• Tim Nau

Escape Tales: The Awakening - Kosmos

„Escape Tales - The Awakening“ – ein Story-telling-Spiel mit düsterer Geschichte


Bevor ich mit meiner Review beginne hier der Hinweis, dass der nachfolgende Text keinerlei Spoiler enthält, um niemandem den Spaß an der Geschichte und dem Spiel zu nehmen.

"Wir verkörpern den 35-jährigen Samuel, dessen Ehefrau vor 5 Jahren verstorben ist. Lizzy, seine Tochter, ist der einzige Trost. Doch nun ist Lizzy in ein Koma gefallen - Tag für Tag sitzt Samuel am Bett und wartet auf Besserung. Doch diese ist nicht in Sicht. Aus Verzweiflung nimmt er Kontakt zu Mark auf. Sein Sohn lag ebenfalls im Koma und ist dann plötzlich wieder erwacht. Mark übergibt Samuel ein Buch mit dem er ein Ritual durchgeführt hat - doch der Preis, den Mark dafür zahlen musste, war hoch. Mehr erfahren wir nicht und so begeben wir uns in eine andere Welt auf eine düstere Reise..."




Das Spielkonzept

Wie auch die EXIT-Reihe basiert „Escape Tales – The Awakening“ auf dem Prinzip von Escape Rooms. Das heißt, dass es für euch als Spieler gilt zahlreiche Rätsel zu lösen. Bei den EXIT Spielen ging es für die Spieler darum, innerhalb einer Stunde aus einer Situation oder einem Raum zu entkommen. Mich persönlich störte dabei, dass die Story meistens im Hintergrund stand und es oftmals so wirkte, als hat man Rätsel konstruiert und eben einfach eine Story um diese Rätsel herumgebaut. Dies führte dazu, dass ich die Story eher als belanglos empfunden habe.


Des Weiteren wirkte sich der Zeitdruck negativ auf die Partie aus. Dies ist hier komplett anders. Die Story steht bei „The Awakening“ im Vordergrund und ist für mich ein absolutes Highlight. Und diese Story hat es in sich, weshalb das Spiel auch erst ab 16 Jahren empfohlen wird. Ich möchte mir hier keine pädagogische Meinung anmaßen, ob man das Spiel auch schon mit etwas jüngeren Spielern spielen könnte. Hier müssen Erziehungsberechtigte ihren Weg finden. Die Geschichte ist düster und mysteriös, der Tod und unheimliche Begegnungen stehen im Vordergrund.


Das Spielmaterial und Spielkonzept

Das Cover macht richtig was her und sorgt für Vorfreude und die richtige Stimmung. Innerhalb der Schachtel warten eine beträchtliche Anzahl an Karten, ein Spielplan, einige Aktionsmarker, eine Anleitung und das Storybuch auf den Einsatz. Es reicht die Anleitung einmal kurz zu lesen, da die wesentliche Elemente sich im Rahmen des Spiels selbst erklären.


Der Einstieg in das Spiel erfolgt

über das Storybuch. Nach einer Einleitung, die eine bedrückende Atmosphäre erzeugt, werden wir mitten in das Geschehen geworfen. Wir werden immer aufgefordert einen bestimmten Paragrafen zu lesen, der die Geschichte fortführt und uns Anweisungen gibt. Zu Beginn erfahren wir, in welchem Raum wir uns befinden, erhalten die zugehörigen Raumkarten, die wir auf den Spielplan legen, erhalten eine bestimmte Anzahl an Aktionssteinen und ggfs. noch weitere Karten. Mit Hilfe der Aktionssteine können wir nun den Raum genauer untersuchen. Jedes Feld führt uns dabei zu einem Paragrafen, der die Story weiter vorantreibt und meist ein Rätsel beinhaltet, welches es zu lösen gilt. Zum Aufbau der Rätsel komme ich später in einem gesonderten Absatz.


Problematisch ist, dass es mehr Felder zu erkunden gibt, als wir Aktionssteine zur Verfügung haben. Hierfür gibt es dann die sogenannten Verzweiflungskarten. Dies sind Karten die es uns ermöglichen die Geschichte fortzusetzen, wenn wir keine Aktionsscheiben mehr zur Verfügung haben. Doch Vorsicht ist geboten, denn die Karten beschreiben ein Ereignis und können Einfluss auf den Spielverlauf und das Ende haben. Wir sind nicht gezwungen, den Raum immer komplett zu erforschen. Es gilt jedoch immer einen Ausgang aus dem Raum zu finden. Doch Achtung, wenn man einmal einen Raum verlassen hat, kommt man nicht wieder in diesen zurück.

Das Besondere an „The Awakening“ ist, dass unsere Entscheidungen den Spielverlauf verändern und uns zu anderen Enden führen. Je nach Entscheidung bekommt man als Spieler auch nicht immer die gleichen Räume zu sehen.


Die Rätsel

Neben der dargelegten Fokussierung auf die Story sind es natürlich die Rätsel, die den großen Reiz an diesem Spiel ausmachen.

Rätsel entdecken die Spieler durch Erkundung der einzelnen Räume. Die Karten sind immer durch ein entsprechendes Symbol in der rechten unteren Ecke gekennzeichnet. Zu jedem Rätsel gehören ein- oder mehr Karten und oftmals auch noch der Spielplan oder die Raumkarten. Das Problem ist, dass man es einfach nicht weiß, wie viele Karten benötigt werden, bis das Rätsel gelöst werden kann. Dies ist manchmal sehr frustrierend, denn bei vielen Rätseln war es, zumindest für uns, nicht ersichtlich, was denn hier benötigt wird. Doch man wendet einen klasse Kniff an und nutzt eine Website, die auch offline funktioniert, nachdem diese einmal besucht wurde. Für jedes Rätsel gibt es hier nun die Optionen des Lösens, der Hilfe und die Funktion, sich die Anzahl der benötigten Karten anzeigen zu lassen. Da bei „The Awakening“ der Fokus auf der Story liegt und dieses Spiel nicht dazu gedacht es einfach mal schnell durchzuspielen, kostet es keine Zeitstrafen, wenn man sich dazu entscheidet, eine Hilfe zu nutzen oder die Lösung einfach mal auszuprobieren. Dies ist klasse, da so jeder Spieler für sich entscheiden kann, wie viel Hilfe genutzt werden soll, ohne dass eine Bestrafung erfolgt. Diese Zeitstrafen haben mich bei den Exit oder Escape Spielen immer sehr geärgert. Wir persönlich haben des Öfteren die Hilfe bzgl. der Anzahl an Karten, die zu diesem Rätsel gehören, genutzt.


Neben den Rätseln gilt es auch immer wieder Entscheidungen zu treffen, die den Spielverlauf ändern. Diese Entscheidungen sind harter Tobak und werden für einige Diskussionen am Spieltisch sorgen und machen den nächsten großen Reiz des Spiels aus.

Die Schwierigkeit der Rätsel ist schwankend. So gibt es Rätsel, da springt einen die Lösung mit dem Aufdecken der Karten quasi an, es gibt Rätsel, die sich dem Spieler nach und nach erschließen und es gibt auch die Rätsel, wo einfach eine Hilfe benötigt wird. Hier spielt auch die Erfahrung, die mit Spielen dieser Art gesammelt wurde, eine Rolle. Da die Zeit hier keine Bedeutung hat, kann sich der Spieler zum Lösen der einzelnen Rätsel Zeit nehmen.


Aus meiner Sicht wird eine Erstpartie in jeder Gruppenkonstellation zwischen 4 und 6 Stunden dauern. Man ist nicht gezwungen, das Spiel in einem Rutsch zu spielen, sondern kann den Spielstand jederzeit „speichern“ und an einem anderen Tag weiterspielen.

Welche Gruppenkonstellation nun am besten ist, ist schwer zu beurteilen. Ich persönlich mag es nicht, solche Spiele mit mehr als 2 Personen zu spielen.


Der Widerspielwert

Ja, dieser ist prinzipiell vorhanden, da es 7 unterschiedlichen Enden gibt und es außerdem wohl nicht gelingen wird bzw. nicht gelingen kann, in einem Durchgang alle Rätsel zu entdecken. Meine Frau und ich haben für unsere Erstpartie circa 6 Stunden gebraucht und haben 7 Rätsel nicht entdeckt.

Nun kann man natürlich einen zweiten oder auch dritten Durchgang absolvieren, um andere Entscheidungen zu treffen und so ein alternatives Ende zu erspielen oder sich auf die Suche nach den restlichen Rätseln begeben. Die Spieldauer sinkt natürlich rapide, da die Lösung zahlreiche Rätsel nun bekannt ist und die Lösung einfach eingeben werden kann. Ob man nun Spaß an einer zweiten oder dritten Runde hat ist wohl typabhängig. Zu Testzwecken habe ich es gemacht. Jedoch empfinde ich bei dieser Art von Spielen dabei deutlich weniger Spaß und bei mir wird es wohl bei den nächsten Spielen bei einer Partie bleiben.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei einem derzeitigen Preis des Spiels mit 25 Euro sehr gut. Und es bleibt ja auch immer noch die Möglichkeit nach dem Spielen das Spiel an einen begeisterten Freund weiterzugeben oder es zu verkaufen.


Fazit

„Escape Tales – The Awakening“ ist ein klasse Rätselspiel, welches den Fokus klar auf die düstere und mysteriöse Geschichte legt und den Spieler dabei komplett in den Bann zieht. Mir gefällt es, dass man sich einer solchen Thematik widmet und es gelingt wirklich, dass man als Spieler mit Samuel wirklich leidet und man alles dran setzen möchte, um ihm zu helfen, damit er nicht noch einen Schicksalsschlag erleiden muss, Doch dies ist gar nicht so einfach und traurig ist man, wenn das Spiel dann kein Happy End hat.


Besonders gefällt mir außerdem, dass ich nicht um einen Zeitrekord kämpfen muss, sondern mich dem Geschehen ganz hingeben kann und mir bei meinen Entscheidungen Zeit lassen kann. Im Vergleich zu den verwandten Spielen wie "Exit" oder "Unlock!" belegt diese Reihe in meiner persönliche Topliste den ersten Platz.

Ich hoffe sehr, dass diese Reihe viele Fans finden wird, damit wir mit weiteren Abenteuern rechnen können.


Als auf geht es „Löst die Rätsel – Erlebt die Geschichte“.


Bewertung:

+ geniale Story

+ gute Rätsel

+ Widerspielwert gegeben


GAMING WOLVES

Hallo zusammen.

Wir sind Nina und Tim und gemeinsam sind wir die Gaming Wolves.

In unserem Blog rezensieren wir aktuelle aber auch ältere Spiele, schreiben Kolumnen und Berichten über News aus der Welt der Brettspiele. Wir hoffen, dass wir euch mit unseren Artikeln eine schöne Auszeit geben können und diese für euch als Entscheidungsfindung dienen werden.

Wenn ihr Fragen, Wünsche, Anregungen oder Kritik habt, dann kontaktiert uns gerne.

Und nun wünschen wir euch viel Spaß!

Eure Gaming Wolves

Nina & Tim

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