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  • Tim Nau

Carnival Zombie 2nd Edition - Taverna Ludica Games

Carnival Zombie

„Carnival Zombie“, in der deutschen Version bei Taverna Ludica Games erschienen, ist ein Tower-Defense-Spiel für 1 bis 6 Spieler von Matteo Santus

Das Fundament Venedigs ruht auf dem Leviathan. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser erwacht und die Stadt in den dunklen Gewässern der Lagune versinkt. Bevor dies geschieht, müssen wir mit unseren Charakteren weit weg vom Terror sein. So beginnt unsere Flucht, bei der wir uns den Gegnerhorden stellen müssen...


Ein Blick in die Spieleschachtel

Materialtechnisch ist das Spiel ein echtes Schwergewicht. Highlight sind natürlich die 16 Miniaturen - 6 Charaktere und 10 Bosse, die unheimlich detailgetreu sind und toll aussehen. Sämtliches Pappmaterial hat eine klasse Dicke. Die zahlreichen Karten fühlen sich gut an und die Illustrationen überzeugen.


Super sind die beiliegenden Spielerhilfen, die einem in einem knappen Überblick die Regeln vor Augen führen und das Leben arg erleichtern. Des Weiteren gibt es eine erstklassige Referenztafel, die ebenfalls Gold wert ist. Wenn ihr mit den Regeln vertraut seid, benötigt ihr eigentlich nur noch diese Materialien.

Zu Beginn der Anleitung steht, dass man sich wegen der Länge des Regelheftes keine Sorge machen muss. Ja, die Anleitung ist auch satte 30 Seiten dick und für die Szenarien bzw. für die unterschiedlichen Finals liegen auch noch entsprechende Tafeln bei. Erschwerend kommt hinzu, dass die Regeln sehr kleinteilig sind. Aber tatsächlich kann man die Anleitung sehr gut verstehen, wozu vor allem die vielen Bilder und die zahlreichen Beispiele sorgen. Die Einarbeitung in die Regeln erfordert allerdings trotzdem Zeit und vor allem Konzentration.


Das Spielsystem

Einmal mit den Regeln vertraut, spielt sich das Spiel anschließend sehr flüssig und überzeugt mit einem eingängigen und super cleveren Spielsystem. Doch bevor es soweit ist, müsst ihr erst einmal ein wenig „Arbeit“ in das Regelstudium investieren. Wie dargestellt funktioniert das mit der Anleitung wirklich gut. Ich empfehle euch dennoch, die Regeln in Verbindung mit einem YouTube Video zu lernen und das Spiel dann erst einmal alleine zu spielen. Die ersten zwei Partien werden, zumindest sehr wahrscheinlich, recht holprig verlaufen und einige Fragen aufwerfen. Anschließend klappt das dann aber alles wirklich gut. Geht deshalb erst in eine kooperative Runde, wenn ihr alles verinnerlicht habt, weil der Spielspaß ansonsten auf der Strecke bleibt.


Einmal mit dem Spielaufbau vertraut, geht das für ein Spiel dieses Kalibers auch sehr zügig. Plant allerdings ordentlich Platz auf dem Tisch ein.


Ich werde euch hier nur die Grundzüge der möglichen Aktionen darstellen, weil es ansonsten den Rahmen sprengen würde und euch wahrscheinlich ermüden würde, das alles zu lesen. Ich hoffe das es mir gelingt, euch einen Überblick zu geben, damit ihr bewerten könnt, ob das Spiel etwas für euch oder eure Gruppe ist.


Der Spielplan

Schauen wir uns als erstes das geniale Spielbrett an, um ein paar Begrifflichkeiten zu klären.


Im Bereich links oben ist die Venedigkarte. Hier bewegt ihr die Gruppe von Ort zu Ort, um einen Ausweg aus der Hölle zu finden. Wichtig ist es, dass sich immer die gesamte Gruppe am gleichen Ort befindet.


Direkt darunter befindet sich ein Bereich mit Setup-Hilfe, den ihr nur ganz am Anfang benötigt. Ich nutze diesen Ort dann immer für meinen Leichenstapel – wir kommen auf diesen noch zu sprechen.


Darunter befindet sich dann der Bereich der 3 Tickets. Das ist nichts Anderes als eure Rundenübersicht. Ihr schiebt hier euren Marker von Tag- zur Nachtphase und daneben sehr ihr, wie viele Bosse ihr, abhängig vom Schwierigkeitsgrad, aus dem Boss-Karten-Stapel ziehen müsst. Die Symbolik in der Nachtphase des dritten Tickets zeigt an, dass ihr hier euer Finale beginnen müsst.


Im unteren Bereich befindet sich die Terrorleiste, die wir uns gleich ein wenig genauer anschauen.

Zentral in der Mitte befindet sich die taktische Karte und in deren Mitte das Refugium, welches in 4 Quadranten, Norden, Osten, Süden und Westen, aufgeteilt ist. Das Refugium gilt es dann in der Nachtphase zu verteidigen. Vor dem Refugium kann man dazu noch, auf den einzelnen Blockfeldern, Barrikaden platzieren. Jeder einzelne Quadrant außerhalb des Refugiums gliedert sich noch einmal in zwei separate Bereiche. Zum Beispiel im Norden also in die Bereiche Nord 1 und Nord 2. Des Weiteren ist der Bereich in drei Ringe aufgeteilt. Auf dieser Karte findet der Kampf in der Nachtphase statt.


Im südwestlichen Bereich der taktischen Karte befindet sich noch die Uhr mit den euch zur Verfügung stehenden Stunden.


Außerdem findet ihr oben noch die Werte der 4 Standard-Gegner sowie Ablageplätze für die zu ziehenden Boss-Karten.

Die vier Standard-Gegner mit ihren Werten

Die Terrorleiste

Carnival Zombie ist darauf ausgelegt, bei euch Stress zu erzeugen, was dem Spiel sensationell gut gelingt.


Im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Art haben eure Charaktere keine Lebenspunkte, sondern befinden sich auf einem Stress-Level. Dieses System gefällt mir, wie so vieles an diesem Spiel, super. Eure Charaktere starten ohne Stress – doch das wird sich schnell ändern…


Immer wenn ein Charakter Stress erhält, bewegt ihr seinen Marker um die entsprechende Anzahl von seiner Startposition weg. Stress erhaltet ihr, zum Beispiel, wenn ihr Ziel eines Angriffes seid, wenn ihr in der Nacht eine zusätzliche Aktion in einer Stunde machen wollt oder falls dies eine Albtraumkarte vorgibt. Erholt sich der Charakter, bewegt ihr den Marker in die andere Richtung. Erreicht der Stressmarker den roten Bereich, ist der entsprechende Charakter terrorisiert. Nun müsst ihr besonders aufpassen, wenn ihr Leichen auf den Leichenstapel fallen lasst. Sobald der Marker den Bereich verlassen muss, ist dieser handlungsunfähig und kann keine weiteren Aktionen mehr durchführen. Diesen Zustand könnt ihr nur durch die Tagaktion „Reanimation“ wieder ändern. Sind alle Charaktere handlungsunfähig, habt ihr das Spiel sofort verloren. Das ist mir allerdings noch nie passiert.


Die Charaktere

Werfen wir nun einen Blick auf die 6 Charaktere.

Diese spielen immer alle mit und verfügen über unterschiedliche Waffen sowie verschiedene Tag- und Nachfähigkeiten. Des Weiteren verfügt jeder Charakter über ein eigenes Kartendeck mit weiteren Ausrüstungsgegenständen, die ihr erhalten könnt.


Zu Beginn eurer Partie müsst ihr die Charaktere in eine Aktivierungs-Reihenfolge bringen, die dann auch über die gesamte Partie einzuhalten ist. Startet ihr das Spiel auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad, was ich euch definitiv empfehlen würde, erhält jeder Charakter auch schon einen Startgegenstand.


Das Kampfsystem

Werfen wir gemeinsam einen Blick auf das Kampfsystem, welches ich erstklassig finde, weil hier nichts dem Zufall überlassen wird. Alles ist knallhart durchrechenbar. Nach der Platzierung der Gegner startet immer ihr die Kampfphase. Ihr müsst hier nicht würfeln, keine Karten ziehen oder sonst irgendwas machen. Es reicht ein Blick auf die Waffen bzw. auf die Eigenschaften der Waffe. Hier gilt es nur zu verinnerlichen, was die drei Kategorien bedeuten bzw. was eine Schießaktion mit der entsprechenden Waffe bewirkt. Ist das einmal verstanden, geht es super schnell.


Rechts neben der Waffe auf eurer Charakterkarte bzw. unten auf einer Gegenstandskarte mit einer Waffe findet ihr, von links nach rechts, drei Symbole mit einer Zahl. Das Munitionssymbol bedeutet die Anzahl der Treffer einer Schießaktion. Das bedeutet nichts anderes als die Anzahl an Gegner, die ihr mit einer Schießaktion trefft. Daneben findet ihr die Anzahl an Wunden, die ihr einem einzelnen Gegner mit einer Aktion zufügt. Befindet sich neben der Zahl noch ein gezackter Stern, verfügt diese Waffe über explosive Munition, was für euch perfekt ist, weil bei dieser Art von Munition die Anzahl an Wunden allen Gegnern und Bossen auf dem Zielfeld zugefügt wird. Macht eure Waffe, zum Beispiel, mit einer Aktion nur 1 Treffer, greift ihr auch nur 1 Ziel an und fügt diesem dann 2 Wunden zu. Jeder normale Gegner „verträgt“ nur eine Wunde, so dass dann die zweite Wunde „verpufft“ – ihr dürft diese nicht einem anderen Gegner zufügen. Rechts neben den Wunden ist die Reichweite zu sehen. Diese bedeutet die Entfernung von euch zum Ziel.


Angreifen könnt ihr nur Gegner, die sich mit euch im gleichen Quadranten befinden. Nun entscheidet ihr euch für eine Waffe und wählt ein Zielfeld, welches sich natürlich in Reichweite befinden muss. Hierbei müsst ihr beachten, dass auch wenn die Reichweite eurer Waffe 3 beträgt, ihr diese nur ausnutzen könnt, wenn sich keine Gegner auf den Feldern davor befinden. Ihr könnt nur Ziele in dem Feld bzw. Ring angreifen, welches dem Refugium am nächsten ist. Nun schießt ihr, entfernt die Gegner vom Spielfeld und befördert diese auf den Leichenstapel. Dieses ist ein kleines Minispiel, welches wir uns auch noch anschauen werden. Fügt eure Waffe, zum Beispiel, 1 Wunde zu, entfernt ihr einen Gegner vom Feld, auf das ihr schießen dürft. Welchen Gegner, mit Ausnahme der Bosse, ihr wegnehmt, ist eure Entscheidung. Verfügt ihr über explosive Munition macht es „Booom“ und mit einem Treffer entfernt ihr alle Gegner vom Feld. Auch hier natürlich mit Ausnahme der Bosse, da diese über mehr Leben verfügen.


Jetzt habe ich ja schon oft die Bosse angesprochen. Befindet sich ein Boss mit einem normalen Infizierten auf einem Feld, fügt ihr diesem nur eine Wunde zu, wenn ihr explosive Munition nutzt. Greift ihr dieses Feld an und habt keine explosive Munition zur Verfügung, dürft ihr die Wunden nicht auf den Boss legen, sondern müsst das Feld erst komplett freikämpfen, bevor ihr dem Boss Schaden zufügen könnt.


Der Leichenstapel

Auch den Leichenstapel habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Auf diesen kommen alle durch euch getöteten Infizierten – mit Ausnahme der Bosse. Es ist eine Art Mini-Spiel im Spiel, welches einerseits super lustig ist aber andererseits auch echt Nerven kostet.

Der Leichenstapel verlangt Fingerspitzengefühl - doch oftmals nutzt es nichts

Besiegt ihr nämlich Gegner, müsst ihr diese komplett in einem Zug auf den Leichenstapel befördern. Dieser befindet sich auf einem kleinen Plättchen. Ihr nehmt also die getöteten Infizierten in eure Finger, wandert mit eurer Hand in einer beliebigen Höhe (ihr dürft hierbei aber weder das Plättchen noch irgendwelche Steine, die bereits darauf liegen, berühren) über dem Plättchen und lasst dann die Steine fallen. Bleiben diese liegen ist alles gut. Jeder Stein der aber herunterfällt, wird wieder auf den dritten Ring des Quadranten gelegt, in dem der Charakter steht, der die Gegner getötet hat. Das wäre noch nicht ganz so schlimm. Aber leider erhält der entsprechende Charakter auch noch einmal Stress – zum Glück nicht in der Höhe der heruntergefallenen Würfel. Doch es kommt noch schlimmer, denn wenn der Charakter terrorisiert war, erhalten alle Charaktere einmal Stress. Das ist dann manchmal zum Haare raufen, da spätestens in der dritten Stunde der Nacht Gegner herunterfallen werden. Zum Glück gibt es durch eine Barrikade oder eine Gegenstandskarte die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken.


Ich habe mich tatsächlich ein paar Mal bei dem Gedanken ertappt, dieses Spiel zu ignorieren. Doch irgendwie gehört es dazu und tatsächlich macht es, trotz großer Frustmomente, Spaß.


Die Phasen des Spiels

Werfen wir nun gemeinsam noch einen Blick auf die einzelnen Phasen des Spiels. Im Rahmen der Szenarien gibt es Unterschiede beim Aufbau und in der Spielweise. Alles wird aber auf den beiliegenden Tableaus genau dargestellt. Auf die Szenarien möchte ich nachher nur einen ganz kurzen Blick werfen. Mir persönlich macht das Spiel als Kampagne einfach am meisten Spaß.


Der Tag beginnt mit den Sonnenaufgangsritualen. Zunächst einmal mischt ihr den Albtraumkartenstapel und zieht eine Karte. Der rechts oben angegebene Ort versinkt und ihr platziert einen entsprechenden Marker. Die Durchquerung dieses Orts kostet euch nun eine Stunde mehr und an einem versunkenen Ort könnt ihr niemals die Nacht beginnen. Versinken bestimmte Orte hat das außerdem Einfluss auf euer Finale, da ihr dieses gegebenenfalls nicht mehr starten könnt und dann umschwenken müsst.


Nun zieht ihr noch eine Karte und führt das in der Mitte angegebene Ereignis aus. Dies kann positiv wie auch negativ sein.


Anschließend stehen euch 4 Stunden für den Tag zur Verfügung. Der Tag dient immer der Bewegung und der Vorbereitung auf die anstehende Nacht bzw. auf das anstehende Finale. Ihr müsst euch schnell bewegen und euch auch ausrechnen, wie viele Stunden ihr benötigt. Grundsätzlich kostet die Bewegung von Ort zu Ort eine Stunde. Gelegentlich handelt es sich aber um eine schwierige Route, die mit 2 Stunden zu Buche schlägt. Die restlichen Stunden des Tages stehen euch nun für eure Aktionen zur Verfügung.


Diese müsst ihr nutzen, um euch auf die anstehende Nacht vorzubereiten. Die beiden wichtigsten Punkte sind der Erhalt von Barrikaden und die Reduzierung des Stress-Levels der Charaktere. Außerdem solltet ihr immer für neue Ausrüstung sorgen und selbstredend handlungsunfähige Charaktere reanimieren. Achtet immer auf die Tag-Fähigkeiten der einzelnen Charaktere, um hier nichts zu verschenken. So kann, zum Beispiel, der Medico della Peste mit seiner Tag-Fähigkeit den Stress-Level eines Charakters um drei Punkte senken. An einigen Orten sind außerdem noch ortsspezifische Aktionen möglich.


Nach der vierten Stunde erreicht euer Marker das Sonnenuntergangsfeld und ihr führt die Sonnenuntergangsrituale durch.


Zunächst einmal kommt es zur Erkundung des Terrains. Anhand der Punkte auf der Venedig-Karte erkennt ihr, wie viele Hindernisse und Befestigungen auf der taktischen Karte zu platzieren sind. Es gibt 4 unterschiedliche Hindernisse und Befestigungen.


Ihr beginnt mit den Hindernissen und zieht einfach die vorgegebene Anzahl. Die Platzierung der Hindernisse erfolgt dann wieder, auf zufälliger Basis, mit den Albtraumkarten. Hindernisse haben grundsätzlich einen negativen Aspekt für euch. Thematisch gefallen mir diese sehr gut. So gibt es, zum Beispiel, das Gebäude, welches grundsätzlich in Ring 1 zu platzieren ist. Das Gebäude bewirkt, dass ihr Gegner erst bekämpfen könnt, wenn diese sich im Ring befinden. Oder da wäre da noch der Abwasserschacht, der in Ring 2 platziert wird. Dieser bewirkt, dass im Zuge des Platzierens neuer Infizierter ein weiterer zu ziehen ist, der dann auf das Plättchen gelegt wird. Er ist also aus dem Abwasserschacht gekrochen.


Anschließend erfolgt die Platzierung der Befestigungen, die immer super positiv für euch ist. So gibt es, zum Beispiel, den Altar der dafür sorgt, dass ihr getötete Infizierte nicht auf den Leichenstapel legen müsst, sondern zurück in den Beutel legen dürft.


Nun werden zunächst die Barrikaden und anschließend dann eure Charaktere platziert.


Als nächstes erfolgt die Platzierung der Bosse. Dazu zieht ihr einfach vom Stapel die entsprechende Anzahl von Bossen, legt die Karte auf ein entsprechendes Feld und stellt die Miniatur auf das zufällig via Albtraumkarte ausgewählte Feld.


Anschließend geht es in die erste Stunde der Nacht und der Kampf beginnt. Zunächst einmal könnt ihr Gegenstände nutzen. Achtet hier besonders auf die Gegenstände, die ihr nur zu Beginn der ersten Stunde der Nacht nutzen könnt. Diese Gegenstände sind mit einem Mondsymbol gekennzeichnet.


Nun werden die Infizierten platziert. Im Regelfall (wenn ihr keine besonderen Gegenstände nutzt) zieht ihr einfach für jedes Feld im dritten Ring 3 Infizierte. Eine Besonderheit stellen der schwarze (Paranoia) und der blaue Cube (Überlebender) dar. Zieht ihr einen Überlebenden, so platziert ihr diesen ebenfalls in Ring 3. Diese bleiben an Ort und Stelle stehen. Ihr rettet Überlebende und dürft diese dann in euer Lager legen, wenn sich am Ende der Nacht im entsprechenden Quadranten keine Gegner mehr befinden. Im Falle einer Paranoia müsst ihr diesen Cube einem der Charaktere zuweisen, die sich im Quadranten befinden, in dem ihr diesen gezogen habt. Dieser Charakter kann nun nur eine Aktion in jeder Stunde durchführen.


Im nächsten Schritt bewegen sich nun die Infizierten und die Bosse von ihrem Feld in Richtung Refugium um die Anzahl an Felder gemäß dem Bewegungswert. Befindet sich ein Gegner in Ring 1 und müsste sich bewegen, so tut er dies nur, wenn sich keine Barrikaden mehr auf den Feldern befinden. In diesem Fall würde der Gegner dann das Barrikadenfeld betreten. Hierbei benötigt ein Infizierter 1 leeres Feld wohingegen ein Boss 3 leere Felder benötigt.


Jetzt schlägt eure Stunde und es kommt zur Aktivierung der Charaktere. Grundsätzlich kann jeder Charakter eine Aktion in einer Stunde der Nacht durchführen. In jeder Stunde darf er, vorausgesetzt es liegt kein schwarzer Würfel auf ihm, einmal Stress erleiden, um eine weitere Aktion durchführen zu können. Dies werdet ihr in den meisten Fällen tun, um den gegnerischen Horden überhaupt Herr werden zu können. So könnt ihr eine Schieß-Aktion durchführen, die ich euch im Kampfsystem ja bereits dargestellt habe. Des Weiteren könnt ihr Charaktere auf ein angrenzendes Refugiumsfeld bewegen. Dies werdet ihr ebenfalls oft machen, um Gegner bekämpfen zu können. Befinden sich Überlebende in eurem Lager so könnt ihr einen Überlebenden opfern, um einen der Bosse bis zur nächsten Charakteraktivierung zu lähmen. Dieser Boss kann nicht angreifen und sich auch nicht bewegen.

Nach euren Aktionen greifen dann alle Gegner an, die sich im Ring 1 oder auf den Barrikade-Feldern befinden. Ziel des Angriffs sind die Charaktere im Refugiumsfeld des entsprechenden Quadranten. Befinden sich noch Barrikaden vor dem Zugang, so wird 1 Barrikade je Angriff zerstört. Schützen keine Barrikaden mehr den Zugang, so erhält einer der Charaktere auf dem entsprechenden Refugiumsfeld Stress in Höhe des Angriffswerts. Ihr habt, entweder durch Abwerfen einer Gegenstandskarte oder durch Opferung eines Überlebenden aus dem Lager, die Möglichkeit, den Angriff zu stoppen.


Nach dem Angriff schreitet die Zeit voran. Nach der dritten Stunde erreicht ihr dann das Feld der Morgendämmerung. Diese letzte Stunde der Nacht unterscheidet sich von den drei vorangegangenen Stunden.


Zunächst einmal müsst ihr euch entscheiden, in welche Himmelsrichtung ihr fliehen möchtet. Wichtig ist, dass die Himmelsrichtung auch auf der Venedig-Karte verfügbar sein muss. Im Rahmen der Gruppenbewegung am nächsten Tag, muss eure Bewegung dann auch in die entsprechende Richtung erfolgen. Nun kann jeder Charakter noch einen Angriff gegen einen beliebigen Gegner in diesem Quadranten durchführen. Verbleiben anschließend noch Gegner, so führen diese einen letzten Angriff durch. Die eventuell erhaltenen Stress-Punkte dürft ihr beliebig auf eure Charaktere verteilen.


Anschließend habt ihr dann, zumindest die erste Nacht, schon einmal überstanden und könnt eure Wunden lecken.


Diese ganze Tortur müsst ihr zwei Nächte durchhalten. Im Laufe der Tagaktionen des dritten Tages müsst ihr dann den Zielort für euer gewünschtes Finale erreichen, welches dann in der Nachtphase startet.

Aufbau des Boot-Finales

Es gibt 3 Wege, um Venedig zu verlassen – per Luftschiff, Boot oder im Laufschritt über die Freiheitsbrücke. Alternativ könnt ihr auch den Leviathan töten, welches aber das schwerste Finale ist. Jedes Finale startet an einem anderen Ort, den ihr erreichen müsst. Gelingt euch dies nicht, spielt ihr stattdessen das Finale „Die endlose Nacht“, welches ihr nicht gewinnen könnt. Es geht hier lediglich darum, möglichst lange durchzuhalten, um dann beim nächsten Mal mit einem Startbonus beginnen zu können. Ich persönlich finde dies zwar eine nette Idee, habe es aber nie gemacht, sondern mein Spiel als Niederlage gewertet. Es hat auf mich einfach keinen Reiz ausgeübt ein Finale zu spielen, welches ich nicht gewinnen kann.


Alle Finalmöglichkeiten spielen sich komplett anders und sind sowas wie ein zusätzliches Spiel im eigentlichen Spiel. Das ist super gelungen.


Die Szenarien

Dem Spiel liegen außerdem noch 5 doppelseitig bedruckte Szenarien-Tafeln bei. Des Weiteren könnt ihr selbstverständlich auch jedes Finale als eigenständiges Szenario spielen.

Auf der Tafel sind Regeln, Aufbau und sämtliche zu beachtende Unterschiede sehr gut beschrieben. Außerdem findet ihr auf der Rückseite jeder Tafel ein Beispiel.


Die optimale Spieleranzahl

Carnival Zombie ist ein kooperatives Spiel. Das heißt, dass ihr gegen das Spiel spielt und gemeinsam gewinnt oder verliert. Konzipiert ist das Spiel für 1 bis 6 Personen, wobei immer mit allen 6 Charakteren gespielt wird, die dann untereinander aufgeteilt werden. Spielt ihr also alleine, steuert ihr alle 6 Charaktere, wohingegen jeder Spieler 2 Charaktere übernimmt, wenn ihr mit 3 Personen spielt. Spielt ihr mit 4 oder 5 Personen erhält jeder Spieler einen Charakter und die übrigen werden zu Gruppencharakteren.


Wenn ihr Freunde des kooperativen Spiels seid, werdet ihr hier in jeder Gruppengröße bestens unterhalten. Ich persönlich spiele es am liebsten alleine, weil meine Frau kein Fan von dieser Art von Spielen ist und ich dann mit meinen Freunden lieber kompetitive Spiele bevorzuge.


Wenn ihr alle mit den Regeln vertraut seid, spielt sich das Spiel auch angenehm flüssig und ihr könnt so mit 90 bis 120 Minuten Spielzeit rechnen.


Fazit

Wer sich ein wenig mit Brettspielen und Kickstartern beschäftigt wird wissen, dass Carnival Zombie eine recht große Odyssee hinter sich hat, bevor es dann bei den Backern gelandet ist. Mit der Anleitung gab es einige Probleme und man musste schon recht ordentliches Englisch sprechen, um das Spiel spielen zu können. Umso erfreulicher ist es, dass das Spiel bei Taverna Ludiva Games in deutscher Sprache erschienen ist, was es einfach wesentlich zugänglicher macht.


Carnival Zombie ist ein Schwergewicht im Tower-Defense-Bereich und das nicht nur aufgrund der Materialfülle. Zunächst einmal überzeugt es mit einer wunderschönen Tischpräsenz und erstklassigen Miniaturen, die unheimlich detailliert sind.


Doch worum geht es eigentlich? Das Spiel spielt im wunderschönen Venedig. Doch tief unter der Stadt lauert der Leviathan, der die Stadt auf seinem Rücken trägt. Erwacht das Monster, reißt es die Stadt mit in die Tiefe. Ok, das ist story-technisch nun eher ein kleines Brötchen, was hier gebacken wird und auch im Rahmen des Spiels tritt die Story komplett in den Hintergrund bzw. wird auch nicht weiter ausgeführt. Schade, hier wäre mehr drin gewesen. Doch dafür punktet das Spiel mit einer mega Spielmechanik und großem Spielspaß, was natürlich der Hauptfaktor ist. Doch vor dem Spielspaß steht der Schweiß…


Klar muss euch sein, dass ihr euch in diesem Spiel einarbeiten müsst, was einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die 30-seitige Anleitung enthält viele, leider oft sehr kleinteilige, Regeln. Ich empfehle das Lesen in Verbindung mit einem Video. Anschließend kann man dann langsam aber sicher in das Getümmel in Venedig einsteigen und die Zombiehorden in ihre Schranken weisen. Doch auch das ist alles andere als einfach und ihr werdet, unweigerlich, viele Male das zeitliche Segnen.


Carnival Zombie ist auch auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung. Ich persönlich würde euch, im Gegensatz zur Anleitung, empfehlen, mit dem Kampagnenmodus einzusteigen und hier Erfahrungen zu sammeln. Viele Regeln erklären sich dann im Laufe des Spiels. Plant daher für die ersten Partien deutlich über 2 Stunden ein. Anschließend kann man sich dann den beiliegenden Szenarien zuwenden.


Doch sobald ihr mit den Regeln und Abläufen vertraut seid, werdet ihr vom Spiel belohnt und dann auch nur noch die super gestaltete, kleine Übersichtskarte benötigen. Ab diesem Moment spielt sich das Spiel dann auch super flüssig. Auch ein Spielerfolg wird dann sehr schnell eintreten, denn die Lernkurve ist enorm. Ihr werdet sehr schnell erkennen, wie ihr euch am besten am Tag vorbereitet und dann auch feststellen, wie berechenbar die Aktionen in der Nacht sind. Wenig in diesem Spiel verläuft zufällig.

Bloß schnell weg mit dem Boot

Die Aktionen eurer Charaktere müsst ihr exakt aufeinander abstimmen, was euch ganz schön ins Grübeln bringen wird. Klar muss euch sein, dass ihr nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen könnt. Das Spiel macht es euch nicht leicht und ist taktisch sehr anspruchsvoll.


Das Spiel ist unheimlich variabel und keine Partie gleicht der anderen. Die unterschiedliche Bosse, die ja zufällig ins Spiel kommen, erfordern immer wieder eine andere Herangehensweise im Rahmen der Nacht-Phase. Vor allem aber könnt ihr im Kampagnenmodus ja auch immer frei entscheiden, welches Ende ihr denn anstrebt. Aufgrund der Bedingungen könnt ihr allerdings nie sicher sein, dass euch das angestrebte Ende zur Verfügung steht. Am schwierigsten ist das Ende Töten des Leviathans, da das Finden der Heiligen Bombe (diese befindet sich in Pantalones Kartenstapel) ein großer Zufallsfaktor ist. In Kombination mit den Szenarien bietet euch dieses Spiel stundenlangen und abwechslungsreichen Spielspaß, der seinesgleichen sucht.


Insgesamt für mich ein sensationell gutes Spiel, welches sich innerhalb kürzester Zeit auf einen Spitzenplatz in meiner persönlichen Solo-Hitliste gespielt hat.






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