Yonder - Giant Roc
Yonder – Ein fantastisches Aufbauspiel
„Yonder“ von Haakon Hoel Gaarder und bei Giant Roc erschienen, ist ein Worker-Placement-Spiel für 1 bis 4 Spieler.
Als Flüchtlinge kommen wir auf einem neuen Kontinent an. Hier erteilen uns die uralten Herrscher des großen Turms die Lizenz, neue Siedlungen entlang der Küste zu gründen.
So entwickeln wir einen Plan, den wir langsam ins Rollen bringen.

Meinung
„Yonder“ war auf den B-Rex-Tagen mein persönliches Highlight und ich hoffe wirklich, dass dieses Spiel die Aufmerksamkeit bekommen wird die es, aus meiner Sicht, verdient hat. Ich sage das so, weil ein abschreckender Faktor vielleicht die Optik sein könnte, die einige ein wenig kritisiert haben. Ich persönlich finde diese absolut in Ordnung und mir gefallen auch die Holzfiguren. Überhaupt gefällt mir das Material sehr gut. Ihr erhaltet wirklich viel Holzmaterial und Karten, die sich sehr gut anfühlen.
Lasst euch also vom ersten, optischen Eindruck nicht abschrecken, sondern gebt diesem Spiel eine Chance. In diesem Zuge möchte ich auch einmal kurz die Anleitung lobend erwähnen, die das Spiel nahezu perfekt erklärt. In dieser finden sich außerdem noch detaillierte Erklärungen zu jedem einzelnen Gebäude oder zu jeder Delegation.

Schauen wir uns ganz kurz das Spielsystem, was sehr schnell verstanden ist. Das Spielwird über 5 Runden gespielt und ihr macht eure Züge immer abwechselnd, bis alle Spieler zugesperrt haben.
Seid ihr am Zug habt ihr genau 4 Optionen, die immer Optional sind. So könnt ihr eine Arbeitskraft platzieren, ein Arkana platzieren, eine Delegation beliefern oder eben zusperren.
Eine Arbeitskraft könnt ihr entweder in eurer eigenen Stadt, in der Stadt eines Gegenspielers oder auf dem Spielbrett einsetzen. Durch diese Aktion sammelt ihr Ressourcen, erhaltet neue Gebäudekarten oder baut. Hierbei gibt es Gebäude mit Einsatzfelder, Gebäude mit Effekten und Gebäude, die euch am Spielende Siegpunkte je nach Erfüllung der Voraussetzung bringen.
Die Arbeitskräfte sind ein Highlight des Spiels. Hier gibt es nämlich Oger, Goblins, Zwerge, Elfen und Skelette. Diese besitzen jeweils eine besondere Fähigkeit, die ihr bei eurem Einsatz natürlich beachten solltet, um das Maximum herauszuholen. So sind Oger sehr stark und besorgen euch die doppelte Menge des entsprechenden Feldes. Zwerge, wie könnte es anders sein, die begnadete Baumeister und sehr gut im Umgang mit Ressourcen und bringe euch daher immer eine Ressource Discount. Bei beiden Typen gilt, dass das Einsatzfeld dafür mit der Ikonografie der entsprechenden Figur gekennzeichnet sein muss. Elfen sind magische Wesen und daher können diese auf einem Einsatzfeld eingesetzt werden, welches bereits durch eine andere Figur belegt ist. Hier muss man aber ehrlich sein, dass diese Fähigkeit im Spiel mit mindestens 3 Personen wirklich von Relevanz ist. Goblins hingegen besitzen keine Sonderfähigkeit – sie sind eben einfach da. Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich nichts zu den Skeletten gesagt habe – gut aufgepasst. Skelette haben den elementaren Vorteil, dass man diese nicht ernähren muss. Arbeitskräfte, die in der eigenen Stadt eingesetzt sind, muss man nämlich am Ende der eigenen Runde ernähren. Ein Oger benötigt hierbei 2 Nahrung und die übrigen Arbeiter jeweils 1 Nahrung. Ihr möchtet die Arbeiter ernähren, da ihr für jeden Arbeiter, den ihr am Ende der Runde nicht ernähren könnt Siegpunkte verliert und den Arbeiter dann natürlich auch in den allgemeinen Vorrat zurücklegen müsst.

Und da kommt der nächste geniale Aspekt des Spiels zum Tragen. Wie in einem Worker-Placement-Spiel üblich setzt ihr eure Arbeiter auf Einsatzfelder und führt den entsprechenden Effekt aus. Setzt ihr hier einen Arbeiter in einer anderen Stadt ein, so muss der entsprechenden Spieler diesen auch am Ende seiner eigenen Runde ernähren. Allerdings erhält dieser Spieler den Arbeiter dann in seinen eigenen Vorrat. Eine Entscheidung, die man immer abwägen muss. Dies kann auch zu „gemeinen“ Aktionen führen. Nämlich dann, wenn man sein eigenes „Ernährungsproblem“ genau geplant hat und dann plötzlich ein Oger in der eigenen Stadt eingesetzt wird. Kann man Arbeitskräfte nämlich nicht bezahlen, muss man diese nicht nur in den allgemeinen Vorrat zurücklegen, sondern wird auch noch mit dem Abzug von Siegpunkten bestraft.
Eine weitere super interessante Sache ist die Belieferung einer Delegation. In jeder Runde werden 4 neue Delegationen aufgedeckt, die etwas bestimmtes möchten und euch dann zum einen mit Gold (gleichbedeutend mit Siegpunkten) und etwas weiterem belohnen. Um zu liefern, benötigt ihr ein Schiff. Ihr habt bereits zu Beginn des Spiels ein Startschiff und am Ende der Runden 1 bis 3 erhaltet ihr jeweils ein weiteres Schiff. Des Weiteren gibt es noch ein Einsatzfeld auf dem ihr Schiffe erhalten könnt. Die Besonderheit hier ist es, dass jedes Schiff eine Fähigkeit mit sich bringt. Lasst euch hier überraschen, was es da alles gibt. Die Lieferung an Delegationen bringt euch auf jeden Fall die Masse an Punkte, die ihr im Spielverlauf sammelt. Wenn es euch hier gelingt Synergien zu erzeugen, dann seid ihr auf einem sehr guten Weg. Doch man kann sich hier auch übernehmen. Gelingt es euch nämlich nicht, all eure gewählten Delegationen bis zum Rundenende zu beliefern, werdet ihr mit dem Abzug von 5 Siegpunkten bestraft und müsst die entsprechende Delegation abwerfen. Hier müsst ihr ein gutes Mittelmaß finden.
Dann könnt ihr noch ein Arkana platzieren und dadurch den Effekt des Feldes auslösen. Ich habe das tatsächlich bei der Masse meiner gespielten Partien immer vernachlässigt und werde dieses Taktik wohl in der nächsten Partie mal ausprobieren.

Könnt oder möchtet ihr keine Aktionen mehr durchführen, müsst ihr „zusperren“. Sobald ihr zugesperrt habt, können Gegenspieler keine Arbeitskräfte mehr bei euch platzieren. Sperrt ihr zu, gibt es einige administrative Schritte zu erledigen. So müsst ihr, zum Beispiel, die nicht eingesetzten Arbeiter und die Arbeiter in eurer Stadt ernähren. Des Weiteren nehmt ihr euch noch eines der zur Verfügung stehenden Schiffen (nur in Runde 1 bis 3) und erhaltet die darauf abgebildeten Arbeiter und ggfs. noch die Ressource oder die Nahrung.
Haben alle Spieler zugesperrt endet die aktuelle Runde. Nach 5 Runden endet dann das Spiel. Die Masse der Punkte bekommt ihr während des Spiels. Allerdings gibt es am Ende der Partie noch die Punkte für eure Gebäude mit Speil-Ende-Bedingungen. Auf diese solltet ihr euch konzentrieren, denn diese Wertung kann eine Partie noch einmal verändern und euch eine hohe Punktzahl bringen.
Ihr erkennt, dass Yonder ein wirklich sehr strategisches Spiel ist, bei dem alles auf Synergien ankommt. Im Idealfall gelangt ihr an Ressourcen, könnt diese direkt für Lieferungen einsetzen und erhaltet als Belohnung Ressourcen, die ihr dann für eine weitere Lieferung benötigt. Optimierer werden sich hier sehr wohl fühlen.
Einen ganz kleinen Tipp möchte ich euch noch mit auf den Weg geben. Achtet unbedingt darauf, dass ihr am Ende der 4. Runde genug Arbeiter für die Abschlussrunde zur Verfügung habt, da das Spiel sonst unweigerlich in die Hose geht und noch sehr geniale Gebäude ins Spiel kommen, die euch am Spielende belohnen. Ich habe das in meinen Runden immer erwähnt – richtig geklappt hat es allerdings nicht immer. Ich versuche immer, dass ich eine ausgewogene Mischung von mindestens 6 Arbeiter für die letzte Runde zur Verfügung habe. Wenn darunter auch noch mindestens 2 Zwerge und auch Oger sind, seid ihr auf einem recht ordentlichen Weg.
Ein wesentlicher Faktor bei einem Spiel ist für mich persönlich auch immer der Solo-Modus, da ich sehr gerne auch mal alleine spiele. Yonder bietet einen Solo-Modus, den ich euch kurz vorstellen möchte.
Ihr spielt gegen Olos, der durch ein eigenes Kartendeck simuliert wird. Das grundlegende Spielsystem ist vollkommen gleich. Will heißen, ihr macht euren Zug und anschließend zieht ihr eine Karte vom Automa-Deck, die ihr abhandelt. Dadurch nimmt Olos Gebäude, entfernt Delegationen, besetzt Einsatzfelder, plündert oder besetzt auch Felder in eurer Stadt. In jeder Runde handelt Olos 4 Solo-Karten ab. Selbstverständlich könnt ihr weitere Aktionen durchführen. Nach jeder Aktion plündert Olos allerdings, was ihm Siegpunkte bringt.
Ein wesentlicher Faktor bei einem Solo-Spiel für mich ist es, dass der administrative aufwand möglichst gering ist und sich der Zug des Gegenspielers relativ leicht erledigen lässt. Dies ist hier absolut der Fall und für den Zug von Olos benötigt ihr keine 10 Sekunde.
Wahrscheinlich kein Solo-Dauerbrenner aber für ein Spielchen allein zwischendurch werde ich es mit Sicherheit noch des Öfteren auf den Tisch bringen.
Insgesamt gefällt mir Yonder ausgesprochen gut und wie zu Beginn geschrieben hoffe ich, dass es die nötige Anerkennung bekommen wird. Testen solltet ihr es auf jeden Fall einmal.




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