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  • Tim Nau

Tribunal 1920 - Corax Games

Tribunal 1920 – Tic Tac Toe im Gerichtssaal

„Tribunal 1920“, als deutsche Version bei Corax Games erschienen, ist ein Bluff-Spiel für 2 Personen von Grégory Grard.

In einem Gerichtsprozess treten wir gegen einen Kontrahenten an und versuchen mit einer Kombination aus bluffen und stichhaltigen Beweisen, den Prozess zu gewinnen.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Dieses Spiel benötigt nicht viel Material. So finden wir in der Verpackung auch lediglich das kleine Spielbrett, ein wenig Spielmaterial aus Holz für jeden der Spieler und das Kartendeck mit den 20 Karten. Sonderlob für die tollen Illustrationen, die ich einfach super stimmig und passend finde. Für diese ist Weberson Santiago verantwortlich.

Die Anleitung ist erstklassig. Sie ist super strukturiert und absolut verständlich geschrieben. Zu Regelunklarheiten kann es, zumindest eigentlich, nicht kommen.


Das Spielsystem

Das Spielsystem ist super einfach und sofort verstanden. Auch der Aufbau ist schnell abgeschlossen. Jeder Spieler erhält einen Start-Beweis sowie sämtliches Holzmaterial in seiner Spielerfarbe und schon können die Verhandlungen beginnen.


Der aktive Spieler zieht zunächst eine Handkarte nach. Anschließend kann er dann entscheiden, ob er einen Plädoyer-Stein setzen möchte.


Werfen wir dazu einen kurzen Blick auf das Spielbrett. Mit der Straftat, dem Fingerabdruck, der Tatwaffe und dem Augenzeugen gibt es vier unterschiedliche Beweistypen im Gerichtssaal. Zwischen 2 und 4 dieser Beweistypen findet ihr dann auf den Feldern des 3 mal 3 Rasters im Gerichtssaal wieder.


Am rechten Rand des Spielbretts gibt es außerdem noch 5 Bezirke, die wir uns später noch ein wenig genauer anschauen werden. Um nun einen Stein in den Gerichtssaal setzen zu können, müsst ihr die Anzahl an erforderlichen Beweistypen auf euren Handkarten haben. Um einen Stein auf einen der Bezirke legen zu dürfen, benötigt ihr drei Karten mit dem entsprechenden Bezirk. Wie in der Anleitung aber super lustig geschrieben, gilt Bluffen als Kavaliersdelikt - es ist also ausdrücklich erlaubt, ihr Paragrafenreiter. Sagt der Gegenspieler „ok“ oder „in Ordnung“ glaubt er, dass sein Kontrahent die erforderliche Anzahl und die entsprechenden Symbole auf der Hand hat und man setzt einen seiner Steine auf das entsprechende Feld. Ruft dieser allerdings „Einspruch“, so muss die Wahrheit auf den Tisch. Hat man die Wahrheit gesagt, zeigt man die entsprechenden Karten, legt diese dann ab und zieht die gleiche Anzahl an Beweisen nach. Nun darf man seinen Stein auf ein beliebiges Feld im Gerichtssaal oder aber auch auf einen der Bezirke setzen. Hat man allerdings geblufft, muss man dieses nun sagen, seine Handkarten aber nicht vorzeigen und auch keine Karten ablegen. Allerdings darf nun der Kontrahent einen seiner Steine auf ein beliebiges Feld legen.

Anschließend müssen dann Handkarten abgeworfen werden, wenn man das Limit von 4 Karten überschreitet. Dann ist der andere Spieler am Zug.


Eine Anhörung endet entweder, wenn es einem Spieler gelungen ist, eine waagerechte, senkrechte oder Diagonale Reihe (wie eben bei Tic Tac Toe) zu bilden oder wenn der Nachziehstapel erschöpft ist. In letztgenanntem Fall gewinnt der Spieler, dessen Stein bei den Bezirken weiter oben liegt. Hat keiner der Spieler einen Bezirk in Anspruch genommen, wird die Anhörung annulliert.


Der Spieler, der die Anhörung verloren hat, darf nun einen seiner beiden Ermittler auf das Ermittlerfeld eines Bezirks stellen. Von nun an „kostet“ das Setzen eines Steins in diesem Bezirk nur noch 2 Karten. In jedem Bezirk darf nur ein Ermittler stehen und einmal gesetzte Ermittler bleiben bis zum Ende der Partie stehen.


Das gesamte Spiel endet, wenn ein Spieler drei Anhörungen für sich entscheiden konnte (best of five System).


Die Bezirke

Schauen wir uns nun kurz die Besonderheiten bei den Bezirken an.


Mit Manhattan, Brooklyn, Queens, der Bronx und Staten Island, gibt es 5 unterschiedliche Bezirke die euch einen Vorteil gewähren, wenn ihr einen Stein in den Bezirk setzt.


Manhattan besitzt keinen speziellen Effekt. Da dies aber der oberste Bezirk ist gewinnt ihr die Anhörung definitiv im Falle, dass diese aufgrund eines leeren Nachziehstapels endet. Bei Brooklyn könnt ihr zwei Beweise nachziehen und Queens ermöglicht es euch den schwarzen Stein auf einem freien Feld im Gerichtssaal zu setzen. Dieses Feld ist nun bis zum Ende der Anhörung blockiert. Dann wäre da noch die Bronx. Platziert ihr hier euren Stein, dürft ihr einen eigenen oder gegnerischen Stein im Gerichtssaal auf ein beliebiges freies Feld verschieben. Staten Island ermöglicht es euch, einen Stein eures Gegenspielers aus dem Gerichtssaal zu entfernen.


Fazit

Tribunal 1920 kam Ende letzten Jahres in die Spieleschmiede. Es handelt sich um ein schnell gespieltes Bluff-Spiel für 2 Personen, welches zunächst einmal mit tollen Illustrationen überzeugt. Dazu kommt dann noch, dass es super schnell aufgebaut ist, kaum Platz benötigt und die Regeln sofort verstanden sind. Gespielt ist es ebenfalls super flott. Eine Partie dauert so zwischen 15 und 30 Minuten.


Es wird dem Spiel nicht gerecht, es einfach und lapidar als ein „aufgeblasenes“ Tic Tac Toe zu bezeichnen. Tribunal 1920 ist ein gutes Spiel, welches immer wieder großen Spaß macht.


Neben dem großen Glücksfaktor, der natürlich aufgrund des Ziehens der Karten unbestritten vorhanden ist, liegt der wesentliche Spiel- und Spaßfaktor beim Bluffen, was man allerdings nicht so übertreiben sollte, da ansonsten das Spiel sehr schnell verloren ist. Gepaart ist die ganze Angelegenheit aber auch mit ein klein wenig Taktik. Lohnend und absolut empfehlenswert ist daher auch immer ein Blick auf die bereits abgelegten Karten zu werfen, die offen ausliegen und immer angeschaut werden dürfen. Es gibt 20 Karten, auf denen jeder Beweis 5-mal- und jeder Bezirk 4-mal zu finden ist. Da kann man dann schon einmal ein wenig spekulieren wie „lukrativ“ das Bluffen ist bzw. auch wie wahrscheinlich es ist, dass der Gegenspieler gerade blufft. Irgendwie hat sich in meinen Partien aber eine Art Muster ergeben. Wurde in den ersten Runden noch mehr geblufft, so wurden alle Spieler zum Ende hin dann deutlich vorsichtiger.


Mit den Bezirken, die mit den Effekten super stark sind und absolut spielentscheidend sein können, kommt auch noch eine taktische Komponente ins Spiel. Auf diese solltet ihr immer ein Auge haben, da ihr mit einem geschickten Zug das Spiel sofort für euch entscheiden könnt. Allerdings muss man auch erst einmal die notwendige Anzahl an Beweisen besitzen oder eben geschickt bluffen. Deshalb ist es auch gar nicht so tragisch, wenn man die erste Anhörung verliert, da ein platzierter Ermittler ein starker Vorteil für die nächsten Runden ist.


Insgesamt hat mir dieses Spiel super gefallen und fand auch bei allen Personen mit denen ich es gespielt habe, großen Anklang. Für Freunde von 2-Personen-Spielen eine ganz klare Empfehlung.

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