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  • Tim Nau

Sattgrün - Kosmos

Sattgrün

„Sattgrün“, von Flatout Games und in der deutschen Version bei Kosmos erschienen, ist ein Puzzle-Optimierungs-Spiel für 1 bis 5 Personen von Molly Johnson, Robert Melvin, Aaron Mesburne, Kevin Russ und Shan Stankewich.

Wir wollen unser Zuhause in eine grüne Oase der Ruhe verwandeln. Dazu versuchen wir die Lichtverhältnisse der Zimmer und die Lichtbedürfnisse der Pflanzen aufeinander anzupassen, um den Wachstum der Pflanzen zu unterstützen. Und mit gemütlichen Einrichtungsgegenständen, werden unsere Zimmer auch gleich gemütlicher…


Ein Blick in die Spieleschachtel

Das Spielmaterial von Sattgrün ist wirklich klasse. Vielen wird wohl die Ähnlichkeit der Pflanzen-Karten zu den Vogel-Karten von Flügelschlag aufgefallen sein. Diese kommt nicht von ungefähr, denn auch hier ist Beth Sobel verantwortlich und die hat ganze Arbeit geleistet. Die Blattmarker sind aus Holz und das Pappmaterial hat eine klasse Dicke. Dazu gibt es noch einen sehr schönen Beutel für die Gegenstände.

Die Anleitung ist sehr verständlich geschrieben und Fragen bleiben keine offen.


Das Spielsystem

Das Spielsystem von Sattgrün ist schnell verstanden und auch der Aufbau zügig abgeschlossen. Wir schauen uns zunächst das Standard-Spiel an und ich komme im Anschluss noch auf die anderen Möglichkeiten zu sprechen.

Bevor wir uns ein wenig genauer die Regeln anschauen, möchte ich euch kurz ein paar grundlegende Dinge darlegen. Zentrales Element bei Sattgrün sind die Pflanzen- und Zimmerkarten, mit denen ihr am Ende ein 5x3 Raster vor euch ausgelegt habt. Der Abschluss des Rasters läutet dann auch das Ende des Spiels ein. Zimmer- und Pflanzenkarten müssen sich hierbei immer abwechseln, so dass sich eine Art Schachbrett-Muster ergibt. Des Weiteren gibt es noch Gegenstände.


Schauen wir uns als erstes die Zimmerkarten an die es, wie die Pflanzenkarten auch, in 5 unterschiedlichen Farben gibt. An jeder der vier Kartenseiten befindet sich ein Symbol mit den herrschenden Lichtverhältnissen in diesem Raum - sonnig, Halbschatten oder Schatten. In der Mitte der Karte befindet sich noch eine Ablagefläche für einen Gegenstand.


Die Pflanzenkarten zeigen in ihrem oberen Bereich immer ihre Lichtbedürfnisse. Es gibt Pflanzen, die sehr genügsam sind und mit allen herrschenden Lichtverhältnissen klarkommen. Es gibt aber auch empfindliche Pflanzen die, zum Beispiel, nur im Sonnenlicht stehen wollen. Immer dann, wenn ihr eine Pflanzenkarte an eine Zimmerkarte anlegt und es eine Übereinstimmung zwischen Lichtverhältnis und Lichtbedürfnis gibt, legt ihr sofort einen Blattmarker auf eure Pflanze. Das dunkelgrüne Blatt oben rechts zeigt den Wachstumswert der Pflanze. Sobald die entsprechende Anzahl an Blättermarkern auf der Karte liegt, gilt die Pflanze als vollendet und ihr dürft diese eintopfen und erhaltet dadurch, am Ende des Spiels, Siegpunkte in Höhe der Zahl auf dem hellgrünen Blatt und auch noch die Siegpunkte für einen Topf, wenn es sich nicht um einen Terrakottatopf handelt.


Dann wären da noch Gegenstände, die ihr in die Zimmer legen könnt und Möglichkeiten zur Düngung. Gegenstände, wenn diese farblich passend zum Zimmer sind, bringe euch am Ende Zusatzpunkte. Die Düngung ermöglicht natürlich ein schnelleres Wachstum eurer Pflanzen.

Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler bereits eine Pflanzen- und eine Zimmerkarte. Des Weiteren gibt es noch die offene Auslage, die aus 4 Spalten besteht. In jeder Spalte liegen eine Pflanzenkarte, ein Gegenstand und eine Zimmerkarte.


Der aktive Spieler nimmt nun aus einer Spalte eine Kombination aus einer Karte und dem Gegenstand. Die Karte wird, gem. den oben genannten Regeln, in das eigene Raster gelegt. Auf die nun nicht genommene Karte der entsprechenden Spalte, wird ein „Grüner Daumen“ gelegt“ und die Spalte wird wieder aufgefüllt. Schon ist der nächste Spieler am Zug.


Wenn ein Spieler eine Karte mit einem „Grünen Daumen“ nimmt, so wandert dieser in den eigenen Vorrat. Maximal 5 grüne Daumen können gesammelt werden. „Grüne Daumen“ ermöglichen dem Spieler Sonderaktionen. Gegen Abgabe von 2 „Grünen Daumen“ kann ein Blattmarker auf eine eigene Pflanze gelegt werden, es können eine beliebige Anzahl von Gegenständen oder Karten getauscht werden und es ist auch möglich, eine Kombination aus Karte und Gegenstand aus unterschiedlichen Spalten zu wählen.


Nach der Vollendung des Rasters endet dann das Spiel und es kommt zur Schlusswertung. Schauen wir uns diese kurz gemeinsam an, denn spätestens hier merkt ihr dann, dass Planung und Optimierung das A und O dieses Spiels ist. Für die Wertung liegt dem Spiel ein toller Wertungsblock bei - nutzt diesen, um hier nichts zu vergessen.

Zunächst einmal erhaltet ihr Punkte für eure vollendeten Pflanzen und außerdem noch einen Punkt je 2 Blätter, die noch auf euren unvollendeten Pflanzen liegen. Dann gibt es Punkte für die Blumentöpfe. Nun wird es etwas komplizierter. Ihr müsst nämlich jede Zimmerkarte durchgehen und erhaltet einen Punkt je angrenzender, farblich passender Pflanze. Befindet sich in dem Zimmer noch ein Gegenstand in Zimmerfarbe, so verdoppelt sich der Wert. Hier kann man sehr leicht durcheinanderkommen. Nun gibt es noch Punkte für die Anzahl unterschiedlicher Gegenstände in euren Zimmern sowie noch Punkte falls ihr alle 5 Pflanzenarten und/oder alle 5 Zimmerfarben ausliegen habt.


Optional könnt ihr auch noch Zielkarten verwenden, die dem Spiel bereits beiliegen, was ein toller Service ist. So gibt es je 10 Zielkarten für die Kategorien Pflanzen, Zimmer und Gegenstände. Ihr mischt jeden Stapel separat und zieht 1 Karte je Kategorie. Diese 3 Karten geben nun Bedingungen vor, die optional erfüllt werden können, um am Spielende mit zusätzlichen Siegpunkten belohnt zu werden.


Die Variante einfacheres Spiel und die Herausforderungen

Um das Spiel kennenzulernen oder wenn ihr es mit jüngeren Spielern spielt, könnt ihr auch zu Beginn eine einfachere Variante spielen. In dieser lasst ihr die Blattmarker und grünen Daumen in der Schachtel. Des Weiteren werden die Lichtsymbole und Wachstumswerte auf den Zimmer- und Pflanzenkarten ignoriert. Stattdessen vollendet ihr eine Pflanze immer dann, wenn ihr euch irgendein Pflegeplättchen nehmt. Auch bei den Töpfen gibt es keine Punkte. Jede vollendete Pflanze bringt euch am Spielende 5 Siegpunkte.


Diese Variante ist wirklich klasse, um das Spiel kennenzulernen.


Des Weiteren sorgen noch Herausforderungen und Regel-Varianten dafür, dass es bei diesem Spiel nie langweilig wird.


Die optimale Spielerzahl

Konzipiert ist das Spiel für 1 bis 5 Personen. Auf den Solo-Modus gehe ich gleich kurz gesondert ein.


Eine Anpassung aufgrund der Teilnehmer findet in Bezug auf die zur Verfügung stehenden Töpfe statt. Je mehr Personen teilnehmen, desto mehr punktträchtige Töpfe stehen zur Verfügung. So gibt es, zum Beispiel, bei 2 Personen nur 3 “wertvolle“ Töpfe jeder Sorte, wohingegen es bei 5 Personen 6 Töpfe jeder Sorte gibt.


Der Spielspaß ist unabhängig von der Spieleranzahl. Allerdings nimmt der Glücksanteil mit zunehmender Spieleranzahl auch zu, da eben deutlich mehr Karten ins Spiel kommen und man seinen kommenden Zug kaum Vorausplanen kann. Mit 2 Personen lässt sich das Spiel taktischer spielen.


Eine Partie mit 2 Personen dauert im Schnitt so 30 bis 40 Minuten. Mit 5 Personen seid ihr auch gerne mal 75 Minuten beschäftigt.


Auch der Solo-Modus ist erstklassig und macht großen Spaß. Prinzipiell funktioniert das Spiel so, wie das Spiel mit mehreren Personen. Nach eurem Zug werden die übrigen Karten und Gegenstände der ganz rechten Spalte auf einen Ablagestapel gelegt und alle weiteren Dinge nach rechts geschoben und anschließend werden die Lücke neu aufgefüllt.


Eine Besonderheit bilden hierbei die Töpfe. Ihr bildet hier einen Pool aus einer bestimmten Anzahl an Töpfen und legt Töpfe, beginnend mit den wertigsten, über die 4 Spalten. Wenn ihr am Ende eures Zugs keine Pflanzen vollendet habt, wird der Topf der ganz rechten Spalte abgeworfen, die anderen Töpfe wandern weiter. Gelingt es euch, eine Pflanze zu vollenden, nehmt ihr den äußerst rechtsliegenden Topf für eure Pflanze. Wenn ihr, außer im letzten Zug, eine weitere Pflanze vollendet, so dürft ihr euch einen wertigen Topf nehmen, den ihr vorher ablegen musstet.


Das Solo-Spiel ist eine Punktejagd, die großen Spaß macht und ca. 20 bis 30 Minuten dauert.

Das Wesentliche ist toll auf den Übersichtskarten zusammengefasst

Fazit

Sattgrün ist der Nachfolger von Cascadia, welches 2022 die Auszeichnung zum Spiel des Jahres erhielt. Davor gab es Calico, an welches sich wohl auch viele Spielefreunde noch erinnern werden. Während Calico ein echt abstraktes und komplexes Puzzlespiel war, was man aufgrund der niedlichen Katzen-Illustrationen wohl nicht erwartet hätte, bediente man mit Cascadia eher den Familienbereich. Schaut gerne noch einmal in meine Rezension zu diesen beiden tollen Spielen rein:



So war ich sehr gespannt, welche Richtung man bei Sattgrün einschlagen würde und ob das Spiel mich ähnlich begeistern würde.


Wie bei den anderen genannten Spielen auch, gelingt der Einstieg in das Spiel sehr zügig. Und sehr schnell merkt man dann auch, dass einiges an „Arbeit“ in dem Spiel steckt.


Zunächst einmal war ich dann verwundert, weil es eigentlich keine Legeregeln gibt. So muss keine Übereinstimmung der Lichtverhältnisse erzielt werden, ihr müsst auch keine farblichen Übereinstimmungen erzielen und auch Gegenstände dürft ihr beliebig auf den Zimmerkarten verteilen. Klingt erst einmal so, als muss man keinerlei Überlegungen anstellen. Das dem nicht so ist, werdet ihr wohl erahnen. Die Krux des Spiels ist nämlich die Punktevergabe am Ende bzw. die Vorgaben, die es zu erfüllen gilt, um Punkte zu erhalten. Dazu müsst ihr immer planen und viele Faktoren in eure Überlegungen einbeziehen. Sattgrün ist ein knallhartes Optimierungsspiel.


So möchtet ihr eure Pflanzen am liebsten vollenden und dafür ist es schön, wenn die Lichtverhältnisse passen, fass ihr euch nicht ausschließlich auf den Dünger verlassen wollt, was ihr theoretisch könnt. Aber dafür fehlen euch am Ende Gegenstände und von denen möchtet ihr viele (am besten unterschiedliche) und dann möglichst auch noch in der Farbe der Zimmerkarte. Ihr seht, dass es einiges zu beachten gibt und von daher ist das Spiel eine recht komplexe Angelegenheit. Es handelt sich um ein ganz klassisches Optimierungsspiel mit einer enormen Lernkurve und ihr könnt unterschiedliche Strategien fahren. Natürlich spielt das Glück der Auslage auch eine Rolle - das lässt sich nicht wegdiskutieren. Doch auch mit einer vermeintlich schlechten Karte oder einem nicht so optimalen Gegenstand, lassen sich noch Punkte holen. So belohnt das Spiel am Ende nämlich auch die Vielfalt eurer Räume.

Diese Faktoren führen in Kombination dazu, dass es sich um ein taktisch geprägtes Spiel auf gehobenem Niveau handelt. „Einfache“ Familienspieler könnten, zumindest am Anfang, ein wenig überfordert sein. Doch es gibt ja die wirklich absolut gelungene Variante des einfacheren Spiels, um das Spiel kennenzulernen. Mit zunehmender Erfahrung kann man dann zum Standard-Spiel übergehen.


Insgesamt gefällt mir persönlich Sattgrün im Vergleich am besten. Doch das ist rein subjektives Empfinden. Mich überzeugt das Spiel mit einem erstklassigen Solo-Modus, es ist leicht zugänglich aber dennoch sehr komplex und bietet zahlreiche Möglichkeiten, um Punkte zu machen. Eine ganz klare Kaufempfehlung.


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