• Tim Nau

Im Schatten der Pagode - Board Game Circus

Im Schatten der Pagode

„Im Schatten der Pagode“, in der deutschen Version bei Board Game Circus erschienen, ist ein Ressourcen-Management-Spiel mit Multi-Use-Cards-Mechanismus für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren von Martin Dolezal.



Im Schatten der Pagode, die zu Ehren der vier Gottheiten errichtet wurde, ist es unsere Aufgabe, den schönsten Garten zu errichten. Wem dies gelingt, der wird den Thron besteigen und genießt die Gunst der Gottheiten.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Highlight des Spiels und auf dem Tisch ein echter Eye-Catcher ist die ca. 35 cm hohe und auch noch bewegliche 3D-Pagode. Nachdem der Zusammenbau einmal erledigt wurde, müssen vor einem Spiel nur noch die Etagen aufeinandergesetzt werden. Auch das weitere Material kann überzeugen. Die Pappmaterialien haben eine klasse Dicke und die Ressourcenmarker eine unterschiedliche Form. Toll sind auch die Karten, die sich gut anfühlen und mit einer schönen Illustration überzeugen.

Das tolle Inlay verdient natürlich auch eine Erwähnung – ein super Service, wenn man weiß, wo man alles verstauen kann. Besonders gefällt mir der Einsatz für die Ressourcen, den man herausnehmen und auf den Tisch stellen kann.


Die Anleitung ist sehr verständlich geschrieben und Fragen bleiben keine offen.


Das Spielsystem

Das Spielsystem ist super einfach und schnell verstanden. Auch der Aufbau dauert keine 5 Minuten, so dass zügig mit dem Spiel begonnen werden kann.


Eine Partie „Im Schatten der Pagode“ verläuft über eine nicht festgelegte Anzahl an Runden. Zu Beginn seines Zugs hat man immer 5 Handkarten auf der Hand und muss mit diesen 3 Aktionen durchführen. Wichtig ist, dass ihr innerhalb eures Zuges eine Aktion auch mehrfach durchführen dürft. Bevor wir zu den Aktionen kommen, möchte ich euch kurz den Aufbau der Karten vorstellen, da alle Aktionen mit diesen durchgeführt werden.


Links oben befindet sich das Symbol der Gottheit. Dies zeigt euch auf welcher Leiste ihr nach Fertigstellung vorrücken dürft. Links daneben ist die Panoramafarbe. Die Anzahl der Punkte ist identisch mit der Anzahl an Karten, die ihr benötigt, um das Panorama fertigzustellen. Der dicke Punkt ist die Nummer dieses Panoramateils. Unterhalb der Gottheit befindet sich immer das Handkarrensymbol. Dieses ist für die Aktion „Ressourcen neu verteilen“. Rechts daneben zeigt die Karte entweder ein Pagodensymbol für die Aktion „Pagode drehen und Ressourcen sammeln“ oder das Jokersymbol für die Aktion „Beliebige Ressource nehmen“. Unten auf der Karte sind die Ressourcen ersichtlich die abgegeben werden müssen, um die Karte auf die Landschaftsseite drehen zu dürfen.


Ihr habt die Auswahl zwischen 4 unterschiedlichen Aktionen.


So könnt ihr 1 Handkarte mit der Bauseite nach oben in euren Garten legen. Diese Karte wollt ihr zu einer Landschaftskarte machen. Wichtig ist, dass ihr von jeder Farbe nur ein Panorama in eurem Garten haben dürft, dass nicht mehrmals das gleiche Teil eines Panoramas ausgelegt werden darf und das ihr nicht mehr als drei offene Karten ausliegen haben dürft.


Die zweite Aktion ist das Drehen der Pagode und das anschließende Sammeln von Ressourcen. Ausschlaggebend ist immer der euch zugewandte Teil der Pagode. Hierzu müsst ihr eine Karte mit dem Pagodensymbol abwerfen, anschließend das schwarz markierte Stockwerk um 90 Grad nach rechts oder links drehen und dann die Ressourcen in der auf der abgeworfenen Karte angegebenen Pfeilrichtung einsammeln. Eingesammelte Ressourcen kommen in euer Lager. Doch hier müsst ihr aufpassen und euer Drehen sowie Sammeln genau planen. Ihr müsst nämlich immer alle angezeigten Ressourcen nehmen und das auch noch in der Pfeilrichtung. Müsst ihr, zum Beispiel, von oben nach unten nehmen, und oben sind drei Wasser angezeigt, dann müsst ihr als erstes die drei Wasser nehmen und dürft erst anschließend die darunterliegenden Ressourcen nehmen. Darüber hinaus dürft ihr maximal 4 Ressourcen (mit dem entsprechenden Bonusplättchen 5) in eurem Lager haben. Das heißt, selbst wenn auf der euch zugewandten Seite 12 Ressourcen zu sehen wären, dürftet ihr maximal euer Lager vollmachen.


Zeigt eure Karte ein Jokersymbol, so könnt ihr diese abwerfen, euch eine Ressource eurer Wahl nehmen und diese entweder auf eine Karte oder in euer Lager legen. Nutzt diese Karte unbedingt, denn nur so könnt ihr euch eine Ressource eurer Wahl nehmen und diese auch noch sofort auf einer Baukarte platzieren.


Die letzte Aktionsmöglichkeit und von dieser werdet ihr sehr oft Gebrauch machen, ist die Neuverteilung von Ressourcen. Dazu werft ihr einfach irgendeine Karte ab. Nun könnt ihr beliebig viele eurer Ressourcen hin und her verschieben. Achtung: Dies ist die einzige Möglichkeit, um Ressourcen wieder in den allgemeinen Vorrat zu bekommen. Macht das unbedingt, um wieder Lagerplatz zu haben.


Sobald ihr die Bauvorgaben erfüllt habt, dürft ihr diese Karte auf die Landschaftsseite drehen. Sie ist jetzt fertig und Teil eines Panoramas. Entsprechend des Symbols der Gottheit rückt ihr sofort euren Gunstmarker um ein Feld nach vorne. Nun folgt noch ein besonderer Kniff. Ihr dürft nämlich die Gunstmarker aller bereits fertiggestellter Landschaftskarten, die zu demselben Panorama gehören, ebenfalls vorrücken. Liegt euer Gunstmarker bereits auf Feld 10, so schiebt alle anderen Gunstmarker auf dieser Leiste um ein Feld nach hinten. Befindet sich ein Gunstmarker bereits auf dem letzten Feld, so wird dieser für den Rest der Partie von der Gunstleiste genommen.


Vervollständigt ihr ein Panorama, so gibt es als Belohnung noch eines von drei Bonusplättchen. Jedes Plättchen dürft ihr nur einmal besitzen.


Am Ende eures Zugs zieht ihr dann Karten, entweder vom Nachziehstapel oder der offenen Auslage, nach. Ich würde empfehlen nach der Variante der Anleitung zu spielen. In dieser wird die offene Auslage sofort wieder aufgefüllt, wenn ihr eine Karte genommen habt.


Das Spielende wird ausgelöst, sobald einer der Spieler eine bestimmte Anzahl an Landschaftskarten fertiggestellt hat. Wer nun die meiste Gunst hat, gewinnt die Partie.


Die optimale Spielerzahl

Konzipiert ist das Spiel für 2 bis 4 Spieler. Die einzige Spielanpassung in Bezug auf die Spielerzahl ist die Anzahl der fertigzustellenden Landschaftskarten, die das Spielende auslösen.


Rein vom Spaßfaktor gibt es eigentlich keinen Unterschied in der Spielerzahl. Je mehr Spieler es sind desto weniger kann man allerdings seinen eigenen Spielzug planen, da ein einziges Drehen der Pagode alles verändert. Dies führt natürlich zu einer Verlängerung der Downtime. Doch in meinen Partien hat diese niemals ein unerträgliches Maß erreicht.


Fazit

„Im Schatten der Pagode“ überzeugt mit einem sehr eingängigen und vor allem zugängigen Spielmechanismus, der das Spiel auch für Familienspieler interessant macht. Diese sollten allerdings über ein wenig Spielerfahrung verfügen, da in dem Spiel mehr Taktik steckt, als man zunächst vermuten würde und auch die Herangehensweisen unterschiedlich sein können.


So müsst ihr euch bereits zu Beginn die Frage stellen, auf welches Panorama ihr denn als erstes gehen möchtet. Lieber ein kleineres, um schnell ein Bonusplättchen abzugreifen oder vielleicht doch ein größeres, damit ihr schneller auf den Gunstleisten vorschreiten könnt und dadurch Druck auf eure Gegenspieler ausübt?


Vor allem sind immer alle Entscheidungen mit Blick auf die eigenen Positionen auf der Gunstleiste zu treffen. Hier sind auch unterschiedliche Herangehensweisen möglich. So könnt ihr schnell auf einer Leiste „vorpreschen“ und versuchen Gegner von der Leiste zu verdrängen (ein Umstand, den ihr unbedingt vermeiden solltet da es dann 0 Punkte auf der Leiste gibt) oder zunächst kontinuierlich auf allen Leisten nach vorne gehen.


Auf die Gunstleisten bezieht sich auch mein größter Kritikpunkt am Spiel. Es gibt lediglich Punkte für die Gunst auf den Leisten und die Bonuspunkte aufgrund der Gunstplättchen. Wenn man hier nicht wirklich schlecht spielt, wird sich niemals ein eindeutiges Ergebnis ergeben. Die Abstände zwischen den einzelnen Spielern sind immer nur ganz wenig Punkte. Das kann für Unzufriedenheit sorgen.

Generell ist es in diesem Spiel so, dass eigentlich immer alle Spieler, zumindest annähernd, gleichauf liegen. Ich habe kein Spiel gespielt, wo einer der Spieler bei Auslösung des Spielendes mehr als 2 fertiggestellte Landschaften weniger hatte. Mit diesem Umstand muss man leben können.


Mitunter war es in meinen Partien immer so, dass sich das Spiel am Ende dann doch ein wenig gezogen hat und wir dann die Auslösung des Spielendes an weniger fertigzustellende Landschaften geknüpft haben.


Ich persönlich finde den Ressourcen-Sammel-Mechanismus sehr interessant. Gleichzeitig kann ich mir aber auch vorstellen, dass er auf andere Spieler unbefriedigend wirkt. Mit Bonusplättchen stehen euch nun einmal maximal 5 Lagerplätze zur Verfügung. Die Ressourcen müsst ihr aber in der vorgegebenen Reihenfolge nehmen. So kommt es eben oft vor, dass ihr theoretisch 8 Ressourcen nehmen dürft aber nur drei Lagerplätze zur Verfügung habt und von den Ressourcen nur 2 benötigt. Mit diesem Umstand muss man leben können. Ich persönlich mag die Aufgabe mit meinen Karten und der Pagode mein Spiel zu optimieren.


Insgesamt macht das Spiel Spaß und erhält eine Empfehlung.



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