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  • Tim Nau

Distilled - Paverson Games

Distilled

„Distilled“, von Paverson Games und in der deutschen Version bei Giant Roc erschienen, ist ein Strategiespiel für 1 bis 5 Spieler von Dave Beck.

Wir haben eine Destillerie von einem entfernten Verwandten geerbt. Nun ist es unsere Aufgabe, dem Familienunternehmen wieder zu Ruhm zu verhelfen. So kaufen wir Zutaten und Zubehör ein, um die weltbesten Spirituosen herzustellen.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Das Spielmaterial ist sensationell. Die zahlreichen Karten haben eine tolle Qualität und sämtliches Papp-Material eine klasse Dicke. Spitze sind die Double-Layer Klemmbretter für die Spieler. Hier wird einfach die gewählte Rezeptkarte und das Spezialrezept draufgelegt. Ebenfalls super gelungen auch die Destillerie, die das zweite Playerboard ist.

Dann wäre das noch das Ordnungssystem. Hier hat alles seinen Platz und kann super verstaut werden. Ganz unten in der Box haben alle Karten ihren Platz, darüber kommt dann der Tray für die kleineren Spielbretter und die Auszeichnungen, darüber dann die Spieler-Tableaus und das Punkte-Tableau und den Abschluss bilden dann drei Trays für Marker. In diesen Trays ist auch noch Platz für die Erweiterung. Leider ist diese momentan nicht mehr zu bekommen. Ich hoffe sehr, dass sie noch einmal aufgelegt wird.


Besser als diese Anleitung geht es fast gar nicht. Hier ist alles klasse beschrieben und zahlreiche Bilder und Beispiel sorgen dafür, dass alles sehr schnell verstanden ist. Auch steckt super viel des Themas in der Anleitung. So erfahren wir einiges über das Aroma oder es wird erklärt, warum Whisk(e)y manchmal mit "e" und manchmal ohne geschrieben wird. Dann gibt es noch Runden-Ablauf-Karten. Diese sind so genial und verständlich, wie ich es noch nie gesehen habe. Sie sind so geschrieben, dass ihr mit diesen wieder in das Spiel einsteigen könnt, wenn ihr es längere Zeit nicht mehr gespielt habt.

Außerdem gibt es noch eine detaillierte Anleitung für die erste Partie mit einigen Tipps. Ich persönlich habe diese nicht genutzt. Aber eine klasse Idee.


Das Spielsystem

Einmal verstanden ist das Spielsystem super einfach und das Spiel verläuft absolut flüssig. Der Spielaufbau geht erstaunlich schnell. Lediglich das Mischen der vielen Karten ist dann manchmal ein wenig nervig. Auch die Regelerklärung an neue Spieler nimmt nicht sehr viel Zeit in Anspruch. Am besten vermittelt man die Regeln phasenweise. Auch ich möchte mir die einzelnen Phasen einmal kurz mit euch anschauen. Ich werde selbstverständlich nicht auf alle Kleinigkeiten eingehen, sondern versuchen euch einen Überblick zu geben, damit ihr entscheiden könnt ob das Spiel was für euch und eure Gruppe ist. Bevor wir das tun, schauen wir uns aber kurz die allgemeine Kartenauslage und ein paar Grundmechaniken an.


Aufbau einer 2-Personen-Partie

Euer Ziel ist es ja, die Destillerie zu Ruhm zu führen. Dazu wollt ihr natürlich qualitativ hochwertige Spirituosen herstellen und diese verkaufen. Durch den Verkauf erhaltet ihr Geld und Siegpunkte. Zu Beginn des Spiels könnt ihr mit Vodka und Moonshine lediglich zwei Getränke destillieren. Für die weiteren Rezepte benötigt ihr Rezeptmarker, die ihr im Rahmen der Marktphase erwerben könnt. Rezeptmarker gibt es in Bronze, Silber und Gold. Einmal das Rezept gelernt, könnt ihr das Getränk von nun an destillieren.


Mit den Verbesserungen, den Premiumzutaten und dem Premiumzubehör gibt es drei Kartenarten, die ihr im Rahmen der Marktphase kaufen könnt. Ihr könnt aus diesen drei Bereichen so viele Karten kaufen wie ihr euch leisten könnt. 4 Karten liegen jeweils offen. Die Verbesserungen unterscheiden sich noch in Anschaffungen und Spezialisten und diese Karten belohnen euch mit dauerhaften Effekten. Die Premiumzutaten kommen in euren Gärbottich und belohnen euch mit zusätzlichen Siegpunkten und/oder Geld.


Neben diesen Karten gibt es eine weitere Auslage, die aus Basiszutaten und Basiszubehör besteht. Von diesen Karten könnt ihr, je Marktphase, zwei Karten erwerben.


Zu Beginn einer Runde handelt ihr eventuelle Rundenbeginn-Fähigkeiten ab. So gibt es Charaktere, die über eine Fähigkeit verfügen oder auch Verbesserungskarten.


Anschließend geht es in die Marktphase, die abwechselnd durchgeführt wird, bis alle Spieler gepasst haben. In dieser Phase könnt ihr Rezeptmarker oder die oben dargelegten Karten erwerben. Wird eine Karte gekauft, so wird sofort eine Karte nachgelegt. Am Ende der Runde wird die äußerst rechtsliegende Karte (im Spiel mit 2 Personen die beiden äußerst rechtsliegenden Karten) entfernt.

Nun geht es in die Destillationsphase. Hierzu müsst ihr Karten in die Bereiche Hefe, Zucker und Wasser eures Gärbottichs legen. Um ein Getränk zu destillieren benötigt ihr mindestens eine Karte jeder Art. Alkohol-Karten könnt ihr als Hefe- und/oder Wasserersatz verwenden. Ihr könnt natürlich nur versuchen Getränke zu destillieren, von denen euch das Rezept bekannt ist. Achtet immer auf das Rezept, denn Getränke benötigen unterschiedliche Zuckerarten. Des Weiteren gibt es Spirituosen, die erst mindestens eine Runde reifen müssen und folglich nicht sofort verkauft werden können. Außerdem müsst ihr beachten, dass ihr über das richtige Fass und auch über eine Flasche verfügen müsst. Die Anzahl der Karten, die ihr in den Gärbottich legen dürft, ist nicht begrenzt. Für jede Karte im Zuckerbereich fügt ihr nun noch eine Karte Alkohol hinzu. Dieser Stapel ist euer Destillat.


Anschließend mischt ihr alle Karten und müsst die oberste und unterste Karte wieder in eure Vorratskammer legen. Die restlichen Karten bilden nun das Ergebnis eures Destillationsprozesses und entscheiden über das Resultat. Erfüllt ihr die Voraussetzungen mehrerer Rezepte, so dürft ihr euch das Produkt aussuchen. Nehmt euch zum Abschluss noch das Label eures Produkts. Sollte kein Label mehr verfügbar sein, könnt ihr das Produkt trotzdem herstellen, erhaltet aber keinen Label-Bonus.

Hier verwaltet ihr eure Destillerie

Jetzt geht es in die Verkaufsphase. Verkaufen könnt ihr Produkte, die bereits bei euch im Keller gereift sind oder eben euer gerade produziertes Getränk, falls dieses nicht mehr reifen muss. Auf den Reifungsprozess gehe ich gleich noch gesondert ein. Wollt ihr euer Produkt verkaufen, müsst ihr nun noch eine Flasche und ein Fass hinzufügen. Als Start-Gegenstände verfügt ihr über eine Glasflasche und über ein Metallfass. Diese beiden Start-Gegenstände erhaltet ihr immer wieder zurück. Andere Flaschen oder Fässer hingegen nicht. Fässer könnt ihr auf den entsprechenden Stapel zurücklegen. Flaschen müsst ihr sammeln, da es am Ende des Spiels für eure Flaschensammlung noch Siegpunkte gibt. Für den Verkauf erhaltet ihr nun einmal die Siegpunkte und Geld gem. Angabe Rezeptkarte und dazu addiert ihr Punkte und Geld auf den Karten eures Destillats. In der ersten Partie nimmt dies noch ein wenig Zeit in Anspruch. Doch bereits ab der zweiten Partie geht das Verfahren super schnell. Das Label legt ihr nun noch auf einen freien Bereich des Label-Bonusbereichs und kassiert die entsprechende Belohnung.


Werfen wir nun einen Blick auf die Reifungsphase. Ihr legt das Destillat verdeckt auf eines der beiden Fasskeller-Felder. Darauf platziert ihr ein gültiges Fass und legt das Laben oben drauf. Nun zieht ihr, verdeckt, die oberste Karte des Aroma-Stapels und legt diese unter euren Stapel, ohne euch die Karte anzusehen. Aroma-Karten bringen euch zusätzlich Geld und ihr erhaltet zusätzliche Siegpunkte bei Verkauf entsprechend der Anzahl dieser Karten. Ihr dürft eine Spirituose so lange reifen lassen wie ihr wollt. Meistens ist dies aber eher eine Frage des Könnens, weil ihr das Geld für den Verkauf benötigt.


Dann ist auch schon das Rundenende erreicht. Nun wird noch geschaut, ob jemand Bedingungen einer Auszeichnung erfüllt hat, was mit Siegpunkten belohnt wird. Wenn ihr in dieser Runde keine Spirituose verkauft habt, könnt ihr nun ein Tasting anbieten. Macht ihr dies, dürft ihr bis zu 4 Siegpunkten gegen die entsprechende Anzahl an Geld eintauschen. Anschließend wird der Runden-Marker weitergeschoben. Wichtig ist noch, dass ihr am Ende der dritten Runde eine Zielkarte abwerfen müsst. Nach der 7. Runde endet die Partie und es geht an die Schlusswertung. Ihr erhaltet noch Siegpunkte für Spirituosen, die noch im Fass-Keller liegen, für eure Flaschensammlung, für die Erfüllung der Zielkarten und für übrige Münzen.


Die optimale Spieleranzahl

Konzipiert ist das Spiel für 1 bis 5 Personen. Auf den Solo-Modus gehe ich gleich gesondert ein.


Distilled gehört zu den Spielen, wo der Spielspaß unabhängig von der Spieleranzahl ist. Eine Anpassung findet aufgrund der Anzahl an zur Verfügung stehenden Labeln statt. Tatsächlich macht es mir sogar am meisten mit 2 oder 3 Personen Spaß.


Die angegebene Spieldauer von ca. 30 Minuten pro Spieler haben wir noch nicht geschafft. Ich glaube, dass ca. 45 Minuten sich eher als Richtwert eignen.


Destilled verfügt über einen erstklassigen Solo-Modus und auch für reine Solo-Spieler spreche ich eine klare Empfehlung aus. Ich selbst habe mittlerweile endlos viele Solo-Runden hinter mir und immer wieder Lust auf eine nächste Partie.


Das verwendete System ist super. Ihr mischt einfach den A, B und C Stapel der Solo-Karten separat und legt dann ein vorgegebenes Raster aus. Die Karten der ersten, dritten und fünften Reihe werden aufgedeckt. Hier erkennt ihr zu erfüllende Ziele. Eine Partie spielt sich nun exakt wie eine Partie mit mehreren Personen. Um das Spiel zu gewinnen, müsst ihr in jeder Reihe mindestens 1 Ziel erfüllen. Die Krux hierbei ist es, dass ihr verdeckt liegende Karten erst aufdecken dürft, wenn ihr ein direkt darunterliegendes Ziel erfüllt habt. Neben der Erfüllung der Ziele müsst ihr auch eine Mindestpunktzahl erfüllen. Diese ergibt sich aus euren erfüllten Zielen der Karten aus der dritten und fünften Reihe.


Auch wenn ich mittlerweile sehr regelfest bin, benötige ich für eine Partie so ca. 45 bis 60 Minuten. Gerade im Solo-Modus ist eine strategische Vorausplanung ein Muss für den Spielerfolg.

Aufbau eine Solo-Partie

Fazit

Ich nehme es vorweg: Distilled ist eines meiner Spiele des Jahres 2023. Warum?


Zunächst einmal, dass ist der eher kleinere Punkt, passt hier produktionstechnisch einfach alles. Hier wurde sich einfach Mühe gegeben und man erkennt an jeder Stelle die Liebe zum Detail. Das kleine Whisky-Fass, welches als Rundenzähler fungiert, ist nur ein Beispiel. Dazu noch die mega tollen Trays – hier hat alles Platz und alles ist aufgeräumt.


Dann wäre da noch die Umsetzung des Themas. Auch wenn ich jetzt kein Alkohol-Experte bin, macht für mich alles, was ich hier spielerisch tue Sinn. So kaufe ich Zutaten, Verbesserungen oder stelle Experten ein. Neue Rezepte muss ich erst erlernen und dann kommt natürlich noch der Moment der Destillation, indem nicht immer alles rund läuft. Dieser Moment ist auch immer ein Highlight und mit Aufregung verbunden. Hier kann man auf kleinster Naht nähen und sein Glück strapazieren oder man wirft ein wenig mehr in seinen Gärbottich und erhöht damit seine Chancen auf das gewünschte Ergebnis. Der Moment des Aufdeckens der Karten ist dann immer mit Glücksgefühlen oder aber auch ein wenig Traurigkeit verbunden. Doch Kritik, dass dieser Glücksfaktor nicht passt, ist nicht angebracht. Denn auch in der Realität gelingt der Destillationsprozess nicht immer. Mit zunehmender Spieldauer, ihr sammelt quasi Erfahrung, kommen auch immer mehr Karten in euren Gärbottich, so das dann schon ordentlich Pech dabei sein muss, wenn ihr nicht euer gewünschtes Produkt destilliert. Ich persönlich versuche auch immer auf Verbesserungen zu setzen die es mir ermöglichen, nur eine Karte ablegen zu müssen – dies nur als kleiner Tipp für einen erfolgreichen Vorgang.


Der Interaktionsfaktor ist gegeben. Hier vor allem aufgrund des Wettlaufs um die begehrten Auszeichnungen und Labels zu erhalten.

Auch die Langzeitmotivation bzw. der Wiederspielwert ist enorm hoch. Hierfür sorgen vor allem die unterschiedlichen Charaktere und Rezeptkarten. Des Weiteren müsst ihr, aufgrund der Zielkarten und der unterschiedlichen Auszeichnungen auch immer eine andere Taktik spielen bzw. euren Fokus anders setzen. Das ist alles sensationell gut.


Distilled ist prinzipiell kein schweres Spiel. Habt ihr einmal die Regeln durchdrungen, so spielt sich das Spiel absolut flüssig und die Downtime ist gering. Es gilt aber einiges zu beachten und Vorausplanung ist ein unbedingtes Muss. Einstufen würde ich es daher auf jeden Fall in den Kennerbereich.


Insgesamt ist dies Spiel, aus meiner Sicht, ein absoluter Pflichtkauf.

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