Epona - Delicious Games
- Tim Nau
- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Epona – Das Glück auf Erden liegt auf dem Rücken von Pferden
„Epona“, von Delicious Games, ist ein Tableau-Builder für 1 bis 6 Spieler von Vladimir Suchy.

Wir befinden uns in den 1920er Jahren und arbeiten an unserem Traum. Dieser besteht darin, den erfolgreichsten Pferdebetrieb im Land aufzubauen…
Meinung
Vladimir Suchy gehört zu meinen Lieblingsautoren und so musste Epona dann einziehen, auch wenn ich nicht der große Freund von Spielen mit Pferdethematik bin und mich das Cover echt abgeschreckt hat.

Wenn die Spielerhilfen und die Anleitung ein wenig kleiner wären, könnte man auch die Schachtel verkleiner. Die Masse des Inhalts sind nämlich Karten. Die Illustrationen sind klasse aber die Qualität leider nur Durchschnitt. Da man die Karten sehr viel mischen muss und sie andauernd in der Hand hat empfehle ich, diese in Sleeves zu packen. Das weitere Material sind ein paar Token und ein wenig Holz. Hier wurde ordentlich gearbeitet.
Die Anleitung an sich ist sehr verständlich geschrieben.

Grundsätzliche und das Spielsystem
Ihr solltet euch darüber im Klaren sein, dass das Spiel eine Menge Platz auf dem Tisch benötigt. In eurer persönlichen Auslage müsst ihr Platz für bis zu 6 Stallreihen haben, die jeweils aus bis zu 7 Karten bestehen können.
Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler bereits zwei Ställe und eine Besitzerkarte. Die Besitzerkarten sind doppelseitig und ihr könnt euch entscheiden, ob ihr beide mit der gleichen Seite spielen möchtet oder lieber asymmetrisch startet. Grundsätzlich ist der Unterschied hier aber nicht gravierend, da sich die Unterscheidungen lediglich auf die zu erhaltenen Boni beziehen. Diese Boni, es gibt welche die sich dauerhaft auswirken, welche die einmalig sind und welche, die euch Siegpunkte zum Spielende bringen, müsst ihr allerdings erst freischalten.

Unterschiedliche Varianten
Ihr könnt das Spiel in einer Variante mit mehr oder weniger Interaktion spielen. Die Anleitung empfiehlt die Variante mit geringerer Interaktion für 2 bis 4 Spieler.
In der Variante mit weniger Interaktion, die ich persönlich bevorzuge, spielt ihr mit den Auswahlkarten und den lower interaction tokens. Die Auswahlkarten, von denen es 7 gibt und die doppelseitig sind, werden gemischt und ihr legt eine Karte mehr aus als Mitspieler mitspielen. Nacheinander wählt nun jeder Spieler eine der Karten. Unterhalb jeder Karte liegt immer ein Token. Durch diese bildet ihr auch Paare, was für die Zucht mit Mitspielern relevant ist.
Diese Karten bestimmt von welchen Stapeln ihr wie viele Karten ziehen dürft und wie viele der Karten ihr behalten dürft. Manche Karten sind umsonst andere sind mit Kosten verbunden und wieder andere bringen euch sogar Geld. Diese Spielephase ist eines der Highlights des Spiels.
In der Variante mit mehr Interaktion verwendet ihr die Spielerpaar-Karte, die eurer Spieleranzahl entspricht. Hier werdet ihr in Paare je Spielrunde eingeteilt. Ein Spieler der Gruppen zieht dann eine Karte jeder Kartengruppe und anschließend noch einmal 2 Karten, die nicht zur gleichen Gruppe gehören dürfen. Anschließend teilt er diese Karten in 2 Gruppen auf, die auch zahlenmäßig unterschiedlich sein dürfen. Anschließend darf der andere Spieler der Gruppe dann seine bevorzugte Gruppe auswählen. Diese Rolle wechselt natürlich im Laufe des Spiels.

Ausspielen und Züchten
Natürlich wollt ihr durch das Ausspielen von Karten viele Punkte bekommen und die entsprechenden Effekte triggern. Schauen wir uns daher zuerst kurz die Anatomie der Karten an.
Zu Anfang der Reihe liegt der Stall. Links oben erkennt ihr die Vorgaben dieses Stalls die erfüllt werden müssen, um den Bonus zu erhalten, den ihr darunter findet. Rechts unten in der Ecke findet ihr die Stallart, die für andere Karteneffekte von Bedeutung ist. Ein Stall ist abgeschlossen, wenn ihr die erforderliche Anzahl an den Stall angelegt habt. Zu jedem Zeitpunkt des Spiels dürft ihr maximal 3 unvollendete Stallreihen vor euch ausliegen haben und insgesamt dürft ihr maximal 6 Stallkarten in eurer Auslage haben.

An den Stall spielt ihr die Karten. Hier gibt es mit Pferden, Mitarbeitern und Ausrüstung 3 unterschiedliche Kategorien. Jede Kategorie ist noch einmal zweigeteilt. So gibt es, zum Beispiel, bei den Pferden die Arbeits- und die Sportpferde. Diese Einteilung hilft euch beim Ziehen von Karten. Möchtet ihr, zum Beispiel, einen Tierarzt ziehen, dann zieht ihr vom entsprechenden Stapel und werdet dann entweder einen Tierarzt oder eine Pflegeperson ziehen.
Wichtig ist ebenfalls, dass ihr die Karten nicht direkt neben eine bereits platzierte Karte legen müsst. Karten müssen nur eben an einer Stelle im Stall liegen, die belegt werden darf. Also könnt ihr bei einem Stall, an dem 6 Karten liegen können, eure erste Karte auch an die 5. Position legen. Dies ist wichtig für viele Effekte, da es oftmals Punkte für angrenzende Karten oder Karten in der gleichen Reihe bzw. Spalte gibt.
Befindet sich auf der Karte links oben ein Geldsymbol, so müsst ihr die entsprechenden Kosten zahlen. Darunter befindet sich oftmals ein weiteres Symbol, welches euch einen Sofort-Effekt bringt. Den Effekt des Ziehens von 3 Karten von einem Stapel dürft ihr hierbei allerdings nur einmal in einer Runde nutzen. Beim 2. Mal müsst ihr entweder eine Münze oder einen Siegpunkt nehmen.

Des Weiteren dürft ihr zu jedem Zeitpunkt eine Karte für 2 Geld abwerfen und am Ende eures Zuges eine Karte mit in die nächste Runde nehmen.
Haben alle Spieler ihre Karten ausgespielt, dann können wir noch dafür sorgen, dass unsere Stuten Nachwuchs bekommen. Es bestehen für euch die Möglichkeiten die Zucht mit euren eigenen Pferden oder Pferden der Mitspieler durchzuführen.
Ihr könnt mit einem Gegenspieler die Zucht durchzuführen. In diesem Falle müssen beide beteiligten Personen damit einverstanden sein. Der Spieler mit der Stute muss zudem über ein Zucht-Token verfügen, welche dann der Spieler mit dem Hengst erhält und es auf die Seite mit dem Siegpunkt dreht. Der Spieler mit der Stute erhält ein Fohlen-Token, welches auf die entsprechende Stute gelegt wird. Im Falle des gleichen Pferdetyps erhaltet ihr 2 Punkte und bei unterschiedlichen Typen einen Punkt. Eine Stute kann nur einmal Fohlen bekommen.
In eurem eigenen Stall funktioniert das Züchten gleich. Den Zucht-Token kommt hier nur in den allgemeinen Vorrat zurück. Stute und Hengst müssen nicht in der gleichen Stallreihe stehen.
Nach 6 Runden endet dann das Spiel und es geht an die Endabrechnung und die hat es in sich. Ihr müsst nämlich jede einzelne Karte „abarbeiten“ und dabei kann es leicht vorkommen, dass man was vergisst oder sich verrechnet. Ich persönlich finde das ähnlich nervig wie bei Mischwald.

Ein Spiel mit enormer Lernkurve und ein Traum für Optimierer
Die Lernkurve bei diesem Spiel ist echt riesig. In meiner ersten Partie stand ich wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berge und wusste überhaupt nicht, wie ich meine Karten anlegen sollte. Die Stallvorgaben schienen mir ein guter Ansatzpunkt. Bei der Punktevergabe sah es dann aber ziemlich düster aus und darüber hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.
Doch bereits ab der zweiten Partie wusste ich dann, zumindest ein wenig, was für Karten es gibt und wie man diese in etwa legen könnte bzw. sollte. Und je öfter man spielt, desto besser wird es dann. Man weiß was für Karten und welche Effekte es gibt. Ein echter Traum für Punkteoptimierer. Klar, ein wenig Glück beim Ziehen benötigt man. Doch es gibt auch einige Effekte die es ermöglichen, weitere Karten zu ziehen und damit seinem Glück ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
Fazit
Insgesamt hat mir persönlich Epona richtig gut gefallen. Ich würde es dem Niveau eines seichten Kennerspiels einordnen.
Konnte man sich früher drauf verlassen, dass die Suchy-Spiele dann später bei Pegasus auf Deutsch erscheinen, bin ich momentan hier eher skeptisch bzw. habe ich davon noch nichts gehört. Refasa ist ja auch nicht in deutscher Sprache erschienen. Das Spiel an sich ist komplett sprachneutral und es kommt mir einer klasse Spielerhilfe daher, die die Ikonografie erklärt. Diese gibt es auf BGG auch in Deutsch. Die Anleitung selbst ist Englisch und ich konnte auch noch keine deutsche Übersetzung finden. Wenn ihr der englischen Sprache allerdings ein wenig mächtig seid, stellt euch die Anleitung nicht vor eine Herausforderung.

Mir persönlich macht das Spiel in jeder Spieleranzahl Spaß. Wobei ich allerdings sagen muss, dass ich es bisher nur alleine oder mit bis zu 3 weiteren Personen gespielt habe. Einmal mit den Regeln vertraut, spielt sich das Spiel auch sehr flüssig und weist kaum Downtime auf, da alle Spieler ihre Karten parallel ausspielen können. Die Spieldauer liegt bei ca. 40 bis 60 Minuten.
Ein großer Pluspunkt ist es, dass das Spiel auch alleine eine ungeheure Freude macht. Bei mir landet es regelmäßig als Solo-Spiel auf dem Tisch. Die Regeln sind dabei komplett identisch zur Partie mit mehreren Personen. Einzige Änderung ist es, dass ihr zu Spielbeginn vom Sport- und Arbeitspferdedeck solange Karten aufdeckt, bis ihr einen Hengst aufdeckt. Diese beiden Hengste könnt ihr zum Züchten mit euren Stuten nutzen.
Insgesamt ein tolles Spiel und eine klare Empfehlung.




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