• Tim Nau

Eine wundervolle Welt - Kobold Spieleverlag

Eine wundervolle Welt

„Eine wundervolle Welt“ beim Kobold Spieleverlag erschienen, ist ein strategisches Ressourcenmanagementspiel für 1 bis 5 Spieler von Frédéric Guérard.



Wir lenken die Geschicke eines expandierenden Imperiums und wollen dieses schneller und besser entwickeln, als unsere Kontrahenten.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Es gibt einen kleinen Spielplan, der eigentlich nur als Rundenzähler und Ressourcen-Ablage-Feld fungiert. Highlight sind die 150 Entwicklungskarten, die tolle Illustrationen aufweisen. Dazu gibt es noch satte 170 Ressourcenwürfel, Personenplättchen und einen schönen Wertungsblock.



Die Anleitung ist nur 8 Seiten lang, von denen sich 2 Seiten rein auf das Solo-Spiel beziehen. Sie ist gut geschrieben und Fragen bleiben nicht offen.

Das Spielsystem

Das Spielsystem ist schnell verstanden und der Aufbau des Spiels zügig erledigt.


Bevor wir zum eigentlichen Spiel kommen, werfen wir kurz einen Blick auf die Karten, die ja das Element des Spiels sind.


Links auf der Karte sind die Baukosten angegeben. Dies sind die Ressourcen die ihr abgeben müsst, um die Karte vom Baubereich in euren Imperiumsbereich zu schieben. Grundsätzlich kommen abgegebene Ressourcen immer sofort in den allgemeinen Vorrat zurück. Erst nach dem Bau werden die Karten dann aktiv und ihr kommt in den Genuss der entsprechenden Belohnung. Diese findet ihr unten auf der Karte. Hier sind unterschiedliche Kombinationen möglich. So gibt es Karten, die euch „nur“ Ressourcen oder Siegpunkte liefern oder auch Karten die euch beides bieten.



Ganz rechts unten ist immer der Kartentyp angegeben. Dieser ist am Ende des Spiels von Bedeutung. Mit Infrastruktur, Fahrzeug, Forschung, Projekt und Entdeckung gibt es 5 unterschiedliche Kartentypen.


Des Weiteren bieten euch einige Karten noch eine Baubelohnung die ihr sofort erhaltet, wenn ihr die Baukosten bezahlt habt.


Elementar wichtig ist auch noch der Recycling-Bonus. Diesen bekommt ihr, wenn ihr die Karte innerhalb der Planungsphase nicht in den Baubereich verschiebt, sondern die Karte recycelt. Wir kommen auf die Thematik noch einmal zu sprechen.


Es lohnt sich auch immer einen kurzen Blick in die rechte obere Ecke der Karte zu werfen. Hier findet ihr eine Zahl, die die Häufigkeit der Karte im Spiel angibt.


Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler

eine Imperiumskarte. Jede Karte weist zwei Seiten auf. Neben einer Unterscheidung in den Ressourcen, die von Beginn an produziert werden, liegt der wesentlichen Unterschied darin, dass auf Seite A der Karte schon Siegpunkte für bestimmte Gegebenheiten angegeben sind. Diese können, zumindest ein klein wenig, schon einmal als kleine Starthilfe in Bezug auf die eigene Spieltaktik gesehen werden. Laut Anleitung wird euch die Seite A empfohlen. Ich persönlich denke, dass es auch bereits ab dem ersten Spiel egal ist, für welche der Seiten ihr euch entscheidet. Ihr solltet aber beide mit der gleichen Seite spielen, um in diesem Bereich für Ausgeglichenheit zu sorgen. Von nun an lenkt ihr die Geschicke eures Imperiums und sorgt für die Entwicklung.


Das Spiel startet mit der Draftphase, die ein wesentliches Element des Spiels ist und für die ihr euch auch ein wenig Zeit nehmen solltet. In dieser Phase erhält jeder Spieler nun 7 (im Spiel zu zweit 10) Handkarten. Ihr wählt nun eine der Karten aus und gebt die restlichen Karten an den nächsten Spieler weiter. Der Rundenmarker zeigt euch, in welche Richtung die Karten weitergegeben werden müssen. Ein sehr gelungenes Element welches verhindert, dass man immer von der gleichen Richtung aus seine nächsten Karten erhält. Die Phase endet, wenn jeder Spieler 7 Karten vor sich liegen hat. Im Spiel mit zwei Personen wandern die restlichen 6 Karten auf den Ablagestapel.



Nun geht es in die Planungsphase. In dieser Spielphase entscheidet ihr euch, für jede neue Karte individuell, ob ihr diese in den Baubereich legen wollt oder ob ihr die Karte recyceln wollt. Entscheidet ihr euch für das Recyceln, so legt ihr die Karte auf den Ablagestapel und erhaltet die entsprechend angegebene Ressource, die ihr sofort verbauen müsst. Baut ihr dadurch ein Gebäude fertig, so könnt ihr dieses sofort in euren Imperiumsbereich verschieben und die Karte gilt als gebaut. Habt ihr keinen freien Platz für die entsprechende Ressource, so müsst ihr diese auf eure Imperiumskarte legen. Ihr werdet im Spiel öfter Karten einfach nehmen um sie zu recyceln. Die Karten, die ihr Bauen möchtet, verschiebt ihr einfach in euren Baubereich. Grundsätzlich könnt ihr aus diesem Bereich auch Karten später recyceln und den Recycel-Bonus einstreichen. Befinden sich jedoch auf dieser Karte bereits Ressourcen, so verfallen diese.


Nun folgt die Produktionsphase. Immer zu beachten ist, dass die Produktion der einzelnen Ressourcen grundsätzlich in 5 voneinander abzugrenzenden Produktionsabschnitten durchgeführt wird. Gestartet wird mit dem Baumaterial, dann die Energie, Wissen, Gold und zum Abschluss die Erkundung – von links nach rechts auf dem Spielbrett. Dies ist wichtig da ihr Ressourcen, die ihr in einer Phase erhaltet, sofort platzieren könnt. Wenn ihr dadurch eine Karte fertig baut kann diese Karte sofort verwendet werden und gilt schon für diese Produktionsphase, wenn der entsprechende Produktionsabschnitt noch nicht erfolgt ist.



Dies ist eine gute Gelegenheit, um euch kurz was zur Ressourcenplatzierung zu erklären. Erhaltet ihr Ressourcen, müsst ihr diese sofort platzieren. Im Idealfall auf einem passenden Feld einer im Bau befindlichen Karte. Ist kein entsprechender Bauplatz vorhanden, müsst ihr die Ressource auf eurer Imperiumskarte lagern. Von dieser dürft ihr sie nachträglich nicht mehr verschieben – auch dann nicht, wenn ihr durch eine neue Karte wieder eine Ressource der entsprechenden Kategorie benötigt. Immer dann, wenn ihr 5 Ressourcen, gleich welcher Farbe, auf eurer Imperiumskarte liegen habt, tauscht ihr diese gegen eine rote Ressource ein. Rote Ressourcen sind Jokerressourcen und ihr dürft sie auf jedes beliebige Baufeld einer Karte legen. Einige Karten verlangen allerdings auch eine rote Ressource – überlegt euch den Einsatz daher gut und versucht immer, erhaltene Ressourcen direkt zu nutzen.


Nach nur 4 Spielrunden endet die Partie und es erfolgt die Schlusswertung. Der beiliegende Wertungsblock ist hierfür eine schöne Hilfe.


So gibt es direkte Siegpunkte, die ihr auf den Karten findet. Diese werden aber nicht die Masse eurer Punkte ausmachen, sondern lediglich einen Bruchteil.


Von elementarer Wichtigkeit sind

die „kombinierten“ Siegpunkte. Diese befinden sich in der linken unteren Ecke auf manchen Karten. Ihr addiert hier einfach die Punkte und multipliziert diese Anzahl mit der Anzahl eurer Karten der entsprechenden Kategorie.


Den zweiten großen Anteil erhaltet ihr durch die Generäle und die Investoren. Jeder gesammelte Token hier ist 1 Siegpunkt wert. Auf einigen Karten sind Bonus-Siegpunkte für Generäle oder Investoren angegeben. Habt ihr, zum Beispiel, 2 Gebäude mit Bonus-Siegpunkten für Investoren, so erhaltet ihr 3-mal die Anzahl eurer gesammelten Investoren-Token als Siegpunkte.


Es empfiehlt sich hier auf jeden Fall die Konzentration auf diese Faktoren und das gezielte Bauen der entsprechenden Gebäude bzw. das gezielte Sammeln des entsprechenden Tokens.


Die optimale Spieleranzahl

Konzipiert ist das Spiel für 1 bis 5 Spieler. Auf den Solo-Mechanismus gehe ich später gesondert ein.


Im Spiel mit 2 Personen erfolgt lediglich die Anpassung anhand der Karten, die den Spielern für die Draftphase zur Verfügung stehen. Diese Anpassung ist klasse und sorgt dafür, dass auch das Draften im Spiel zu zweit einen Sinn ergibt, was in vielen Spielen nicht der Fall ist.


Das Spielvergnügen ist komplett unabhängig von der Teilnehmerzahl, da das Spiel recht solitär verläuft – Interaktion findet kaum statt. Jeder Spieler arbeitet an seinem eigenen Imperium. Auch auf die Spieldauer, die ca. 45 Minuten beträgt, hat die Spieleranzahl wenig Einfluss.



Als reines Solo-Spiel ist das Spiel eine echte Wucht. Ich lasse mich sogar zu der Aussage hinreißen, dass sich ein Erwerb auch lohnt, wenn es nur in dieser Variante auf den Tisch kommt.


Die Entwicklungskarten werden gemischt und es werden 8 Stapel zu je 5 Karten gebildet. Der Rest der Karten ist der Zugstapel.


Gestartet wird direkt mit der Planungsphase. In jeder Planungsphase spielt ihr zwei Durchgänge.


Nun wählt ihr einen der 8 Stapel aus und nehmt die 5 Karten auf die Hand. Mit diesen Karten könnt ihr nun 3 unterschiedliche Aktionen in beliebiger Kombination und in beliebiger Anzahl durchführen. So könnt ihr 2 Karten abwerfen und 5 Karten vom Zugstapel ziehen, von denen ihr eine Karte behalten dürft. Außerdem könnt ihr Karten recyceln oder in euren Baubereich verschieben. Habt ihr nun keine Karten mehr auf der Hand sucht euch den nächsten Planungsstapel aus und nehmt diese 5 Karten auf die Hand und führt eure Aktionen durch. Nach diesem Durchgang endet die erste Planungsphase und das Spiel geht in die Produktionsphase.


Die Produktionsphase verläuft so, wie auch im Spiel mit mehreren Personen. Lediglich die Verteilung des Machtbonus ändert sich. Ihr erhaltet diesen nur, wenn ihr mindestens 5 Ressourcen der entsprechenden Art produziert.


Die in der Anleitung angegebene Tabelle zeigt euch den Rang entsprechend eurer Punktzahl.


Des Weiteren kann man das Solo-Spiel auch mit Szenarien spielen. Man gewinnt hier nur, wenn man die gem. Szenario festgelegten Karten in seinem Imperium gebaut hat. Diese werden zu Beginn des Spiels im Baubereich platziert. Ansonsten gelten die regulären Regeln.


Fazit

„Eine wundervolle Welt“ ist ein klassisches Ressourcenmanagementsystem mit einem gut funktionierenden Kartenmechanismus. Ihr versucht möglichst viele Ressourcen anzuhäufen, um dadurch neue Gebäude bauen zu können, die weitere Ressourcen produzieren.


Ein großer Pluspunkt ist die relativ niedrige Einstiegshürde in das Spiel. Die Regeln sind sehr überschaubar und schnell verstanden. Das Spiel ist daher auch sehr gut für Familienspieler geeignet, die mal in den Kennerspielebereich hineinschnuppern möchten. Doch auch Kennerspieler werden gut bedient, denn das Spiel ist zwar schnell verstanden aber nicht schnell gemeistert und nahezu am Ende jeder Partie erkennt man, was man vielleicht hätte besser machen können.


Doch ganz so einfach ist das alles nicht.

Es gewinnt nicht der Spieler, der die meisten Gebäude oder Ressourcen hat, sondern der Spieler, der sein Imperium am fortschrittlichsten entwickelt hat. Und diese Fortschrittlichkeit wird natürlich anhand von Siegpunkten gemessen. Und dabei ist es so, dass nicht die Masse an Gebäuden zählt, sondern man wirklich darauf achten muss, möglichst viele „kombinierte“ Siegpunkte und/oder Bonussiegpunkte für Generale und Investoren zu erhalten. Ich habe Partien gespielt, da hat der Sieger auch mal locker 5 Gebäude weniger gebaut. Je früher ihr eure Strategie festlegt, desto erfolgreicher wird für euch das Spiel verlaufen.


Spiele, bei denen Karten eine entscheidende Rolle spielen, sind oftmals ziemlich glückslastig. Der Glücksfaktor durch das Ziehen der Karten wird in diesem Spiel durch den tollen Draftingmechanismus ausgehebelt. Man darf sich in jeder Draftrunde nur für eine Karte entscheiden, was die Auswahl unheimlich schwierig macht. Immer wieder stellt man sich die Frage, ob man nun lieber diese Karte nehmen soll, die einem eine Masse an Siegpunkten bringt aber schwer zu bauen ist oder ob man erst einmal eine einfach zu bauende Karte nimmt, um mehr Ressourcen produzieren zu können.


Insgesamt ist das Spiel richtig klasse, macht mir immer wieder großen Spaß und ist eine klare Empfehlung als Mehrpersonen- und Solo-Spiel. Einen festen Platz in meiner Sammlung hat es sicher.

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