• Tim Nau

Die Baumeister von Köln - Ornament Games

Die Baumeister von Köln

„Die Baumeister von Köln“, bei Ornament Games erschienen, ist ein pick-up and deliver Spiel für 2 bis 4 Spieler Spieler ab 8 Jahren von Christian Schäfer-Scheidtweiler und Stefan Scheidtweiler.



Köln im Hochmittelalter - neben der Bedeutung als Handelsplatz auch ein geistliches Zentrum von internationalem Rang. Wir sind Baumeister und bauen an den 12 großen romanischen Kirchen mit, die auch heute noch das Stadtbild der Millionenstadt prägen.


Unser Ziel ist es, möglichst viel zum Bau der Kirchen beizutragen, um dadurch den meisten Ruhm zu erlangen.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Es bedarf nicht viel Spielmaterial für dieses Spiel. So befinden sich in der Spieleschachtel lediglich einige Karten, die ordentlich illustriert sind, Holzteile und die Bauplatzkacheln. Die Qualität ist absolut in Ordnung. Sehr gut gefällt mir der doppelseitige Spielplan. Auf der bunten Seite spielen wir und auf der Rückseite, die quasi wie die Spielplanseite aufgebaut ist, finden wir historische Fakten zu den Kirchen.

Das spielmaterial weist eine sehr ordentliche Qualität auf

Die Anleitung ist sehr verständlich geschrieben und Fragen bleiben keine offen.


Das Spielsystem

Das Spielsystem ist super einfach und eine Regelerklärung dauert nur knapp 10 Minuten. Da auch der Aufbau innerhalb kurzer Zeit erledigt ist, kann zügig mit dem Spiel begonnen werden.

Die Auswahlkarten überzeugen mit schönen Illustrationen

Grundsätzlich stehen jedem Spieler 2

Karren zur Verfügung, mit denen die Baumaterialien zu den Kirchen transportiert werden. Zu Beginn des Spiels werden von den 12 Kirchen 4 gezogen, die mit einem Marker gekennzeichnet werden. Dies sind die Kirchen, die nun gebaut werden können. Wenn mindestens ein Baustoff zu jeder Kirche transportiert wurde, die Baustelle also "eröffnet wurde, werden die nächsten 4 Kirchen gezogen und mit einem Marker versehen, so dass sich mit zunehmender Spieldauer der Aktionsradius vergrößert.


Der Spielzug eines Spielers gliedert sich in 2 Phasen. Zunächst einmal wird mit den beiden Würfeln geworfen. Der braune Bausteinwürfel zeigt entweder die Farbe eines Bausteins oder ein X an. Der schwarze Stadttorwürfel hingegen entweder die Ziffern I bis V oder das Kartensymbol.


Die Kombination aus beiden Würfeln bildet nun die Anweisung, was zu tun ist. Eine Bausteinfarbe in Kombination mit der Nummer eines Stadttores sagt, dass ihr einen Baustein der entsprechenden Farbe am entsprechenden Stadttor platzieren müsst. So kommen, nach und nach immer mehr Baumaterialien in das Spiel. Sind bereits alle drei Stadttorfelder besetzt, dann wird der Schritt übersprungen.


Wichtig für den Bau an den Kirchen ist es, dass die Materialien unterschiedliche Wertigkeiten haben. So zählen weiße Materialien einen, graue Baustoffe zwei und schwarze Baustoffe drei Punkte. Dies ist für den Bau der Kirche elementar wichtig, auf den ich gleich zu sprechen komme. Eine Ziffer kombiniert mit dem X führt dazu, dass in dieser Runde kein Rohstoff geliefert wird. Zeigt der schwarze Würfel hingegen das Kartensymbol, so zieht ihr eine Karte vom Begegnungs-Kartenstapel. Auf die Begegnungskarten gehe ich später separat ein. Eine Lieferung von Baustoff findet nicht statt.

Die nächste Phase ist nun die Aktionsphase. 4 Aktionspunkte, die beliebig auf die beiden Karren aufgeteilt werden können, stehen dem Spieler zur Verfügung. Wichtig ist immer daran zu denken, dass bis auf die Aktion „Karren ziehen“ (Bewegungsaktion) alle andere Aktionen den Spielzug für diesen Karren beenden. Übrige Aktionspunkte müsst ihr für den anderen Karren aufwenden. Ich möchte einen kurzen Überblick über die 5 Aktionsmöglichkeiten geben.


Die Aktion „Karren ziehen“ ist nichts Anderes als eure Bewegungsaktion. Je aufgewendeten Aktionspunkt bewegt ihr euch einfach ein Feld weiter. Wichtig hier ist, dass auf den kleinen roten Punkten jeweils nur ein Karren stehen darf und auch nicht an Karren anderer Spieler vorbeigefahren werden darf. Dies finde ich klasse und vor allem realistisch und komme auf diesen Faktor im Fazit noch einmal zu sprechen.


Mit der Aktion „Bauen“ ladet ihr einen Baustoff von eurem Karren auf einem Bauplatz ab. So tragt ihr zum Bau der entsprechenden Kirche bei. Beachtet in eurer Planung immer, dass ihr nur die angezeigten Baumaterialien liefern könnt. Die auf der Bauplatzkachel angegebenen Punkte sind die Siegpunkte und entsprechen der Anzahl an Punkten, die ihr durch die Baustoffe liefern müsst. Wenn mit Lieferung die Punktzahl genau erreicht wird, wird geschaut, wer die meisten Punkte beigetragen hat. Dieser Spieler erhält den kompletten Ruhm in Form des Bauplättchens, welches er vor sich ablegt. Die anderen Spieler gehen leer aus. Nur im Falle eines Gleichstands erhält der Spieler die Kachel, der als letztes geliefert hat.


Mit der Aktion „Aufladen“ ladet ihr einen Baustoff von einem Stadttor auf euren leeren Karren. Ihr könnt auf jedem Karren immer nur einen Baustein transportieren.


Die Aktion „Abladen“ ermöglicht es euch einen nicht mehr benötigten Baustoff von eurem Karren an einem Stadttor abzuladen. Dies geht nur, wenn dort auch ein Lagerplatz fei ist.


Außerdem könnt ihr noch den Erzbischof am Dom besuchen, wenn ihr über die passende Begegnungskarte verfügt.


Das Spiel endet, sobald die gemäß der Spielerzahl erforderliche Anzahl an Punkten erreicht oder überschritten wurde. Tatsächlich finde ich diese Regel sehr unglücklich, da der Startspieler so im Vorteil ist und es bei uns öfter der Fall war, dass es super knapp ausgegangen ist. Wir haben immer die laufende Runde noch zu Ende gespielt, damit jeder die gleiche Anzahl von Spielzügen zur Verfügung hatte. Dieses Vorgehen würde ich auch empfehlen – nicht immer hat bei uns nämlich der Spieler gewonnen, der als erster die Punktzahl erreicht hat.


Die Begegnungskarten punkten mit interessanten Effekten

Die Begegnungskarten

Die Begegnungskarten sind mehr als das Salz in der Suppe des Spiels. Ohne diese würdet ihr nämlich nur auf dem Spielplan hin und herfahren.


30 Begegnungskarten (10 verschiedene) liegen dem Spiel bei.


Eine Begegnungskarte zieht ihr, sobald der Stadttorwürfel das Kartensymbol zeigt. Das Kartenlimit eurer Handkarten liegt bei 3. Das Ausspielen von Handkarten kann jederzeit während des Zuges erfolgen.


Die Karten verändern Gegebenheiten und bieten euch zusätzliche Möglichkeiten. So könnt ihr, zum Beispiel, einen kompletten zweiten Spielzug durchführen, Zusatzpunkte für den Bau einer bestimmten Kirche bekommen oder eine Audienz beim Erzbischof erhalten. Des Weiteren gibt es auch noch Karten, die taktische Tiefe in das Spiel bringen und sehr interessant sind. So könnt ihr, zum Beispiel, einen Baustein austauschen, euch die Baurechte an einer Kirche sichern oder Wertigkeiten von den Baustoffen an den Stadttoren ändern.


Die optimale Spielerzahl

Konzipiert ist das Spiel für 2 bis 4 Personen.


Im Rahmen der Spielerzahl muss man ganz klar sagen, dass der Spielspaß mit zunehmender Spieranzahl ganz klar steigt. Den größten Spaß macht es auf jeden Fall mit 4 Spielern. Grund hierfür ist einfach, dass man sich erst dann wirklich „ins Gehege“ kommt, weil dann auf dem Spielbrett ordentlich was los ist. Da muss man sich dann schon einmal seinen Weg suchen und auch auf eine nicht so optimale Route umschwenken. Die auf der Spieleschachtel angegebene Spieldauer von ca. 60 Minuten passt in allen Konstellationen, da mit zunehmender Spielerzahl weniger Siegpunkte erreicht werden müssen.


Fazit

Ornament Games ist ein neuer Verlag aus Köln, der 2021 gegründet wurde. Hinter Ornament Games stehen Christian Schäfer-Scheidtweiler und Stefan Scheidtweiler, die auch die Autoren des Spiels sind. Entwickelt wurde dieses Spiel in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Romanische Kirchen Köln.


„Die Baumeister von Köln“ ist ein klassisches pick-up and deliver Spiel. Es überzeugt mit sehr einfachen Regeln und einer niedrigen Einstiegshürde. Aufgrund der dann doch eher begrenzten Handlungsmöglichkeiten und dem sehr geringem taktischen Tiefgang würde ich es als einfaches Familienspiel einstufen und auch dieser Spielergruppe empfehlen. Durch die Begegnungskarten kommen ein paar taktische Elemente inSpiel, die aber nie überfordern. Des Weiteren eignet sich das Spiel auch hervorragend dazu, um den Spielenachwuchs an dieses System heranzuführen.


Für reine Kennerspieler hingegen ist das

einfach zu wenig. Wenn überhaupt dann maximal mit 4 Spielern, weil man sich dann zumindest in die Quere kommt. Hier kommt es dann auch zum Tragen, dass man eben einen anderen Karren nicht passieren darf, weil die Gassen im Köln der damaligen Zeit dafür einfach zu eng waren. Dieser Punkt des Spiels ist sehr realistisch und gefällt mir gut. Des Weiteren kann man sich auch erst mit 4 Spielern ein wenig ärgern - die passende Begegnungskarte vorausgesetzt. Diese beiden spielerischen Aspekte kommen mit 2 oder 3 Spielern kaum zum Tragen. Ansonsten ist es tatsächlich nur ein hin und herfahren, was sich auch noch arg in die Länge zieht. Ja, leider muss ich sogar sagen, dass es mitunter recht langweilig wird. Wirkliche taktische Möglichkeiten gibt es einfach nicht. Ein paar der Begegnungskarten sorgen zumindest für ein klein wenig Abwechslung.


Insgesamt muss man das Spiel als das nehmen, was es auch ist. Ein sehr einfaches pick-up an deliver Spiel ohne großartige taktische Möglichkeiten, welches sich an Familienspieler und den Spielenachwuchs richtet.




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