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  • Tim Nau

Terra Nova - Kosmos

Terra Nova – Das familienfreundliche Terra Mystica

„Terra Nova“, vom Kosmos Verlag, ist ein Strategiespiel, basierend auf dem Spiel Terra Mystica, für 2 bis 4 Spieler von Andreas Faul.

Mit unserem Volk wollen wir uns ausbreiten. Doch dafür müssen wir viele Flächen erst einmal für uns bewohnbar machen...


Ein Blick in die Spieleschachtel

Die Spieleschachtel ist komplett gefüllt und das Material hat eine tolle Qualität. Sämtliches Pappmaterial ist super dick und das Holzmaterial für jeden einzelnen Spieler sehr schön gestaltet. Allerdings hätte man 4 Aktions-Übersichtskarten statt 2 in die Schachtel packen können.

Sonderlob erhält die Anleitung. Exakt so muss eine Anleitung aussehen. Viele Bilder und klasse Beispiele. Fragen bleiben keine offen.


Das Spielsystem

Das grundlegende Spielsystem ist sehr einfach gehalten und auch der Aufbau gestaltet sich sehr unkompliziert.


Zunächst einmal solltet ihr euch mit den zur Verfügung stehenden Völkern beschäftigen, damit ihr euren Mitspielern die jeweiligen Fähigkeiten gut erklären könnt. Zu Unterscheidungen kommt es hier immer bei der generellen Fähigkeit des Volks und bei den Fähigkeiten, die euch zur Verfügung stehen, wenn ihr Paläste baut. Die Ausbalancierung der unterschiedlichen Fähigkeiten ist sehr gut gelungen. Für die erste Partie enthält die Anleitung einen Vorschlag. Aus meiner Sicht müsst ihr diesem aber nicht folgen, sondern könnt, ebenso wie bei der Platzierung der ersten Häuser, frei entscheiden.

Die Völker-Tableaus sind einfach toll und super übersichtlich!!!

Das Spiel an sich gliedert sich mit der Einkommens-, der Aktions- und der Rundenendephase in nur drei Phasen.


Zunächst einmal kommt es zur Einkommens-Phase, die von allen Spielern parallel durchgeführt werden kann. In den ersten Spielen oder bei Unsicherheiten solltet ihr dies einfach gemeinsam tun, da diese Phase wenig Zeit in Anspruch nimmt. Hier erhaltet ihr Geld und/oder Macht. Ihr schaut einfach auf eurem Völker-Tableau und dem gewählten Vorteils-Plättchen nach der geöffneten Hand und addiert diese dann.


Die Aktions-Phase ist nun das eigentliche Herzstück des Spiels, Nacheinander führt ihr immer eine Aktion aus und anschließend ist dann der nächste Spieler an der Reihe. Dies wird solange fortgesetzt, bis alle Spieler gepasst haben.


Schauen wir uns gemeinsam die möglichen Aktionen in einem kurzen Überblick an.


Da ihr euch mit eurem Volk auf der Karte ausbreiten möchtet, ist die Aktion „Bewohnbar machen und bauen“ die Aktion, die ihr am häufigsten durchführen werdet. Dies auch deshalb, weil ihr zunächst ein Haus bauen müsst und dieses dann, im Rahmen einer anderen Aktion, aufwerten könnt. Bevor wir uns diese Aktion ein wenig genauer anschauen ist es wichtig, sich über zwei Begriffe im Klaren zu sein. Dies sind die Begriffe Nachbarschaft und Reichweite.


Benachbart sind die Felder, die direkt aneinander angrenzen oder mit einer Brücke verbunden sind. Brücken könnt ihr durch eine andere Aktion bauen. Im Unterschied dazu befinden sich die Landschaftsfelder in Reichweite, die ihr über euren Schifffahrtswert erreichen könnt. Dieser Wert gibt an, wie viele Flussfelder zwischen den Landschaftsfeldern liegen dürfen. Auch diesen Wert könnt ihr erhöhen.

Jedes Volk ist auf einem Landschaftstypus beheimatet und kann auch nur auf entsprechenden Feldern seine Gebäude errichten. Um bauen zu können, muss sich das gewünschte Feld in Reichweite befinden und ihr müsst die Landschaft für euch zunächst bewohnbar machen, wenn es sich nicht um euer Heimatgebiet handelt. Dazu benötigt ihr, je nach Gebietstyp, immer ein oder zwei Spaten. Jeder Spaten kostet 6 Geld. Habt ihr das Feld bewohnbar gemacht legt ihr anschließend ein Plättchen mit eurer Heimatlandschaft auf das Feld und dürft dann sofort ein Haus bauen. Grundsätzlich schaltet ihr mit dem Bau eines jeden Gebäudes neues Einkommen frei. Ihr müsst beim Bau immer das am weitesten links auf dem Tableau stehende Haus nehmen.


Gebäude aufwerten ist ebenfalls eine sehr oft genutzte Aktion. So wertet ihr ein Haus zu einem Kontor und ein Kontor zu einem Palast auf. Das Gebäude, welches ihr durch das neue Gebäude ersetzt, müsst ihr wieder auf euerem Tableau auf das am weitesten rechts gelegene freie Feld stellen.


Dann wäre da noch die Aktion Schifffahrt verbessern welche, wie oben dargelegt, für eure Reichweite von großer Bedeutung ist. Des Weiteren gibt euch jede Verbesserung auch sofort Siegpunkte.


Die Aktion „Brückenbau“ ermöglicht euch den Bau einer Brücke. Voraussetzung für eine Brücke sind zwei gegenüberliegende Brückenköpfe.


Auf einem Vorteils-Plättchen befinden sich außerdem noch eine Sonderaktion, die ihr kostenlos nutzen dürft. Des Weiteren schaltet ihr, je nach Volk, Sonderaktionen durch den Palastbau frei.

Aus meiner Sicht elementar wichtig sind die zur Verfügung stehenden Machtaktionen. Jede dieser Aktionen darf nur einmal pro Runde durchgeführt werden und daher solltet ihr diese schnell nutzen. Bezahlen müsst ihr diese Aktionen mit Macht. Ich komme im nächsten Abschnitt gesondert auf den Machtkreislauf zu sprechen. So könnt ihr Brücken bauen, eure Schifffahrt verbessern, Geld erhalten oder bewohnbar machen und bauen mit einem oder zwei kostenlosen Spaten durchführen.


Zum Spiel mit der Macht

Schauen wir uns als erstes den Machtkreislauf kurz gemeinsam an. Der Kreislauf besteht aus 3 Schalen.


Wenn ihr Macht erhaltet, müsst ihr grundsätzlich immer zunächst Macht von Schale 1 in Schale 2 und wenn Schale 1 leer ist, von Schale 2 in Schale 3 verschieben. Für Aktionen, die Macht verbrauchen, steht euch nur die Macht zur Verfügung, die sich bereits in Schale 3 befindet. Wenn ihr diese ausgebt, verschiebt ihr die entsprechende Anzahl an Steinen in die Schale 1.


Doch wie erhält man die so dringend benötigte Macht? Macht erhaltet ihr, zum Beispiel, als Einkommen. Doch auch durch andere Spieler erhaltet ihr Macht. Nämlich immer dann, wenn diese auf einem Feld, welches benachbart zu eurem liegt, ein neues Haus bauen oder ein Gebäude aufwerten. Beachtet immer, dass überzählige Macht verfällt. Erhaltet ihr also Macht und alle Steine befinden sich bereits in Schale 3, verfällt diese. Es gibt aber die Aktion „Machttausch“, die ihr in Phase 2 (vor und/oder nach der Aktion) sowie in Phase 3 (Rundenende) durchführen könnt. Ihr schiebt einfach die gewünschte Anzahl an Macht-Steinen von Schale 3 in Schale 1 und erhaltet je Stein eine Münze. Rechnet also insbesondere am Rundenende immer aus, wieviel Macht ihr in der Einkommensphase erhaltet, um hier nichts zu verschenken.


Die Stadtgründung

Ein wesentlicher Punkt des Spiels ist die Gründung einer Stadt, da ihr dadurch ein Stadtplättchen erhaltet, welches euch einen klasse Bonus liefert. Zu einer Stadtgründung kommt es automatisch dann, wenn ihr über mindestens 4 zueinander benachbarter Gebäude verfügt, deren Stadtwert insgesamt mindestens 7 ergibt. Über die Sonderaktion einiger Völker, nach dem Bau eines Palastes, reduziert sich der Stadtwert auf 6. Nach Gründung dürft ihr euch eines eurer 4 Stadtplättchen aussuchen und erhaltet den Bonus.


Wichtig ist es, dass es zu einer Gründung einer neuen Stadt nur kommt, wenn diese nicht benachbart zu einer bereits gegründeten Stadt liegt. Errichtet ihr ein Gebäude benachbart zu einer bereits gegründeten Stadt erweitert ihr lediglich dieseStadt. Habt ihr hingegen zwei Städte gegründet und verbindet diese dann, behalten beide Städte ihren Stadtstatus.


So könnt ihr im Laufe des Spiels maximal 4 Städte gründen, was ich noch nicht geschafft habe. Ich liege meistens bei 2 Städten.

Das Passen

Auch das Passen gehört zu einem wesentlichen Spielelement und ihr solltet den richtigen Moment in eure Planungen einfließen lassen, weil der erste Spieler der passt, neuer Startspieler wird. Dies ist ein Vorteil, der nicht zu verachten ist. Doch Einfluss auf den Moment des Passens haben auch die Vorteilsplättchen. Ihr tauscht euer vorhandenes Vorteilsplättchen gegen eines der ausliegenden.


Nach dem Passen aller Spieler endet die Runde. Vergesst nicht, auf jedes der nun ausliegenden Vorteilsplättchen noch eine Münze zu legen. Dadurch werden Plättchen immer attraktiver.


Nach 5 Runden endet das Spiel und es erfolgt eine kurze Schlusswertung. Zunächst wandelt ihr alle noch zur Verfügung stehende Macht durch die Aktion „Machttausch“ noch in Geld um und erhaltet einen Zusatzpunkt je 3 Münzen.


Nun erfolgt noch die Gebietswertung, die mit zunehmender Spielerzahl an Bedeutung zunimmt. Ihr prüft, wie viele eurer Gebäude über Reichweite miteinander verbunden sind.


Wer nun über die meisten Siegpunkte verfügt gewinnt das Spiel.


Die optimale Spieleranzahl

Konzipiert ist das Spiel für 2 bis 4 Personen. Mir persönlich macht es in jeder Besetzungsgröße gleich viel Spaß. Die Spieldauer ist wesentlich kürzer als bei Terra Mystica. Einmal im Spiel drin, dauert eine Partie mit 4 Personen nur ca 90 Minuten.


Für das 2-Personen-Spiel könnt ihr am besten die Rückseite des Spielbretts nutzen und entweder mit der Variante „Planer“ oder „Glücksgräber“ spielen. In beiden Varianten platziert ihr neutrale Häuser. Diese lösen zwar keine Effekte aus sorgen aber dafür, dass ihr euren Kontor preiswerter bauen könnt, wenn diese an euch angrenzen.


Da jeder Spieler immer nur eine Aktion durchführt und diese sehr schnell abgehandelt ist, ist Downtime kein Thema. Das gesamte Spiel spielt sich super flüssig.

Fazit

Terra Nova ist ein super Spiel, welches zunächst einmal mit tollen Material und erstklassigen Illustrationen besticht. Doch auch, und das ist natürlich viel wichtiger, punktet es mit einem super zugänglichen Spielsystem.


Spielekennern wissen natürlich, dass es sich hier um die kleine Schwester des Expertenspiels Terra Mystica handelt. Auch wenn ich eigentlich kein großer Freund davon bin Spiel A mit Spiel B zu vergleichen, da ich ein Spiel eigentlich lieber für sich sprechen lasse, kommt man in diesem Fall nicht um gewisse Vergleiche herum. Man muss sich im Klaren darüber sein, was denn dieses Spiel sein möchte und das ist eine einsteigerfreundliche Version in das Spiel Terra Mystica, worauf in der Anleitung auch schon hingewiesen wird.


Wieviel Terra Mystica steckt denn nun aber in Terra Nova und wie ist dieses Vorhaben gelungen? Um das Expertenspiel zu einem gehobenen Familienspiel „zu machen“, musste man natürlich auf gewisse Elemente verzichten. So gibt es, zum Beispiel, die Kultskalen gar nicht und auch die Ressource „Arbeiter“ wurde komplett weggelassen, so dass man bei Terra Nova ausschließlich auf sein Geld achten muss. Des Weiteren wurden auch Tempel und Heiligtümer weggelassen und so könnt ihr eure Handelshäuser nur zu einem Palast aufwerten, von dem euch jetzt 2 zur Verfügung stehen. Trotzdem verlangt das Spiel immer noch Taktik, eine Fokussierung der Spieler und auch ein gewisses Durchrechnen der einzelnen Möglichkeiten. Und das ist schon ein Niveau, welches von Familienspielern Erfahrung mit Brettspielen voraussetzt. Ich würde es auf jeden Fall mindestens in die Kategorie eines gehobenen Familienspiels einstufen.


Ich hatte zunächst ein wenig Angst, dass man hier beim Spielen das Gefühl bekommt, ein unfertiges Spiel vor sich zu haben. Doch dem ist keinesfalls so. Es ist nahezu perfekt gelungen, einzelne Elemente wegzulassen und gleichzeitig aber den Geist des großen Spiels aufrecht zu erhalten. Dieses Spiel wurde soweit heruntergebrochen, dass auch Familienspieler in den Genuss kommen können und dann vielleicht später auf Terra Mystica umschwenken werden – hierzu gibt es ja auch einen expliziten Hinweis in der Anleitung.


Aufgrund 10 unterschiedlicher Völker mit komplett anderen Fähigkeiten ist langanhaltender Spielspaß garantiert. Spielt definitiv mal mit jedem Volk, da die unterschiedlichen Fähigkeiten auch immer eine andere Herangehensweise erfordern.


Doch wer greift nun zu diesem Spiel und benötige ich Terra Nova, wenn ich auch schon Terra Mystica im Schrank habe?

Ich glaube, dass man hier ein wenig differenzieren muss. Wenn ihr reine Kenner- oder Expertenspieler seid und Terra Mystica noch nicht im Schrank haben solltet, dann greift auf jeden Fall zu Terra Mystica, da in diesem Spiel deutlich mehr Spieltiefe steckt und dies deutlich fordernder ist. Man muss ehrlicherweise sagen, dass diese Spielergruppe aber auch nicht die Zielgruppe von Terra Nova ist.


Wenn ihr Familienspieler seid und ein wenig mehr taktische Tiefe wünscht, dann greift zu diesem Spiel. Dank der super Anleitung gelingt der Einstieg sehr unkompliziert und bereits nach der ersten Partie seid ihr im Spiel drin. Und genau das möchte das Spiel auch.


Insgesamt eine ganz klare Empfehlung, die viele Stunden tollen Spielsßaß bringt.






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