• Tim Nau

Café - Huch

Café

„Café“, bei Huch erschienen, ist eine Mischung aus Enguine-Builder, Optimierungs- und Puzzlespiel für 1 bis 4 Spieler ab 10 Jahren von Rola und Costa.



Als Kaffeeunternehmer sind wir zuständig für die Produktion und die Lieferung von Kaffee, um schlussendlich der erfolgreichste Konzern zu sein.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Das Spiel kommt mit wenig Spielmaterial aus. Kern des Spiels sind die 56 Karten, die eine klasse Größe haben und mit einer guten Qualität überzeugen können. Mir persönlich gefällt der Grafikstil und die klare Ikonografie. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass einige das anders sehen werden und den Stil einfach als zu schlicht empfinden. Zu den Karten gesellen sich noch 140 Holzcubes, die für die 4 Kaffeesorten stehen. Hier muss ich deutliche Kritik anbringen. Braun, grün und rot in Kombination ist einfach die falsche Wahl. Ich wiederhole mich, aber es gibt viele Menschen mit einer rot-grün-Schwäche. Bitte, achtet doch einfach auf die Farbwahl – das kann doch nicht so schwer sein. Der goldene Meister-Startspieler-Marker ist schön. Allerdings hätte ich mir hier etwas themenbezogenes, zum Beispiel eine Kaffeetasse, gewünscht.

Die Anleitung überzeugt und alle Fragen werden beantwortet.


Das Spielsystem

Das Spielsystem ist sehr schnell verstanden. Das Spiel an sich ist absolut sprachneutral und die verwendete Symbolik super eingängig. Jeder Spieler startet mit einer Firmenkarte, die als Spielertableau fungiert und mit einer individuellen Startkarte. Auf der Firmenkarte haltet ihr die Anzahl eurer Aktionspunkte fest und außerdem dient sie als Warenlager. Die Startkarten sowie die gleich in das Spiel kommenden Planungskarten, sind jeweils in 6 quadratische Felder unterteilt. Die Startkarte ist der Ausgangspunkt eures Firmengeländes. Die Symboliken in den Quadraten stehen dann für die möglichen Aktionen. Um es noch transparenter zu machen, sind die Aktionen noch mit den Buchstaben A, B und C gekennzeichnet. Das D befindet sich auf eurer Firmenkarte.


Startaufstellung einer 2-Personen-Partie

Zunächst werden 3 Karten vom Nachziehstapel aufgedeckt. Nun entscheidet sich der aktive Spieler für eine der drei Karten. Hierbei ist es wichtig, dass die Karte „bezahlt“ werden muss, wenn eines der Symbole eine Kaffeetasse ist und wenn ihr noch keine 2 Karten mit einem Schiffsymbol ausliegen habt. Die Karte kostet euch dann eine beliebige Kaffeesorte, die ihr aus eurem Lager nehmen müsst. Diese Karte muss nun in das eigene Firmengelände gepuzzelt werden, welches dadurch immer größer wird. Für den Folgespieler wird wieder eine Karte aufgedeckt, so dass jeder Spieler immer aus 3 unterschiedlichen Karten wählen kann.


Nun gilt es, die gewählte Karte in euer Firmengelände zu integrieren. Dazu dürft ihr diese beliebig drehen. Bei der Platzierung muss die neue Karte mindestens 2 sichtbare Felder des Firmengeländes abdecken. Lasst euch für die Platzierung der Karte Zeit, denn dies ist das wesentliche Element des Spiels. Euer Ziel muss es dabei immer sein, möglichst viele gleiche Felder nebeneinander zu bekommen. Überdeckt ihr dabei platzierte Würfel, wandern diese zurück in den allgemeinen Vorrat.


Anschließend führt ihr dann eure Aktionen durch. Die Anzahl eurer Aktionen ist gleich der Anzahl der sichtbaren Kaffeetassen in eurem Firmengelände.


Euch stehen mit dem Anbau, der Trocknung, dem Rösten und der Lieferung 4 unterschiedliche Aktionen zur Verfügung. Wichtig ist immer, dass ihr aus einer Gruppe orthogonal benachbarter Felder profitiert. Liegen, zum Beispiel, mehrere Anbaufelder nebeneinander, so dürft ihr für einen Aktionspunkt auf jedem dieser Felder anbauen. Im Falle des Röstens könnt ihr auf jedem der Felder einen Satz Kaffeewürfel der gleichen Farbe rösten.


Beim Anbauen platziert ihr Würfel der entsprechenden Farbe auf dem Anbaufeld. Beim

Trocknen nehmt ihr alle Würfel einer Farbe und legt diese auf ein Trocknen-Feld. Beim

Rösten nehmt ihr alle Würfel einer Farbe von einem oder mehreren Trocknen-Feldern und legt diese auf ein Rösten-Feld. Ebenfalls Voraussetzung ist es, dass die Trocknen- und Rösten-Felder immer leer sein müssen, wenn ihr Kaffee auf diesen platzieren möchtet, was die ganze Sache natürlich nicht einfacher macht.


Das geringste Problem ist dann das Liefern, da ihr hier immer alle Würfel von allen Rösten-Feldern nehmen dürft und diese entweder auf ein Kaffeehaus oder in euer Lager legen dürft.


Niemals dürft ihr Würfel aus dem Lager nachträglich auf ein Kaffeehaus legen. Beachtet das bei der Wahl der Planungskarte.


Nach 8 Runden endet das Spiel und es erfolgt die Schlusswertung.


Das Wertungssystem

Tatsächlich ist mir dieser Punkt eine eigene Überschrift wert, da ich das Punktesystem super genial finde, da es uns taktisch und planerisch viel abverlangt. Ihr müsst nämlich auf alle 4 Kaffeesorten gehen, da ihr ansonsten keine Punkte macht und das ist echt kompliziert und verlangt viel Grübelarbeit.

Zunächst einmal gibt es Punkte für die Lieferung an die Kaffeehäuser. Diese werden einfach addiert. Dann kommt der Clou. Es gibt Punkte für die Ressourcen in eurem Lager. Es gibt 2 Siegpunkte pro Würfel von der Farbe mit den wenigsten Würfeln und anschließend noch 1 Siegpunkt pro Würfel der Farbe mit den zweitwenigsten Würfeln. D. h., dass es 2 mal 0 Punkte gibt, wenn ihr von einer Farbe keinen Würfel habt.


Natürlich könnt ihr auch einfach mal versuchen, das Lager zu vernachlässigen und nur auf Kaffeehäuser gehen. Meine Frau hat das mal gemacht und recht ordentlich gepunktet.


Fazit

„Café“ ist ein großartiges Spiel, welches sich an Planer, Grübler und Optimierer richtet. Es verlangt viel Denkarbeit, um bei diesem Spiel zu punkten. Leben können müsst ihr nämlich damit, dass ihr hier nicht die Masse an Punkten machen werdet und es auch Partien gibt, die einfach nicht laufen werden. Erst gestern habe ich eine Runde solo gespielt und diese mit mageren 13 Punkten abgeschlossen. Im Schnitt waren es in unseren Partien immer so zwischen 18 und 22 Punkten.


Jede Runde stellt euch vor Entscheidungen. Es fängt schon mit der elementar wichtigen Auswahl der Planungskarte an. Es sind unterschiedliche Strategien möglich. Gehe ich auf Schiffe, um schnell keine wichtigen Ressourcen mehr bezahlen zu müssen? Gehe ich auf Kaffeetassen, um mehr Aktionen zur Verfügung zu haben? Gleichzeitig möchte ich aber auch noch weitere Trocknungs- und Röstungsfelder. Ein ewiges Dilemma, welches bei der Platzierung dann seine Fortsetzung findet, denn man will die Trocknungs- und Röstungsfelder auch noch nebeneinander, um die Aktion öfter mit nur 1 Aktionspunkt durchführen zu können. Auch will alles schon mit Blick auf die nächste Runde vorbereitet werden, denn dann kommt es ja wieder zur Erweiterung des Firmengeländes und ich muss wieder mindestens 2 sichtbare Felder überdecken. Ohne Kompromisse geht es eigentlich nie. Ich finde das wirklich mega genial und es verlangt uns Spielern einiges ab.

Wenn Interaktion für euch ein Muss ist, dann dürft ihr nicht zu Café greifen, da dieses Spiel absolut solitär ist. Jeder baut an seinem eigenen Gelände und macht für sich seine Punkte, die dann am Ende des Spiels nur mit den Punkten der Gegenspieler verglichen werden. Daran ändert auch die Spielvariante nichts, auch wenn das Privileg des Startspielers durchaus sehr wichtig ist. In dieser werden anstelle von 3 Karten zu Beginn immer 4 Karten aufgedeckt. Nun wird mit Kaffeebohnen auf den Startspieler-Marker geboten.


Aufgrund der solitären Spielweise ist der Spielspaß bei Café, unabhängig von der Spieleranzahl, immer gleich groß und auch eine absolute Empfehlung für Solo-Spieler. Das Solo-Spiel funktioniert genauso wie das Spiel mit mehreren Personen. Die Spieldauer liegt immer so zwischen 20 und 30 Minuten.


Insgesamt ist Café für mich ein absolutes Highlight und erhält eine ganz klare Empfehlung.


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