• Tim Nau

Das Bankett - Magnificum

Die Rezension ist absolut spoilerfrei - auch haben

wir auf Fotos verzichtet, die euch irgendwas verraten könnten,

um niemandem die Spannung zu nehmen


Das Bankett – Teil 1 und Teil 2

„Das Bankett“, von Magnificum, ist ein kooperatives und realistisches Ermittlungsspiel, für 1 bis 6 Spieler.

Aufgeteilt ist der Fall in 2 Teile. Der erste Teil mit dem Titel „Der Raub des Diamanten von Ramanpur“ ist quasi der Hauptfall und ihr benötigt diesen auch zum Spielen für den zweiten Teil mit dem Titel „Der Fluch des Diamanten von Ramanpur“.


Der zweite Fall ist eine Erweiterung – ich nehme es vorweg: Nach dem Spielen des Hauptspiels, wollt ihr auf alle Fälle auch den zweiten Fall spielen, da ihr Wissen möchtet, wie es weitergeht und ihr die Ungereimtheiten auflösen möchtet bzw. ihr einfach eure offenen Fragen klären wollt. Da hat Magnificum alles richtiggemacht.


Im ersten Fall beschäftigen wir uns hauptsächlich mit dem Raub des Diamanten. Es geschah auf der goldenen Hochzeit der Gräfin von Donnerswarth, die eigentlich ein epochales Ereignis werden sollte. Ihr Mann schenkte ihr den sagenumwobenen Diamanten von Ramanpur. Doch noch in derselben Nacht verschwindet dieser aus dem Safe.


Für uns als Ermittler gilt es 4 zentrale Fragen zu beantworten:

- Wer hat den Diamanten gestohlen?

- Wie ist der Dieb in das Zimmer gelangt?

- Wo war Patricia von Donnerswarth, als man sie verdreckt aufgefunden hat?

- Wem gehört der Koffer zu Zimmer 203?


Die Fortsetzung beschäftigt sich mit weiteren mysteriösen Geschehnissen. Trotz der Aufklärung bleiben einige Fragen unbeantwortet.

- Wer ist für den roten Nebel verantwortlich?

- Wer hat das Bankett-Essen vergiftet?

- Wer ist für die unheimliche Frauenstimme verantwortlich?

- An welchen Orten haben sich die Zwillinge während des Verschwindens aufgehalten?


Diese Fragen sind keine Spoiler - sie stehen hinten auf der Spieleschachtel. Das finde ich sehr gut da man so weiß, auf welche Fragen man vorbereitet sein muss, bevor man denn zur Lösungseingabe schreitet.


Das Spielprinzip und das Spielmaterial

Nach dem tollen Auftaktfall „Die Firmenfeier – Das letzte Fest des Oliver Borgmann“ war ich wirklich gespannt, was uns nun erwartet. Schaut euch gerne noch einmal meine Rezension zum Auftaktfall an: Die Firmenfeier - Das letzte Fest des Oliver Borgmann


Das Spielprinzip gleicht dem der Genrevertreter. Wir erhalten einen Umschlag und in diesem befinden sich zahlreiche Unterlagen. Bevor wir diesen aber öffnen, besuchen wir die Homepage und bekommen dort ein tolles Intro zu hören. Diese Einführung in den Fall gefällt mir richtig gut. Anschließend öffnen wir dann den Umschlag und starten mit unseren Ermittlungen…


Als beauftragte externe Ermittler schauen wir uns natürlich erst einmal die Homepage des Ermittlungsbüros an, da diese bereits Informationen erhält, auf die wir zugreifen dürfen. Anschließend sichten wir die zahlreichen Unterlagen, gehen den Hinweisen nach und ziehen aus diesen unsere Schlüsse, finden Motive sowie Alibis und entlarven am Ende (zumindest hoffentlich) den oder die Täter.


Das Öffnen des Umschlags ist immer ein Highlight bei Spielen dieser Art. Hier hatte ich wirklich einen „Wow-Effekt“, denn das Material ist sehr umfangreich und vor allem, was mir sehr wichtig ist, absolut realistisch. So gibt es, zum Beispiel, Fotos, ein Rezeptionsbuch, eine Einladungskarte oder einen Auszug aus Instagram. Das waren nur ein paar Beispiele. In diesem Bereich, welcher der wichtigste bei Spielen dieser Art ist, wurde sehr gut gearbeitet.


Der zweite elementare Bereich bei diesen Spielen sind immer die Internetseiten, die es zu besuchen gilt. Klar, auch hier ist ein Internetzugang zwingende Voraussetzung. Ich bin bei Spielen dieser Art immer wieder baff, mit wie viel Detailliebe die Entwickler arbeiten. Da steckt Leidenschaft, Herzblut und eine ganze Menge Zeit drin. Die Internetpräsenzen sind absolut realistisch aufgebaut und strotzen vor Detailreichtum.


Ein paar Worte zur Erweiterung

Die Erweiterung lässt uns noch ein wenig tiefer in die Geschehnisse im Schloss-Hotel Greiffenroda eintauchen. Eine Erweiterung bei einem Spiel dieser Art war auch für uns ein Novum. So waren wir sehr gespannt, was uns erwartet.


Das Öffnen des kleinen Umschlags war dann erst einmal eine Überraschung, da wir mit so einer Menge an Material nicht gerechnet hätten. Wir dachten, dass wir viel mehr mit Material aus dem, Hauptspiel arbeiten müssten. Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt, denn die Arbeit mit Material aus dem Hauptspiel kam, aus unserer Sicht, etwas zu kurz.


Die Erweiterung insgesamt macht großen Spaß und ihr werdet sie definitiv spielen wollen, wenn euch Spiele dieser Art gefallen.


Die optimale Spielerzahl und Spielzeit

Als Spielerzahl sind 1 bis 6 Personen angegeben. Rein theoretisch könnten natürlich auch noch mehr Personen das Spiel gemeinsam spielen. Hier kommt es wohl auf den Spielertypen an. Ich persönlich spiele solche Spiele am liebsten zu zweit oder maximal zu dritt. Von der Materialfülle ist es hier ohne Probleme möglich, dass sich auch vier oder mehr Spieler nicht langweilen, da man ja parallel auch immer im Internet recherchieren muss.

Die Spielzeit für den Hauptfall ist mit 2 bis 4 Stunden angegeben. Diese Angabe ist absolut passend. Wir haben knapp drei Stunden benötigt. Hier kommt es natürlich darauf an, wie viel Zeit man sich für die Gespräche über den Fall nimmt. Ich persönlich meine, dass man sich für dieses Spielerlebnis lieber ein wenig mehr Zeit nehmen sollte. Bei der Erweiterung geben die Entwickler 45 bis 90 Minuten an. Trotz einiger Erfahrung in Spielen dieser Art haben wir knapp 2 Stunden benötigt. Das finde ich jetzt nicht schlimm – ich habe mich lediglich über die 45 Minuten gewundert und frage mich auch ehrlich, wie man das in der Zeit schaffen kann.


Fazit

„Das Bankett“ ist der zweite Fall von Magnificum und hat uns großen Spaß gemacht. Qualitativ gelingt es sogar, noch einmal eine kleine Schüppe draufzulegen.


Es fängt beim umfangreichen und vor allem realitätsgetreuen Material an, erstreckt sich über zahlreiche Audiofiles, Videofiles und natürlich die Internetrecherche. Da steckt unheimlich viel Liebe zum Detail drin und alles zusammen mündet in einem spannenden Kriminalfall. In Summe waren wir ungefähr fünf Stunden tief gefesselt und im wahrsten Sinne des Wortes in einem Leben als Ermittler gefangen.


Was ich richtig gut finde ist, dass Magnificum versucht sich von „den Konkurrenten“ abzusetzen und eine eigene Duftnote zu setzen. In diesen Fällen ist es eine wirklich umfangreiche Verwendung von Audiofiles in Kombination mit Videofiles – ein wenig audioaffin solltet ihr daher sein, denn ihr müsst euch zahlreiche Mitschnitte anhören. Wer damit überhaupt nichts anfangen kann, der sollte nicht zu diesen beiden Fällen greifen. Die Qualität dieser Audiofiles ist echt gut. Hierzu gehören auch das hervorragende Intro und auch das Outro.


Sehr gut aufgebaut ist das Hinweissystem des Spiels. Zu allen relevanten Fragestellungen findet ihr eine unterschiedliche Anzahl an Hinweisen und gelegentlich auch noch die Lösung. Ich frage mich nur, warum es nicht für alles eine komplette Lösung, sondern teilweise auch nur eine Hinweiskette gibt. Die Hinweise sind schon sehr konkret, nur manchmal steht man vielleicht einfach komplett auf dem Schlauch. Hier hätte ich mir für jede Fragestellung eine komplette Auflösung gewünscht.


Die Bewertung der Schwierigkeit eines solchen Falls finde ich persönlich immer ein wenig schwierig. Wie leicht der Fall von der Hand geht, hat auf jeden Fall was damit zu tun, wie viele Spiele dieser Art ihr schon gespielt habt. Hier entwickelt sich mit der Spielerfahrung eine Routine und ihr wisst, worauf ihr achten müsst. „Die Firmenfeier“ fanden wir persönlich ein wenig zu einfach. Aus unserer Sicht ist dieser Fall schwieriger aber absolut lösbar. Im Vergleich mit anderen Spielen würde ich sagen, dass die Schwierigkeit sich hier im mittleren Bereich befindet. Durch geschicktes Kombinieren wird es euch hier gelingen, alle Fragestellungen komplett richtig zu beantworten.


Man kann nun darüber streiten ob es nötig ist, dieses Abenteuer in zwei Fällen zu präsentieren. Vielleicht hatte man einfach „Angst“, Spieler mit einer zu langen Spielzeit abzuschrecken. Meine Empfehlung an euch ist es, dass ihr die Erweiterung recht zeitnah nach dem Grundspiel spielen solltet, da ansonsten Details in Vergessenheit geraten könnten.


Ihr müsst kein Material zerstören oder beschriften, so dass es problemlos möglich ist, das Spiel an Freunde weiterzugeben, um diesen einen tollen Krimiabend zu ermöglichen.


Insgesamt ist dieses Spiel und auch die Erweiterung, aus unserer Sicht, ein Pflichtkauf für alle Freunde dieses Genres.


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