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  • Tim Nau

Praga Caput Regni - Delicious Games

Praga – Caput Regni

Praga – Caput Regni“, bei Delicious Games erschienen, ist Euro-Spiel mit Aktionswahl-Mechanismus für 1 bis 4 Spieler von Vladimir Suchy.

Wir sind wohlhabende Bürger im mittelalterlichen Prag und wollen König Karl beeindrucken, indem wir beim Ausbau der Stadt mithelfen.


Ein Blick in die Spieleschachtel

Das Spielmaterial geht absolut in Ordnung und in der Schachtel befindet sich wirklich viel davon - ja, man kann sogar sagen, dass es eine ganz schöne Materialschlacht ist. Sortiert das alles unbedingt sauber in Tüten. Mit ein wenig Mühe bekommt ihr es dann auch alles, sogar ohne die Hungermauer und den Dom zu zerlegen, in die Schachtel. Mein persönliches Highlight sind die Double-Layer-Spielertableaus, die wirklich klasse aussehen. Die Plättchen sind aus super dicker Pappe und auch die weiteren Pappteile haben eine klasse Qualität. Der Zusammenbau der Hungermauer, des Doms und der Karlsbrücke funktioniert reibungslos. Diese dreidimensionale Gestaltung macht optisch echt was her. Für den Preis des Spiels ist das alles absolut top.

Die Anleitung ist verständlich geschrieben. Allerdings muss man diese schon ein zweites Mal lesen und am besten schaut man sich auch noch ein YouTube-Video an.


Das Aktionsrad als zentrales Element

Tatsächlich möchte ich heute nicht mit dem Spielsystem anfangen, sondern mit dem Aktionsrad, welches das zentrale Spielelement ist und mit interessanten Besonderheiten punkten kann.


Zu Beginn des Spiels legt ihr 6 Aktionsplättchen auf die ersten 6 Felder. Fangt am besten mit der Seite A an, da diese den Einstieg erleichtert. Hier ist jedes Plättchen zweimal vorhanden. Später kann dann auch die B-Seite verwendet werden. Hier ist die Aktionsanordnung anders, was das Spielerlebnis etwas asymetrischer werden lässt. Ich persönlich finde aber nicht, dass dies jetzt eine gravierende Änderung darstellt und man seine Spieltaktik in irgendeiner Art und Weise anpassen muss. Vermischen dürft ihr allerdings nicht – ihr müsst entweder mit der A- oder der B-Seite spielen.


Jedem Plättchen an sich sind immer zwei Aktionen zugeordnet, von denen ihr eine aussuchen könnt, nachdem ihr euch das entsprechende Plättchen genommen habt. Doch zwei Faktoren machen das System des Aktionsrads so interessant.


Es gibt nämlich drei Bereiche, in denen die Aktionsplättchen liegen können. In einem Bereich nehmt ihr das Plättchen einfach, wohingegen es einen Bereich gibt, wo ihr für das Nehmen Gold bezahlen müsst und einen Bereich gibt es auch, wo ihr aufgrund des Nehmens des Plättchens noch Siegpunkte erhaltet. Je länger ein Plättchen nicht genommen wurde, desto eher wandert es in den Bereich, indem es Siegpunkte gibt. Das ist ein klasse System und wird eure Entscheidung immer mitbeeinflussen.


Der nächste geniale Faktor ist es, dass jedem Slot noch ein Bonus zugeordnet ist. Diesen Bonus könnt ihr vor oder nach der Durchführung eurer eigentlichen Aktion nutzen und auch diese Entscheidung ist essentiell für eure Aktionswahl.


Nach Durchführung eurer Aktion dreht ihr das Rad einfach um einen Slot weiter und legt euer Plättchen in das nun freigewordene Feld. Dadurch verändern sich natürlich auch immer die zu einem Plättchen gehörende Bonusaktion.


Toll ist auch der Rundenmechanismus. Im Aktionsrad befindet sich ein kleiner Würfel. Sobald das Rad eine bestimmte Stelle überschreitet, fällt der Würfel in eine Vertiefung und das Rad kann nicht weitergedreht werden. Dies ist dann das Zeichen, dass der Rundenmarker vorzusetzen ist.


Das Spielsystem

Schauen uns wir nun das Spielsystem im Überblick an. Aufgrund der Komplexität werde ich die einzelnen Aktionen nur sehr kurz darstellen und versuchen euch einen Gesamtüberblick zu geben, damit ihr entscheiden könnt, ob das Spiel etwas für euch ist.


Zunächst einmal solltet ihr ordentlich Platz auf eurem Tisch haben, da das Spiel diesen gut füllt. Der Aufbau nimmt auch immer noch ein wenig Zeit in Anspruch.


Wie dargelegt, nehmt ihr euch ein Aktionsplättchen und könnt dann eine der beiden Aktionen durchführen. Schauen wir uns die Aktionen kurz an.


Die beiden zentralen Ressourcen sind Gold und Stein. Die Aktionen Minen ausbeuten und Steinbrüche ausbeuten, gleichen sich. Ich werde zur Darstellung der Möglichkeiten jetzt einfach von Gold sprechen. Nehmt ihr ein Aktionsplättchen mit dieser Möglichkeit könnt ihr entweder ein Gold nehmen und die Goldmine um 1 erhöhen oder Gold produzieren. Im Falle des Produzierens, erhaltet ihr Gold in Höhe der Anzahl, die links von der momentanen Position eures Cubes angegeben ist, sowie die Boni darüber und, im Falle eines Produktionsplättchens auch noch den entsprechenden Bonus.


Ihr erhöht das entsprechende Rad einfach um die Anzahl. Überschreitet ihr dabei das erste Mal die Zahlen 5 und 8, nehmt euch den entsprechenden Cube und den darunter abgebildeten Bonus. Der Cube steht euch jetzt zur Markierung von Häusern zur Verfügung. Erreicht ihr die Maximalkapazität erwerbt ihr das Anrecht auf eines der 5 Siegel, welche euch zusätzliche Siegpunkte am Spielende bringen. Wollt ihr euch noch nicht entscheiden oder könnt die Kosten für das gewünschte Siegel momentan nicht bezahlen, dürft ihr das Siegel auch später in Anspruch nehmen. Allerdings darf jedes Siegel nur einmal beansprucht werden. Zögert mit der Entscheidung daher nicht zu lange.


Schauen wir uns nun die Plättchen in der Mitte rechts an. Dies sind die Plättchen zum Aufwerten sowie die Plättchen zum Mauer- und Häuserbau. Ungefähr in der Mitte des Spiels werden die Plättchen der Ära 1 gegen die der Ära 2 ausgetauscht.


Hier liegen immer 4 Plättchen jeder Gruppe. Das Plättchen ganz rechts könnt ihr nur nehmen, wenn ihr die entsprechende Aktion in Kombination mit der Bonusaktion durchführt, die es euch erlaubt, dieses Spezialplättchen zu nehmen. Die anderen 3 Plättchen könnt ihr „normal“ erwerben, wenn ihr die entsprechende Aktion ausführt.


Mauer- und Häuserplättchen kosten euch Ressourcen, wohingegen Aufwertungsplättchen nichts kosten. Aufwertungsplättchen legt ihr auf euer Aktionstableau auf die entsprechende Aktion, Mauern platziert ihr um das Aktionstableau herum und Häuser baut ihr in Prag. Aufgedruckte Boni erhaltet ihr sofort.


Bei der Platzierung solltet ihr immer auf einen möglichen Ecken- und Nachbarschaftsbonus achten.


Aufwertungsplättchen platziert ihr einfach auf der entsprechenden Aktion und von nun an erhaltet ihr immer den aufgedruckten Bonus, wenn ihr die aufgewertete Aktion nutzt. Dies ist eine gute Gelegenheit, um kurz auf die Universitätsleiste zu sprechen zu kommen. Für Plättchen der Ära 1 macht ihr auf dieser Leiste einen Schritt und für Plättchen der Ära 2 sogar 2 Schritte. Diese Leiste ist ebenfalls von spielentscheidender Bedeutung, da sie am Spielende als Multiplikator fungiert. Ihr solltet auf alle Fälle versuchen, ein Feld mit Siegpunkten zu erreichen. Je nach erreichtem Feld wird dann nämlich der Wert – 1, 2 oder 3 – mit der erreichten Stufe auf der Technologieleiste multipliziert. Die Technologieleiste ist die Leiste direkt neben der Universitätsleiste.


Mauern platziert ihr um euer Aktionstableau herum. Je nach Anzahl erhaltet ihr am Spielende zusätzliche Siegpunkte.


Häuser baut ihr in Prags Alt- oder Neustadt. Wollt ihr in der Altstadt bauen, kostet dies noch was. Dafür erhaltet ihr mit Bau noch zusätzliche Siegpunkte. Eure Häuser platziert ihr immer um irgendeinen Marktplatz. Wenn euer Gebäude Platz für einen Würfel hat, platziert ihr einen darauf und habt nun Anrecht auf den Marktplatzbonus der ausgeschüttet wird, sobald der Marktplatz komplett umschlossen ist. Hat das Gebäude keinen Platz für einen Würfel, erhaltet ihr sofort Siegpunkte entsprechend der Anzahl der Gebäude, die aktuell an diesem Marktplatz angrenzen – das gerade gebaute Gebäude zählt hierbei mit.

Hungermauer und Dom als schöne 3-D-Elemente

Der Bau von Häusern und Mauern wirkt sich auch auf euren Fortschritt bei der Hungermauer und beim Dom aus. Wenn sich auf eurem Mauer-Plättchen das Hungermauer-Symbol befindet, rückt ihr ein Feld seitwärts weiter. Genauso verhält es sich beim Dom, wenn sich ein Dom-Symbol auf eurem gerade gebauten Häuser-Plättchen befindet. Des Weiteren sind bei der Hungermauer und dem Dom noch Bewegungen nach oben möglich, die allerdings zu bezahlen sind. Am Spielende erhaltet ihr einmal Punkte für die Höhe und einmal Punkte für eure Bewegung seitwärts. Für die Punkte seitwärts sind eure gesammelten Eckenbonus-Marker von Interesse, da die entsprechende Anzahl mit den Siegpunkten der Spalte multipliziert wird. Dies ist ein spielentscheidendes Element und hier solltet ihr eure Strategie frühzeitig festlegen.


Des Weiteren besteht für euch noch die Möglichkeit am Königsweg mit zubauen. Bei Nutzung der Aktion rückt ihr eure Figur einfach auf das nächste Feld mit eurer Farbe. Links vom Feld sind zwei Boni angegeben. Einer der beiden Effekte benötigt allerdings ein Ei. Schaut euch daher die Effekte immer vorher an und entscheidet, wann ihr vorrücken wollt. Rückt ihr das vierte Mal – Achtung, um dies zu tun müsst ihr ein Ei abgeben - vor, steht ihr genau vor der Karlsbrücke. Ihr zieht nun drei Brückenplättchen, entscheidet euch für eins davon und legt dies als Planke auf die Brücke. Sofort erhaltet die Boni der nun abgedeckten Felder und den Bonus, der auf eurem Plättchen abgedruckt ist. Das fünfte Feld, auch hier müsst ihr ein Ei abgeben, liegt genau auf der Karlsbrücke. Jetzt dürft ihr euch eines der goldenen Plättchen nehmen, dies als Planke auf die Brücke legen und eure Figur auf dieses stellen. Ihr erhaltet sofort den Bonus der abgedeckten Felder. Das goldene Plättchen ist für die Schlusswertung interessant.



Nachdem jeder Spieler 16 Aktionen (natürlich ohne eventuell durchgeführte Zusatzaktionen) endet das Spiel und es kommt zur entscheidenden Schlusswertung.


Die optimale Spielerzahl

Konzipiert ist das Spiel für 1 bis 4 Personen. Auf den Solo-Modus gehe ich kurz gesondert ein.


Auf die Anzahl der Spieler hat die Spielmechanik keinen Einfluss was dazu führt, dass sich Praga in jeder Konstellation gleich gut spielt. Klar muss einem nur sein, dass die Spielzeit mit jedem einzelnen Spieler zunimmt. Insbesondere dann, wenn man mit einem wirklichen Optimierer spielt, kann die Spieldauer enorm steigen.


Auch alleine habe ich das Spiel gespielt und es macht großen Spaß. Klar muss einem nur sein, dass es eine reine Punktejagd ist und ihr nicht gegen einen Gegner spielt. Am Ende eures Zuges nehmt ihr lediglich das am weitesten vorn liegende Plättchen und legt es nach den üblichen Regeln wieder auf das Aktionsrad zurück. Wem eine reine Punktejagd Freude macht, dem lege ich es sehr ans Herz, mal eine Partie zu testen. Laut Anleitung ist alles über 140 Punkte recht gut. Ich muss sagen, dass ich diese Anzahl schon recht beachtlich finde – vielleicht bin ich aber auch einfach nicht gut genug.


Zeitlich benötigt ihr zumindest dann, wenn ihr im Spiel komplett drin seid, keine 30 Minuten für eine Solo-Partie.


Fazit

Praga hat mich restlos überzeugt und auch jetzt noch freue ich mich auf jede Partie.


Zunächst einmal muss man sagen, dass die optische Gestaltung wohl nicht jedermanns Sache ist. Ja, es hat schon den Charakter eines Wimmelbildes und im ersten Moment wird man ein wenig erschlagen und fragt sich, wie man sich denn zurechtfinden soll. Dafür benötigt man auf jeden Fall auch eine Partie. Unterstützt wird man dabei durch eine wirklich hervorragende Ikonografie, die absolut selbsterklärend ist.


Klar muss einem sein, dass es sich hier um ein echtes Kennerspiel handelt, welches unheimlich tiefe Verzahnungen bietet. Diese werden Einsteiger zunächst überfordern. Kennerspieler werden sich hier aber pudelwohl fühlen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, um Punkte zu sammeln und das Spiel geizt dann auch nicht mit Siegpunkten. Zu jedem Zeitpunkt muss man immer konzentriert sein, denn es stehen lediglich 16 Aktionen zur Verfügung und hier gilt es genau vorauszuplanen, um zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Ressourcen zu haben. Dennoch ist dieses Spiel, zumindest in den meisten Fällen, kein Mangelspiel und manchmal wird man sogar mit Belohnungen überschüttet bzw. es sind klasse Kettenreaktionen möglich. Dies gilt es aber auch genau zu managen, um das Maximum herauszuholen und effektiv zu arbeiten. Das alles macht das Spiel ganz stark.


Insgesamt ist Praga ein echtes Highlight und eine ganz klare Empfehlung. Mir persönlich hat es sogar von der reinen Spielweise her besser gefallen als Underwater Cities.



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