• Tim Nau

Die Erbauer von Teotihuacan - Schwerkraft Verlag

Die Erbauer von Teotihuacan – Gründung einer der größten Städte Mesoamerikas

„Die Erbauer von Teotihuacan“, von Board&Dice und in der deutschen Version beim Schwerkraft Verlag erschienen, ist eine Mischung aus Worker-Placement- und Plättchenlegespiel für 1 bis 4 Spieler von Filip Glowacz.

Wir machen eine Zeitreise zurück zur Gründung einer der größten Städte Mesoamerikas und wollen uns einen Platz unter den größten Erbauern von Teotihuacan sichern.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Das Spielmaterial hat, wie wir dies vom Verlag gewohnt sind, eine gute Qualität. Klasse finde ich die doppelseitigen Spielertableaus. Sämtliches Pappmaterial weist eine tolle Dicke auf und ansonsten gibt es nur zahlreiche Holzmarker.

Die Anleitung ist wirklich verständlich geschrieben und Fragen bleiben keine offen.


Das Spielsystem

Das grundlegende Spielsystem ist sehr einfach und man ist schnell im eigentlichen Spiel drin.


Bevor wir uns den Spielablauf anschauen, möchte ich euch kurz was zu einigen spielrelevanten Dingen sagen und über Begrifflichkeiten aufklären.


Für die Durchführung von Aktionen benötigt ihr Aktionsstärke. Diese bestimmt sich aus der Summe der eigenen und der gegnerischen Scheiben sowie auch der Bonusscheibe. Hier ist zu beachten, dass auf keinem Stapel mehr als 4 Scheiben liegen dürfen. Wollt ihr ein Gebäude bauen, so benötigt ihr eine Aktionsstärke entsprechend der Größe des Gebäudes. Bei Gebäuden gibt es keine Möglichkeit fehlende Aktionsstärke zu ersetzen. Bei den Tempeln und Pyramiden kann fehlende Aktionsstärke hingegen durch Abgabe der angegebenen Ressourcen kompensiert werden. Für Tempel benötigt ihr 3, 4 oder 5 Punkte. Pyramidenplättchen bedürfen immer einer Aktionsstärke von 4.


Eine weitere spielrelevante Definition ist die Architektenreichweite. Euer Architekt steht immer an einer der vier Seiten eures Spielertableaus und bewegt sich nach Abschluss eines Zuges immer um eine Seite weiter. Die Architektenreichweite erstreckt sich auf die beiden Bezirke des Spielertableaus, die dem Architekten am nächsten liegen. Das heißt, dass ihr Plättchen immer nur in diese beiden angrenzenden Bezirke legen dürft. Diesen Umstand müsst ihr in all euren Planungen berücksichtigen. Die Weiterbewegung ist das, was man im Spiel am meisten vergisst.


Die Durchführung eines Spielzugs ist super einfach. Zunächst entscheidet ihr euch für eines der zur Verfügung stehenden Aktionsfelder und setzt anschließend 1 bis 3 Aktionsscheiben ein – natürlich gelten hier die oben dargestellten Regeln. Wenn eure Scheiben die ersten auf der Bonusscheibe sind dann dürft ihr, vor oder nach eurer Aktion, den entsprechenden Bonus nutzen. Auf diese komme ich nachher noch zu sprechen. Oberhalb der Aktionsfelder befinden sich die Bauaktionen und unterhalb befinden sich die Einflussaktionen.


Beginnen wir mit den Bauaktionen. Im linken Bereich befinden sich die Gebäude, im mittleren Bereich die Tempel und im rechten Bereich die Pyramidenplättchen.

Grundsätzlich führt ihr sehr ähnliche Schritte durch. Zunächst platziert ihr eure Scheiben auf dem gewünschten Aktionsfeld und nehmt euch dann das entsprechende Plättchen. Ein Gebäude oder einen Tempel baut ihr anschließend in eure Stadt ein – beachtet die Architektenreichweite. Die hierbei zu beachtenden Legeregeln sind sehr überschaubar und alle selbsterklärend. So dürft ihr, zum Beispiel, nicht überlappend oder aus dem Spiel- oder Architektenbereich heraus bauen. Befinden sich auf dem Feld Ressourcen, so müsst ihr diese in den Vorrat zurücklegen. Anschließend platziert ihr auf jedem dem Gebäude angrenzenden Feld den entsprechenden Rohstoff. Bei einem Tempel nehmt ihr euch eines der beiden offenliegenden Anbetungsplättchen. Nun schaut ihr noch, ob durch diese Aktion ein Maskenbereich abgedeckt wurde. Ist dies der Fall nehmt ihr euch das nächste Plättchen und erhaltet die Siegpunkte.


Ein Pyramidenplättchen wird natürlich in den Pyramidenbereich gebaut. Auch hier ist die Architektenreichweite zu beachten. Ihr könnt dabei das Plättchen auch auf andere Plättchen legen, was für Siegpunkte am Spielende sehr wichtig ist. Sofort erhaltet ihr 2 Siegpunkte. Für den Fall das ihr es auf eines der unteren Felder legt erhaltet ihr zusätzlich die auf dem Feld abgebildete Belohnung.


Alternativ könnt ihr noch eine Einflussaktion durchführen. Für diese spielt die Aktionsstärke keine Rolle. Im linken Bereich findet ihr die Einflussaktion „Ressourcen produzieren“. Entweder legt ihr neben jedes gebaute Gebäude eine Ressource oder ihr baut 2 Gebäude der Größe 1. Im mittleren Bereich könnt ihr „ein Opfer darbringen“. Ihr wählt ein genommenes Anbetungsplättchen und führt den entsprechenden Effekt aus. Im Rechten Bereich könnt ihr Gunst erhalten. Ihr schiebt euren Gunstmarker ein Feld vor, erhaltet die Siegpunkte und dürft 1 genommenes Anbetungsplättchen wieder unter den entsprechenden Stapel schieben und irgendein aufgedecktes Anbetungsplättchen nehmen. In meinen Runden wurde diese Aktion öfter am Ende gemacht, um noch ein paar Punkte sammeln zu können.

Zusätzlich dürft ihr, wenn ihr als erstes eure Scheibe bzw. eure Scheiben auf eine Bonusscheibe gelegt habt, die entsprechende Bonusaktion, vor oder nach der eigentlichen Aktion, durchführen. So könnt ihr, zum Beispiel, eine zusätzliche Bauaktion durchführen, eine Gunstaktion durchführen oder ihr erhaltet 2 Siegpunkte. Sehr gut gefällt mir, dass die Bonusscheiben nach Abschluss einer Runde gemischt und neu verteilt werden, da so immer Abwechslung herrscht.


Trotz der Tatsache, dass die Masse der Siegpunkte während des Spiels gesammelt wird, solltet ihr die Schlusswertung nicht unterschätzen. Hier habe ich schon einige Überraschungen erlebt. In dieser erhaltet ihr nämlich noch Punkte in Abhängigkeit davon, wie gut ihr eure Bezirke mit Pyramidenplättchen ausgestattet habt. Ein Pyramidenplättchen der unteren Ebene bringt euch immer 2 Punkte je Tempel, der sich in dem angrenzenden Bezirk befindet. Ein Plättchen auf der oberen Ebene sorgt sogar für 3 Punkte je Tempel. Das heißt, dass es besonders lukrativ ist übergreifend über die Bezirksgrenzen zu bauen.


Die optimale Spielerzahl

Das Spiel ist konzipiert für 1 bis 4 Personen. Auf den Solo-Modus gehe ich im Anschluss gesondert ein.


Eine Anpassung aufgrund der Spielerzahl erfolgt bei den ausliegenden Gebäuden, bei den zur Verfügung stehenden Aktionsfeldern und bei der Anzahl der zu spielenden Runden. Die Anpassungen sind super sinnvoll und in sich stimmig. In Bezug auf die Teilnehmerzahl konnte ich keinen Unterschied beim Spielspaß feststellen.


Auch an die Solo-Spieler wurde gedacht und für die Regeln ist kein geringerer als David Turczi verantwortlich. Ihr spielt hier gegen die Ersten Erbauer. Das Solo-Spiel ist auch ein absoluter Knaller und ich nehme dem Fazit vorweg, dass man dieses Spiel auch reinen Solo-Spielern empfehlen kann. Aus diesem Grunde möchte ich euch einen etwas umfassenderen Einblick in den Ablauf geben.


Aufbau zur Ermittlung der Farb- und Ressourcenpriorität

Grundsätzlich folgt ihr den Aufbauregeln eines 2-Personen-Spiels. Außerdem nehmt ihr ein Pyramidenplättchen jeder Farbe und legt diese in einer Reihe aus. Anschließend mischt ihr die drei Ressourcen und verteilt diese auf die drei Pyramidenplättchen. Nun wiederholt ihr diese Schritte. Anschließend habt ihr also zwei Dreierreihen aus Pyramidenplättchen mit einem Ressourcenwürfel auf jedem Plättchen. Nun nehmt ihr noch zwei Gunstmarker von zwei beliebigen Farben und legt jeweils einen auf das Plättchen am weitesten links in jeder Reihe. Anhand dieses Aufbau ergibt sich immer die Ressourcen- und Farbpriorität der Ersten Erbauer. Nehmt nun noch die 6 Aktionsscheiben der beiden Ersten Erbauer und legt diese in einen Beutel. Dieser liegt dem Spiel nicht bei, was ich persönlich nicht gut finde. Aus meiner Sicht hätte man einen Beutel für das Solo-Spiel beilegen müssen. Nun platziert ihr noch zufällig jeweils einen Architekten der Ersten Erbauer in den linken und rechten Aktionsbereich. Das Spiel beginnt in der ersten Runde mit einem Zug von euch.


Sind die Ersten Erbauer am Zug, zieht ihr 2 Aktionsscheiben aus dem Beutel. Handelt es sich um unterschiedlichen Farben führt ihr 2 Aktionen nacheinander durch. Haben die Aktionsscheiben die gleiche Farbe, legt ihr diese übereinander und führt eine Aktion durch. So platziert ihr die Scheibe bzw. die Scheiben immer in dem Aktionsbereich, in dem sich gerade der farblich passende Architekt befindet. Das 4-Scheiben-Limit gilt auch hier. Stehen zwei Aktionsfelder zur Verfügung, so dürft ihr euch das Feld aussuchen. Macht euch diesen Umstand zunutze. Ist im Aktionsbereich des Erbauers kein Zug möglich, versetzt ihr den Architekten und wiederholt das Prozedere. Je nach Aktion nehmen die Ersten Erbauer nun entweder ein Gebäude, einen Tempel oder ein Pyramidenplättchen vom Spielbrett. Was genommen wird richtet sich nach der Ressourcen- bzw. Farbpriorität, die sich aufgrund der Position des Gunstmarkers der entsprechenden Farbe bestimmt.


Immer wenn ihr eine Aktion eines Ersten Erbauers durchgeführt habt, bewegt ihr noch den Gunstmarker auf das nächste Pyramidenplättchen und den Architekten in den nächsten Bereich.


3 Herausforderungen gilt es zu bewältigen

Das Solo-Spiel besticht vor allem noch durch die durch euch zu bewältigenden Herausforderungen. 3 unterschiedliche Anforderungen müsst ihr erfüllen, da ihr ansonsten das Spiel verloren habt. Welche diese sind bestimmt ihr zu Beginn eurer Partie mit einem W8. Abwechslung ist dadurch garantiert und jede Kombination erfordert eine andere Strategie.


Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist hoch und um auf ein vernünftiges Ergebnis zu kommen, müsst ihr schon genau planen. Doch gerade im Bereich des Solo-Spielens liebt man ja diese Herausforderung.


Fazit

„Die Erbauer von Teotihuacan“ ist eine klasse Mischung aus Worker-Placement- und Plättchenlegespiel. Von den zu nutzenden Teilen erinnert das Spiel ein wenig an den Klassiker Tetris.


Zunächst einmal besticht dieses Spiel durch einen übersichtlichen Rundenablauf und eingängigen Regeln, die sich recht schnell erklären lassen. Dies führt dazu, dass man sehr schnell im Spiel drin ist und auch die Durchführung der Aktionen ist sehr einfach. So werden auch erfahrene Familienspieler sehr gut mit diesem Spiel bedient und werden große Freude haben. Es kommt ja nicht immer auf die absolute Optimierung an.


Doch auch Kennerspieler kommen voll auf ihre Kosten. Nach ein- oder zwei Partien merkt man nämlich, dass deutlich mehr Tiefe im Spiel steckt als man zunächst annimmt und man mit Grübelarbeit und Vorausplanung viele Punkte erzielen kann. Dies kann dann allerdings dazu führen, dass die Downtime enorm steigt, wenn man mit einem „Komplettoptimierer“ am Tisch sitzt der schon einmal plant, wo sein Architekt denn in zwei Runden steht und welche Gebäude dann am lukrativsten sind. In meinen Runden kam dies, zum Glück, nicht vor und egal in welcher Spielerzahl dauerten unsere Partien immer zwischen 60 und 75 Minuten.


Eine Anmerkung noch zum Spielaufbau, da ich in zahlreichen Videos dazu Fehler gesehen haben. Die Gebäude oder Tempel, die ihr im Rahmen des Spielaufbaus platziert, dürfen keine Maskenfelder bedecken. Dies steht allerdings auch explizit in der Anleitung. Des Weiteren ist ein häufig gemachter Fehler das Vergessen der Bewegung des eigenen Architekten.


Insgesamt gefällt mir das Spiel richtig gut und es erhält eine klare Empfehlung.

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