• Tim Nau

Dark Cases - Tiefer Fall

Die eigentliche Rezension ist spoilerfrei - auch haben wir auf Fotos verzichtet,

die irgendetwas preisgeben könnten, um niemandem den Spaß zu nehmen. Zum Ende erfolgt eine kurze Darstellung kleinerer Ungereimtheiten, die aber gesondert gekennzeichnet ist.


Dark Cases – Tiefer Fall

„Dark Cases – Tiefer Fall“, beim GMEINER-Verlag erschienen und im Vertrieb von HUCH, ist ein kooperatives und realistisches Ermittlungsspiel für 1 bis 6 Spieler von Mona Dengler und Tobias Kühnlein.

Ein tragischer Zwischenfall ereignete sich im verschlafenen Städtchen Dennsberg. Thomas Borgmann, der Geschäftsführer des Suppenherstellers BORGMANN´s, ist bei einer Klettertour abgestürzt und liegt mit lebensbedrohlichen Verletzungen im Krankenhaus. Dabei war Thomas Borgmann ein erfahrener Kletterer und das Talbachhorn kannte er wie seine Westentasche. Immer mehr Indizien deuten darauf hin, dass es sich hier um einen Anschlag handelte.


Kommissar Rupprecht von der Dennsberger Polizei hat uns zahlreiche Unterlagen zukommen lassen und so starten wir, als externes Ermittlerteam, mit unseren Recherchen. Wird es uns gelingen, alle Ungereimtheiten aufzuklären?


Das Spielprinzip und das Spielmaterial

Das Spielprinzip ähnelt dem der Genrevertreter. So sichten wir zahlreiche Unterlagen, gehen Hinweisen nach und ziehen aus diesen unsere Schlüsse, finden Motive sowie Alibis und entlarven am Ende (zumindest hoffentlich) den oder die Täter.

Das Spielmaterial ist umfangreich und besteht aus Zeugenaussagen, Zeitungsartikeln, Karten, WhatsApp-Chat-Verläufen und zahlreichen Dingen mehr. Die Qualität hier ist vollkommen in Ordnung. Das gab es besser aber auch schon schlechter. Mir ist bei Spielen dieser Art der Realitätsfaktor wichtig. In diesem Bereich ist noch ein wenig Luft nach oben, da sämtliches Material auf der gleichen Papierart gedruckt wurde. Ich finde es immer schöner, wenn ein Zeitungsartikel halt auch auf „richtigem“ Zeitungspapier daherkommt. Die zu besuchenden Internetseiten hingegen überzeugen mich komplett. Diese sehen toll aus und sind super realistisch gestaltet. Ihr merkt, dass ihr auch bei diesem Spiel ein funktionsfähiger Internetanschluss Pflicht ist.


Eine „richtige“ Anleitung liegt dem Spiel nicht bei und wird auch nicht benötigt. Alle notwendigen Informationen findet ihr auf einem DIN A5-Zettel. Auf diesem ist die Adresse der spielbegleitenden Homepage auch schon das wichtigste Element.


Anschließend könnt ihr dann auch schon mit dem handgeschriebenen Brief starten und eure Ermittlungen mit dem Sichten des Materials beginnen.


Fazit

„Tiefer Fall“ ist der erste Fall aus der Dark Cases-Reihe des GMEINER-Verlags. Das Spiel orientiert sich komplett an den bekannten Genrevertretern. So gilt es auch hier, alle Unterlagen zu sichten und seine Schlüsse zu ziehen.


Es gelingt, eine gute Stimmung zu erzeugen und man fühlt sich wie ein Ermittler. So durchforstet ihr das Material, welches euch neue Erkenntnisse gibt und geht dann diesen Spuren nach. Der Anteil an Ermittlungsarbeit mit analogem und digitalem Material liegt bei ca. 50 zu 50.


Die Bewertung der Schwierigkeit eines solchen Falls finde ich persönlich immer ein wenig schwierig. Wie leicht der Fall von der Hand geht, hat auf jeden Fall was damit zu tun, wie viele Spiele dieser Art ihr schon gespielt habt. Hier entwickelt sich mit der Spielerfahrung eine Routine und ihr wisst, worauf ihr achten müsst. Im Vergleich mit anderen Spielen würde ich sagen, dass die Schwierigkeit sich hier im unteren Bereich befindet und sich dieser Fall auch komplett für Neueinsteiger in dieses Genre eignet. Wir hatten bei keinem Rätsel wirklich große Probleme. Auf das vielleicht schwierigste Rätsel wird direkt am Anfang des Falls eingegangen. Dieser Hinweis wäre eher was für die Kategorie Tipp 1 gewesen und gehört, zumindest aus meiner Sicht, nicht in die Einleitung des Falls. Das finde ich persönlich ein wenig ärgerlich.


Leider habe sich auch an zwei Stellen kleine Ungereimtheiten eingeschlichen, die uns dann an unserer Lösung haben ein wenig Zweifeln lassen. Um Niemanden irgendwas vorweg zu nehmen, schreibe ich erst im Anschluss an das Fazit, in einem separaten Absatz, ein paar Zeilen darüber. Ich werde auch in dem Abschlusspassus die beiden Punkte nicht eindeutig aufschlüsseln, um niemanden den Spaß an der Ermittlung zu nehmen. Das Spiel ist auch so eindeutig lösbar – zweifelt nicht an eurem Ergebnis. Ich bedanke mich bei Tobias Kühnlein, den ich angeschrieben habe und der umgehend auf meine Nachricht eingegangen ist. Und das auch noch sehr umfangreich.


Kommt ihr einmal nicht weiter, gibt es ein Hilfesystem, welches mich aber leider nicht überzeugt. Ihr findet hier lediglich Hilfen zu 6 unterschiedlichen Punkten. Diese sind, zumindest teilweise, viel zu vage und geben zu wenig preis. Auf der einen Seite ist dies natürlich gut, um nicht zu spoilern, wenn man aus Versehen auf den Hinweis klickt. Auf der anderen Seite helfen die Tipps aber nicht immer. Hier hätte man ein anderes System wählen sollen und mit weiteren Verlinkungen arbeiten müssen, um nach und nach mehr Tipps offenzulegen, um am Ende dann die Lösung zu präsentieren.


Der Abschluss des Falls hingegen gefällt mir sehr gut. Ihr müsst hier 5 Fragen beantworten. Wenn ihr die elementare Frage nach dem Täter richtig beantwortet, werdet ihr außerdem mit einem netten Audiofile belohnt, indem Kommissar Rupprecht noch einmal alles Wesentliche zusammenfasst – ein absolut runder Abschluss.


Die angegebene Spielzeit von 90 bis 180 Minuten ist absolut passend. Wir haben das Spiel zu zweit gespielt. Es ist allerdings auch problemlos möglich, mit mehreren Personen zu spielen. Material dafür ist genug vorhanden und außerdem muss ja auch im Internet recherchiert werden, so dass für niemanden Langeweile aufkommt. Da ihr kein Material zerstören oder beschriften müsst, könnt ihr das Spiel problemlos an Freunde weitergeben.


Trotz der Kritikpunkte die man, zumindest aus meiner Sicht, als Rezensent auch eindeutig benennen muss, hat uns der Auftaktfall einen schönen Krimiabend beschert. Alle Fans des Genres können bedenkenlos zugreifen und auch interessierten Neueinsteigern ins Genre lege ich den Fall ans Herz.


Kleinere Ungereimtheiten - Achtung Spoiler!!!

Zwei Stellen im Spiel haben uns stutzen lassen und dann haben wir an unserer Lösung, die für uns eigentlich auf der Hand lag, gezweifelt. Ich habe Kontakt zu Tobias Kühnlein aufgenommen, der auch umgehend geantwortet hat. Er wird noch einmal Kontakt zur Partnerin aufnehmen und vielleicht gelingt es ja, zumindest onlinetechnisch, hier ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Das ist ja das Schöne bei Spielen dieser Art – man kann zumindest onlinetechnisch noch ein wenig nachjustieren. Tatsächlich sind diese beiden Punkte in keiner der zahlreichen Proberunden aufgefallen. Der eine Punkt betrifft das verwendete Fahrzeug und der der andere Punkt ein Kalenderblatt. Wer genaueres wissen möchte, der kann mich sehr gerne anschreiben.



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