu kommen die recht einfach gehaltenen Regeln die dafür sorgen, dass sehr zeitnah losgespielt werden kann.


Das Grundprinzip des Spiels ist sehr einfach und das sorgt dafür, dass auch gehobene Familienspieler gut mit diesem Spiel klarkommen werden. Aus meiner Sicht kann man es wohl im unteren Kennerspielbereich einordnen. Spieltaktisch gilt es vor allem immer genau darauf zu achten, welche Seiten man denn nun am besten zu welchem Zeitpunkt nimmt, um von den Boni und Effekten am effektivsten profitieren zu können. Ebenfalls ist es immer eine elementare Entscheidung, auf welchen oder welche Meilensteine man sich am besten konzentriert. In meinen Partien hat sich gezeigt, dass nicht alles möglich ist, was man denn gerne erreichen würde, sondern man einen klaren Fokus setzen muss.

Klar muss euch sein, dass ihr nicht zu diesem Spiel greifen dürft, wenn ihr auf Interaktion wert legt, da diese hier nicht stattfindet. Mich persönlich stört das nicht, da ich gerne auch einfach für mich spiele, ohne immer auf die Aktionen meiner Gegenspieler achten zu müssen, die mir meinen nächsten Zug „kaputt machen“.


Insgesamt für mich persönlich eines der Spiele aus dem Herbst 2023 und eine echte Empfehlung.

0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Opmerkingen


bottom of page